Krieg in Syrien Fünf Jahre Leid

Aus einem Kinderstreich wurde ein Krieg: Vor fünf Jahren begannen in Syrien die Aufstände gegen Diktator Assad. Ein vom Uno-Entwicklungsprogramm unterstützter Thinktank fasst das Elend in erschütternden Zahlen zusammen.

Von

AFP

Panzer, Bomben, Scud-Raketen, Giftgas, Folter, al-Qaida, der "Islamische Staat". Was die Syrer seit 2011 erleiden, ist kaum vorstellbar, und dennoch scheint die Lage jedes Jahr schlimmer zu werden.

Am 15. März 2011 hatte alles harmlos mit einem Kinderstreich begonnen: "Das Volk will den Sturz des Regimes", sprühten 15 Teenager im südsyrischen Daraa als Graffiti an die Wand. Eine Protestbewegung wegen der Verhaftung der Jugendlichen wurde brutal niedergeschlagen. Aus den Demonstrationen entstand ein Bürgerkrieg, der schließlich zu einem internationalen Stellvertreterkrieg wurde.

Seit fünf Jahren befindet sich Syrien im freien Fall. Derzeit haben die Menschen dort durch eine brüchige Feuerpause zumindest ein bisschen Ruhe.

Was bedeutet der Krieg in Syrien für die Menschen? Der Thinktank Syrian Center for Policy Research, der vom Uno-Entwicklungsprogramm (UNDP) unterstützt wird, versucht das Ausmaß der Katastrophe in seinem jüngsten Bericht in Zahlen zu fassen:

  • Jeder zehnte Syrer wurde entweder getötet oder verletzt.

  • Die durchschnittliche Lebenserwartung ist von 70,5 Jahre auf 55,4 Jahre gefallen.

  • Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht, davon die Mehrheit innerhalb des Landes.

  • Zwei Drittel aller Syrer haben ihren Job oder ihre Erwerbsquelle verloren.

  • 85 Prozent der Menschen in Syrien leben in Armut.

  • Jeder Fünfte verdient sein Geld durch die "Kriegswirtschaft" - als Kämpfer, Kidnapper oder Plünderer.

  • Die Hälfte der Kinder im schulpflichtigen Alter geht nicht mehr zum Unterricht.

  • Über 645 syrische Ärzte und Krankenschwestern wurden von den Kriegsparteien ermordet.

  • Syrien ist abgestürzt vom Rang eines Landes mittlerer Entwicklung wie Indonesien auf einen der schlechtesten Plätze im Uno-Ranking hinter Sudan und Afghanistan.

  • Das Land zerfällt zunehmend. Die soziale Ungleichheit steigt rasant. Die Menschen in den Regimehochburgen an der Küste, in Damaskus sowie im Süden sind weniger stark vom Krieg betroffen als die Menschen in anderen Teilen des Landes.

Die unabhängige Uno-Untersuchungskommission für Syrien beschrieb es in ihrem jüngsten Bericht so: "Das Leben der syrischen Männer, Frauen und Kinder wurde verwüstet inmitten der Zerstörung ihres Landes und des Vielvölker-Mosaiks. Zivilisten bleiben die Hauptopfer des sich intensivierenden Konfliktes und werden oft absichtlich zum Ziel."

Geschundenes Land: Wer wo in Syrien herrscht
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Geschundenes Land: Wer wo in Syrien herrscht

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REUTERS

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Theodoro911 15.03.2016
1. Jeder fünfte ernährt sich vom Krieg!
Das ist die makabre Auswirkung der finanziellen und ideellen Unterstützung des "regime change" von aussen. Angestiftet von Kreisen die keinerlei parlamentarischer Kontrolle unterliegen. Leider hat sich auch unsere Bundesregierung als williger Handlanger entpuppt und liefert Geld und Waffen an eine gewalttätige Opposition statt humanitäre Hilfe an die rechtmässige Regierung. Schande über Merkel und Steinmeier!
philosophus 15.03.2016
2. Nur das Graffiti ?
Am 15. März 2011 hatte alles harmlos mit einem Kinderstreich begonnen: "Das Volk will den Sturz des Regimes", sprühten 15 Teenager im südsyrischen Daraa als Graffiti an die Wand. Eine Protestbewegung wegen der Verhaftung der Jugendlichen wurde brutal niedergeschlagen. Aus den Demonstrationen entstand ein Bürgerkrieg, der schließlich zu einem internationalen Stellvertreterkrieg wurde.... Es werden jeden Tag, überall auf der Welt, provozierende oder sogar revolutionäre Graffitis geschafen. Das führt aber keinesfalls gleich zum Bürgerkrieg... In dem Fall war das Volk bereits vor dem Graffiti, wie eine geladene Bombe, fertig zum explodieren. Also, das Graffiti war nur der Funke, der die "Bombe" zum explodieren brachte...
Wolfgang_Lorenz 15.03.2016
3. Erst überall mitmachen und dann jammern, wenn die Flüchtlinge kommen...
Werfen wir einen Blick auf den Irak, schauen wir nach Libyen, Afghanistan und Syrien. Überall, wo die Großmächte interveniert haben oder wo ihre geostrategischen Interessen aufeinandergeprallt sind, wo sie die ihren Interessen gewogenen und die ihnen vermeintlich nützlichen Kräfte unterstützt haben, herrschen heute zum Teil apokalyptische Zustände. Ich erinnere eine Sendung, als sich Frau Maischberger in einem Interview, die Menschenrechte beschwörend, leidenschaftlich echauffierte, blieb Helmut Schmidt nach einem gelassenen Zug an der Zigarette dabei: keine Einmischung von außen in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes. Jeder kehre zu allererst vor seiner eigenen Tür! Sein Rezept findet, wenn man einmal vom ehemaligen Bundeskanzler Schröder absieht, leider keine Nachahmer, nein, im Gegenteil: die heutige Kanzlerin Angela Merkel hielt es damals sogar für angebracht, die Haltung Schröders im Irakkrieg anläßlich eines eilends anberaumten USA-Besuchs durch ihre gegenteiligen Ansichten zu konterkarieren. Allzu leicht, so will es mir scheinen, wird auch der §5 des Natovertrages strapaziert. Dass der Anschlag auf das World Trade Center ein fürchterlicher Terroranschlag war, wird niemand ernsthaft in Abrede stellen, ob er tatsächlich ein „casus belli“ war, ist indes - bei all seiner Zerstörungsgewalt – eher zweifelhaft. Afghanistan ist ein Paradebeispiel. Zuerst haben die Engländer dort herumgefuhrwerkt. Dann installierten die Russen das Natschibullah Regime. Dann fühlten sich die Amerikaner bemüßigt, die Taliban-Retourkutsche zu fahren. Nachdem die Amerikaner die Taliban mit Stinger Raketen ausgerüstet haben, war der Krieg für die Russen verloren. Was, in aller Welt, so ist zu fragen, hatte und hat Deutschland damit zu tun? Es ist die Aufgabe eines verbündeten Freundes, dem kriegswilligen Bündnispartner die Folgen seiner Absicht klar zu machen, ihm in den Arm zu fallen, ihm notfalls klipp und klar zu sagen, da machen wir keinesfalls mit. Die jungen Leute in Deutschland haben das in den Sechzigern im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg erkannt, ein großer Teil unserer damaligen politischen Führung nicht. Erst überall mitmachen und dann jammern, wenn die Flüchtlinge kommen, das geht nicht zusammen. Der Krieg kennt keine wirklichen Sieger, wohl aber massenhaft Verlierer. Und…Hand aufs Herz…das wissen doch alle vorher, oder nicht?
philosophus 15.03.2016
4. @Wolfgang_Lorenz
Klipp kurz und klar die ganze Situation sehr trefflich geschildert. Gratuliere, Sie haben meine uneingeschränkte Übereistimmung...
alternativestimme 16.03.2016
5. als bleibt vorlaeufig fuer diese Laender straffreiheit
Es began vor 5 Jahren in Syrien als Nato-Geheimoperation von US+UK+FR+DE+NL+Israel.Syrische Waehler wurden bezahlt um gegen Assad zu stimmen+wurden ueber die US-Spionage-NSA-Organisation uebers Internet zu antiAssad umgestimmt.Tausende Arbeiter in Gebaeuden haben ueber Internet(NSA) die Stimmung angeheitzt.Aufstaendische wurden trainiert,bewaffnet,finanziert.Elitetruppen+Geheimagente aus US+EU wurden aktiv in Syrien.Syriennachbarlaender wurden bestochen fuer eine Kooperation.Europaeische Presse wurde getaeuscht oder gekauft.Dies Alles ist eine klare Verletzung von internationalem Recht,Art 2 Ziffer 4 UN Charta.Das Resultat 12 mio Opfer wovon 450.000 Tote,ein stolzer Rekord fuer die Nato. Christen in Syrien werden v/d Aufstaendischen Islamisten gejagt die mit deutschem Steuergeld finanziert werden.Als durch ein Wunder haben gute russische Diplomatie und mahnende moralische Worte von Papst Franziskus massive Nato-Bombenangriffe gestoppt.Inzwischen sind die Angreiferstaaten ueberall bekannt geworden+versuchen von ihrem Tat abzulenken.Ein Internationaler Hof kommt nicht in Anspruch fuer diese Staatsoberhaeupte weil der Hof gerade von diesen Laendern bezahlt wird,ein noch nicht reorganisierter VN unter BanKiMoon ist auch nicht neutral genug,als bleibt vorlaeufig fuer diese Laender straffreiheit.Das NobelKomitee koennte wenigstens den NobelFriedensPreis von den Hauptagressoren Obama+EU zurueckfordern
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