Syrien Selbstmordanschlag trifft US-Konvoi

Erst vor wenigen Tagen wurden amerikanische Soldaten bei einem Anschlag in Nordsyrien getötet. Nun gab es einen erneuten Angriff auf einen US-Konvoi. Laut Aktivisten starben mehrere syrische Kämpfer.

Anschlag in Nordsyrien
AFP

Anschlag in Nordsyrien


In Nordsyrien ist es erneut zu einem Selbstmordanschlag auf einen Konvoi der US-Truppen und ihrer kurdisch-arabischen Verbündeten gekommen. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die US-geführte Anti-IS-Koalition bestätigte den Angriff.

Die Koalition betonte, es habe keine amerikanischen Opfer gegeben. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden allerdings fünf Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) getötet und zwei US-Soldaten verletzt. Die kurdische Polizei sagte hingegen, es sei nur eine Polizistin leicht verletzt worden. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte in einer Mitteilung auf ihrem Propagandakanal Amaq den Anschlag für sich.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen aus einem breiten Netzwerk an Informanten in Syrien. Die Angaben lassen sich unabhängig nur schwer überprüfen, haben sich in der Vergangenheit aber oft als richtig herausgestellt.

Die Aktivisten erklärten, der Attentäter habe sein Auto in den Konvoi gesteuert. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Explosion habe sich an einer Straßensperre kurdischer Kräfte ereignet. Von der kurdischen Polizei hieß es, der Attentäter habe mit einer Autobombe einen Konvoi der internationalen Koalition angegriffen.

Zweiter Anschlag auf US-Truppen binnen wenigen Tagen

Erst vergangene Woche waren bei einem Selbstmordanschlag im nordsyrischen Manbidsch 19 Menschen getötet worden, darunter fünf SDF-Kämpfer und vier US-Militärangehörige. Auch zu diesem Anschlag bekannte sich die IS-Miliz. Es waren die höchsten Verluste der US-Armee seit Beginn ihres Einsatzes gegen die IS-Miliz 2014. Die USA haben derzeit 2000 Soldaten in Syrien, um die SDF zu unterstützen.

Im Dezember hatte US-Präsident Donald Trump überraschend angekündigt, alle US-Soldaten aus Syrien abzuziehen, da die IS-Miliz besiegt sei. Die Ankündigung alarmierte die SDF, da die Türkei kurz zuvor mit einer neuen Offensive in Nordsyrien gedroht hatte. Das Rückgrat der SDF bilden die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die die Türkei wegen ihren engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation betrachtet.

Inzwischen machten US-Regierungsvertreter einen US-Abzug von Garantien der Türkei für die syrischen Kurden abhängig. Die Türkei droht aber weiter mit einer Offensive und hat dafür Zehntausende Soldaten an der Grenze zusammengezogen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, die Türkei respektiere die territoriale Integrität Syriens, werde aber die von der SDF kontrollierte Stadt Manbidsch ihren "rechtmäßigen Besitzern" zurückgeben.

aev/AFP



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