Kriegselend in Syrien Hilfskonvoi erreicht Hungerstadt Madaja

Kinder, die Blätter essen, horrende Schwarzmarktpreise für Babynahrung: Im syrischen Madaja kämpfen Zehntausende ums Überleben. Jetzt haben 44 Lkw mit Hilfsgütern die Stadt erreicht - sie müssen aber noch 20 Kontrollpunkte passieren.

AFP

Seit vergangenen Sommer halten Assad-treue Truppen das westsyrische Madaja im Würgegriff - jetzt erhalten die 42.000 Eingeschlossenen in der westsyrischen Stadt nach fast drei Monaten wieder Hilfe.

Am Montagmorgen sind 44 Lastwagen mit 330 Tonnen Hilfsgütern von Damaskus in Richtung Madaja aufgebrochen, teilte ein Sprecher des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) in Damaskus mit. Die Stadt liegt etwa 25 Kilometer westlich der Hauptstadt und wird seit Juli von regierungstreuen Truppen belagert.

Gegen Mittag erreichte der Konvoi Madaja, die Lkw konnten aber noch nicht zu den Einwohnern vordringen. Helfer erwarten dies erst für den Nachmittag - zuvor müssten die Laster noch mindestens 20 Kontrollpunkte der Regimetruppen passieren.

Mitte Oktober hatte die letzte Lieferung mit Medikamenten und Nahrungsmitteln Madaja erreicht, seither waren die Menschen auf sich allein gestellt. Manche aßen Augenzeugenberichten zufolge Gras und Blätter, um ihren Hunger zu stillen. Laut Ärzte ohne Grenzen (MSF) sollen seit Dezember 23 Menschen an Mangelernährung gestorben sein. Am Sonntag meldete die Hilfsorganisation fünf weitere Tote, darunter ein neunjähriger Junge. 200 unterernährte Menschen seien in akuter Gefahr zu verhungern, so MSF.

Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad ließen seit Oktober keine Lieferungen durch. Ähnlich soll die Lage in den Ortschaften Fua und Kafraja im Nordwesten des Landes sein. Sie sind von syrischen Rebellen eingeschlossen, die gegen das Assad-Regime kämpfen. Dorthin brachen ebenfalls am Montag von Homs aus 21 weitere Laster auf, um in den umzingelten Orten die Menschen mit dem Nötigsten zu beliefern. In den Ortschaften sind nach Uno-Angaben 20.000 von Hilfslieferungen abgeschnitten.

Nachdem am Donnerstag Bilder aus der belagerten Stadt die Weltöffentlichkeit schockiert hatten, willigte das Assad-Regime ein, Hilfsgüter zu den eingeschlossenen Hungernden durchzulassen. In der Stadt sollen Schwarzmarktpreise von 300 Dollar für ein Kilo Milchpulver und um 200 Dollar für ein Kilo Reis oder Weizenmehl gezahlt worden sein.

cht/Reuters/AFP/dpa

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