Syrienkrieg Hilfskonvois erreichen vier belagerte Städte

Seit Monaten harren rund 60.000 Syrer in den Städten Madaja, Sabdani, Fua und Kefraja aus. Jetzt melden Hilfsorganisationen: Erstmals konnten die Menschen wieder mit Nahrung und Medikamenten versorgt werden.

Hilfskonvoi bei Idlib
AFP

Hilfskonvoi bei Idlib


Es passiert viel zu selten, doch am Sonntagabend gab es gute Nachrichten aus Syrien: Zum ersten Mal seit knapp sechs Monaten sei es gelungen, mit Hilfskonvois in vier belagerte Städte in Syrien vorzudringen, hieß es vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (ICRC). Demnach handelt es sich um die Städte Madaja, Sabdani, Fua und Kefraja.

Dort harrten insgesamt rund 60.000 Menschen aus. Sie seien nun unter anderem mit Nahrung und Medizin versorgt worden.

53 Lastwagen seien nach Madaja und Sabdani gefahren. Diese Städte in der Nähe von Damaskus werden seit Monaten von Verbündeten der syrischen Armee eingekesselt. 18 weitere Trucks seien in Kefraja und Fua in der nordwestlichen Provinz Idlib angekommen. Diese Städte werden seit April 2015 von Aufständischen belagert.

Die Hilfslieferungen wurden von der syrisch-arabischen Hilfsorganisation Roter Halbmond, der Uno und dem ICRC organisiert. Die Vereinten Nationen hatten am Donnerstag nach einem 48-stündigen Stopp ihre Hilfslieferungen für die Bevölkerung in Syrien wieder aufgenommen. Zuvor waren sie nach dem verheerenden Angriff auf einen Hilfskonvoi bei der umkämpften Großstadt Aleppo ausgesetzt worden.

Heftiger Streit im Uno-Sicherheitrat

Nach den schweren Luftangriffen auf Aleppo am Wochenende haben sich Russland und die westlichen Staaten im Uno-Sicherheitsrat gegenseitig die Schuld an der Eskalation der Gewalt gegeben. Moskau unterstütze "ein mörderisches Regime" in Syrien, sagte die US-Botschafterin Samantha Power bei der Sondersitzung in New York. Russland missbrauche sein Privileg, als ständiges Sicherheitsratsmitglied über ein Vetorecht zu verfügen. Das Land betreibe in Aleppo "keinen Anti-Terror-Kampf, sondern Barbarei".

Der russische Uno-Botschafter Witalij Tschurkin wies die Vorwürfe zurück. Angesichts der Zahl an verschiedenen Rebellengruppen sei ein Ende des Bürgerkrieges derzeit "ein nahezu unerreichbares Ziel".

Die von den USA und Russland mühsam ausgehandelte Waffenruhe war vergangenen Montag de facto gescheitert. Die syrische Armee hatte sie aufgekündigt, daraufhin wurden die Kämpfe wieder verstärkt.

SPIEGEL TV Magazin

aar/Reuters/AP

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