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Aufstand gegen Assad: Syrien-Konflikt greift auf Libanon über

Die Gewalt in Syrien greift auf die Nachbarstaaten über. Im Norden des Libanons kam es den dritten Tag in Folge zu Kämpfen. Die libanesische Armee bekommt die Lage bisher nicht in den Griff.

Kämpfer in Tripoli beim Nachladen: Der Syrien-Konflikt erfasst auch den Libanon Zur Großansicht
DPA

Kämpfer in Tripoli beim Nachladen: Der Syrien-Konflikt erfasst auch den Libanon

Hamburg - Der Kampf zwischen Anhängern und Gegnern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad greift auf den Libanon über. Am Montag kam es den dritten Tag in Folge zu Kämpfen zwischen den beiden Lagern in der Hafenstadt Tripoli im Norden des Landes. Seit Samstag sind dort insgesamt sieben Männer bei Straßengefechten ums Leben gekommen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte am Montag vor einem Flächenbrand in der Region. Es mehrten sich die Anzeichen, dass die Gewalt auf Nachbarländer wie den Libanon übergreife, sagte er in Berlin.

Tripoli ist einer der Brennpunkte im Libanon. In der nach Beirut zweitgrößten Stadt des Landes stehen sich eine konservative sunnitische Mehrheit und eine große alawitische Minderheit gegenüber. Die Assad-Gegner leben im verarmten Sunni-Stadtteil Bab al-Tebbaneh. Das Viertel gilt auch als Brutstätte für militanten Islamismus. Direkt darüber, getrennt ironischerweise durch die sogenannte Syrien-Straße, liegt das Alawiten-Viertel Dschebel Mohsen. Hier hängt man stolz die Gesichter des Assad-Clans an die Wand. In beiden Vierteln mangelt es nicht an Waffen.

Seit Jahrzehnten kommt es zwischen beiden Stadtteilen immer wieder zu Konflikten. Nun vertieft der Aufstand im Nachbarland die Gräben zwischen beiden Gruppen. Bereits im Februar wurden bei Kämpfen vier Männer getötet. Die libanesische Armee bekam die Situation jedoch wieder unter Kontrolle.

Verhaftung eines Islamistenführers löst Gefechte aus

Am Samstag schlugen die Wellen erneut hoch mit der Verhaftung des angesehenen Islamistenführers Schadi al-Maulawi durch libanesische Sicherheitskräfte. Maulawi hatte das syrische Regime stark kritisiert. Seine Verhaftung wurde damit begründet, er habe terroristische Anschläge geplant. Zu seiner Unterstützung versammelten sich Anhänger zu einem Sit-in. Am Abend fielen zwischen den verfeindeten Stadtvierteln die ersten Schüsse. Auch Granaten flogen.

Die libanesische Führung kam noch am Sonntag zu Beratungen in Beirut zusammen. Drei Einheiten der libanesischen Armee wurden nach Tripoli entsandt. Doch die Kämpfe gingen auch am Montag weiter ebenso wie die Demonstrationen. Für neuen Unmut sorgten Gerüchte, dass Maulawi wegen der Terrorismusvorwürfe vor ein Militärgericht gestellt werden solle. Damit könnte er ohne Prozess weggesperrt werden.

Damaskus beeinflusst die libanesische Politik

Das syrische Regime hat im Libanon, seinem Ex-Schutzbefohlenen, nach wie vor großen Einfluss auf die Politik. Erst 2005 hatte Syrien seine letzten Truppen aus dem kleinen Nachbarstaat abgezogen, die es dort seit 1976 mit dem libanesischen Bürgerkrieg stationiert hatte. Syrien sah das kleine Land lange als Teil seines Hoheitsgebiets an. Beide Regierungen sind eng verbündet. Seit Beginn der Aufstände im März 2011 flohen Zehntausende Syrer in den Nachbarstaat.

Die libanesische Hisbollah, einer der letzten Assad-Verbündeten, gehört der Regierung in Beirut an und stellt einen Teil der Sicherheitskräfte. Wiederholt gab es Vorwürfe, die Hisbollah beteilige sich an der Verfolgung von Assad-Kritikern. Mit der Verhaftung Maulawis wächst das Unbehagen im Libanon über die Sicherheitstruppen der Hisbollah. Oppositionspolitiker schimpften am Montag, die Verhaftung des Islamisten zeige, dass die Sicherheitskräfte ihre Befehle direkt aus Damaskus erhielten.

ras/Reuters/dpa

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1. ...
Hape1 14.05.2012
Zitat von sysopDPAEs tritt ein, was Experten seit langem befürchten: Die Gewalt in Syrien greift auf die Nachbarstaaten über. Im Norden des Libanons kam es den dritten Tag in Folge zu Kämpfen. Die libanesische Armee bekommt die Lage bisher nicht in den Griff. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833124,00.html
Ein "Experte" ist ja dann Assad selbst. Er warnte bereits im Oktober 2011 vor einem "Flächenbrand". Aber diese "Expertiese" wurde von Seiten des "Westens" als Drohung abgetan. "Am 30.10. warnt Präsident Assad in einem Interview mit dem Londoner „Sunday Telegraph“, eine ausländische Intervention werde zu einem „weiteren Afghanistan“ führen und sich zu einem *Flächenbrand* in der gesamten Region ausweiten." Chronik des Monats Oktober 2011 | Blätter für deutsche und internationale Politik (http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/dezember/chronik-des-monats-oktober-2011) Nun haben wir eine ausländische Intervention und einen Flächenbrand. Tolle Wurst.
2. Traum?
Thomas-Melber-Stuttgart 14.05.2012
Zitat von sysopDPAEs tritt ein, was Experten seit langem befürchten: Die Gewalt in Syrien greift auf die Nachbarstaaten über. Im Norden des Libanons kam es den dritten Tag in Folge zu Kämpfen. Die libanesische Armee bekommt die Lage bisher nicht in den Griff. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833124,00.html
Eigentlich schade, daß die vier gemäßigten und zivilisierten Staaten der Levante - Israel, Libanon, Jordanien und Syrien - zusammen nichts auf die Reihe bringen.
3. Erst Angreifen dann Übergreifen
derandersdenkende 14.05.2012
Zitat von sysopDPAEs tritt ein, was Experten seit langem befürchten: Die Gewalt in Syrien greift auf die Nachbarstaaten über. Im Norden des Libanons kam es den dritten Tag in Folge zu Kämpfen. Die libanesische Armee bekommt die Lage bisher nicht in den Griff. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833124,00.html
Wenn von Nachbarterritorien aus ein Land unterminiert wird, permanent Rebellen aus ihren Rückzugsgebieten ins Land einfallen, laufen auch die Nachbarterritorien Gefahr einbezogen zu werden. Ich halte dies für nichts Außergewöhnliches. Deshalb sollte Stabilität immer den Vorrang vor einer Destabilisierung haben. Aber das bringe mal einer den Interessenten an einer instabilen Lage bei.
4. Kämpfer?
lahoya 14.05.2012
Um welche Gruppierungen handelt es sich bei diesen "Kämpfern" denn? Bei uns nennt man solche Menschen in der Regel Terroristen oder?
5. Wenn dann Bitte alles vergleichen!
sweetdreams 14.05.2012
Zitat von lahoyaUm welche Gruppierungen handelt es sich bei diesen "Kämpfern" denn? Bei uns nennt man solche Menschen in der Regel Terroristen oder?
Es ist absurd Ausreden für Mörder zu suchen (ob "terroristische Gruppierungen" oder "Staatsgewalt"), aber um bei der Sache zu bleiben, etwas was in diesem Forum kaum noch berücksichtigt wird, friedlich hat es Assad nicht verstanden und friedlich wollte er es auch nicht lösen, die ganzen unbewaffneten Demonstranten zu Beginn (Auslöser der Gewalt seitens der Opposition) hat man hier kaum noch in Erinnerung, die Zehntausende politischen Gefangene hat man auch vergessen, dass Assads treue Syrer bewaffnet auf offener Strasse laufen und Menschen erschiessen dürfen, weiss man hier auch nicht. Assad hat vor einem Flächenbrand am Anfang gesprochen, und genau das setzt er seit einigen Monaten um, erste vorige Woche gab es in der Stadt Alppo blutige Auseinandersetzungen zwischen arabischen Stämmen und kurdischen Bewaffneten, und die eine Seite wurde dabei von Sicherheitskräften unterstützt. leider scheint Assads Plan aufzugehen und viele vergessen worum es ursprünglich ging. Leider ist jede erdenklich Lösung mit unerhofften Nebenwirkungen verhaftet, bleibt Assad so wird er dafür weiterhin darauf setzen, Gewalt zwischen den Minderheiten anzustacheln, geht Assad, muss man die Rache der betroffen fürchten, so oder so ein Bürgerkrieg ist längst entfacht!
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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