Anschlag auf Flüchtlinge 120 Tote und keiner ist verantwortlich

Mehr als 120 Tote, darunter fast 70 Kinder: Noch immer ist unklar, wer hinter dem Anschlag auf einen Buskonvoi in Syrien steckt. Regierung und Rebellen geben sich gegenseitig die Schuld.

Zerstörter Bus in Raschidin
REUTERS

Zerstörter Bus in Raschidin


Im Norden Syriens ist am Osterwochenende einer der schlimmsten Anschläge des Bürgerkriegs verübt worden: Ein Selbstmordattentäter riss am Samstag bei Aleppo mehr als 120 Menschen mit in den Tod. Bis zum Montag übernahm niemand die Verantwortung für den Anschlag.

Unter den Toten sind fast 70 Kinder, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Stelle stützt sich auf ein Informantennetzwerk in Syrien. Ihre Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen, haben sich in der Vergangenheit jedoch als zuverlässig erwiesen.

Die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad machte "Terrorgruppen" für den Anschlag verantwortlich. Damaskus bezeichnet grundsätzlich alle ihre bewaffneten Gegner im Land als "Terroristen".

Die islamistische Rebellengruppe Ahrar al-Scham wies eine Verantwortung der Aufständischen zurück. "Unsere Aufgabe war es, für die Sicherheit der Zivilisten zu sorgen, nicht sie zu töten", erklärte die Rebellengruppe. Oppositionsaktivisten beschuldigten hingegen Regierungsanhänger, hinter dem Anschlag zu stecken.

"Nach sechs Jahren Krieg neuer Horror"

Die Überlebenden des Anschlags konnten am Samstagabend weiterreisen. Sie trafen in der Nacht zum Sonntag in Aleppo ein, von wo aus sie teilweise in die Hafenstadt Latakia oder in die Hauptstadt Damaskus gebracht werden sollten.

Der Buskonvoi stand am Samstag in der von Aufständischen kontrollierten Ortschaft Raschidin, als der Attentäter einen Transporter in die Luft jagte. Die Verwüstungen durch den Anschlag wurden offenbar noch verstärkt, weil eine nahe gelegene Tankstelle ebenfalls in Brand geriet.

Die Evakuierung von insgesamt vier Orten war nach langwierigen Verhandlungen zwischen Regierung und Rebellen unter Vermittlung ihrer Verbündeten Iran und Katar vereinbart worden.

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den Anschlag als "tief erschütternd". Das amerikanische Außenministerium sprach von einer "barbarischen Attacke". Der Direktor des Kinderhilfswerks Unicef reagierte mit Entsetzen und Wut auf den Anschlag bei Aleppo. "Nach sechs Jahren Krieg und Gemetzel in Syrien ist das ein neuer Horror, der das Herz eines jeden bricht, der eins hat", sagte Anthony Lake am Sonntag in New York.

Papst Franziskus verurteilte den Angriff in seiner Osterbotschaft. "Die letzte schändliche Attacke auf Flüchtlinge hat zahlreiche Tote und Verletzte gefordert", sagte er vor 60.000 Gläubigen auf dem Petersplatz.

sep/AFP/dpa



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