New York/ Damaskus - Erst Ende Januar hatte US-Außenminister John Kerry den syrischen Rebellen zusätzliche 60 Millionen US-Dollar Unterstützung zugesagt, umgerechnet 46 Millionen Euro. Dazu sollten Lebensmittel und medizinische Hilfsgüter kommen, die so direkt den Bürgern in von der Opposition kontrollierten Gebieten zugutekommen würden.
Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte am selben Tag bei einer Syrien-Konferenz in Rom mitgeteilt, die Bundesregierung werde weitere fünf Millionen Euro an humanitärer Hilfe bereitstellen - zusätzlich zu insgesamt bereits mehr 68 Millionen Euro. Geld, das den vier Millionen Syrern helfen soll, die nach Uno-Schätzungen auf Unterstützung angewiesen sind. Im Land sind zwei Millionen Menschen durch den bewaffneten Konflikt zwischen Regierung und Opposition vertrieben worden, mehr als 850.000 Menschen sind in Nachbarländer Syriens geflohen.
Finanzielle Hilfe stützt Präsident Assad
Doch ein Großteil der bisher geleisteten internationalen Hilfe kommt nicht bei der unter dem Bürgerkrieg leidenden Bevölkerung in den von der Opposition kontrollierten Gebieten Syriens an, berichtet jetzt die "New York Times" in ihrer Sonntagsausgabe. Stattdessen sei die finanzielle Unterstützung vor allem in von Präsident Baschar al-Assad kontrollierten Gebieten gelandet.
Rebellenvertreter beklagen in der "New York Times", die humanitäre Hilfe stütze so letztlich das Assad-Regime - weil die Regierung dank der Unterstützung in der Lage sei, in von ihr kontrollierten Gebieten den durch die Kämpfe Vertriebenen ausreichend Nahrung zur Verfügung zu stellen. In von der Opposition kontrollierten Regionen wie der nordsyrischen Stadt Aleppo dagegen kämen weder Essen noch Arzneimittel bei den Flüchtlingen an.
Die Vereinten Nationen sind in einer verzwickten Situation: Solange die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad von der Uno anerkannt ist, kann das syrische Regime auch bestimmen, wie internationale Hilfe ins Land kommt. So werde zum Beispiel der kürzeste und sicherste Weg in den von der Opposition kontrollierten Norden Syriens blockiert, zitiert die "New York Times" einen Uno-Vertreter: "Wir haben das Einverständnis der Regierung nicht, also können wir das als Vereinte Nationen nicht tun."
Oppositionsgebiete sind zu schwer zugänglich
Die Situation führt zu Kritik von den Menschen, die westliche Nationen eigentlich unterstützen wollen: Gegenüber der "New York Times" äußerten sich Dutzende Syrer aus von der Opposition kontrollierten Gebieten enttäuscht über die "leeren Versprechen" des Westens.
Mindestens drei Uno-Hilfskonvois haben den Weg durch die Frontlinien geschafft, um die Regionen Idlib und Aleppo im Norden Syriens zu erreichen, acht Uno-Mitarbeiter sind dabei getötet worden. Vertreter westlicher Hilfsorganisationen, die nicht namentlich genannt werden wollten, sagten der "New York Times" zufolge, die Gewalt im Lande schränke den Aktionsradius für humanitäre Hilfe ein: "Die Realität ist, dass es schwer ist, Hilfe in Oppositionsgebiete zu schaffen", wird ein anonymer Mitarbeiter zitiert. Uno-Vertreter geben dagegen an, bis zu 45 Prozent der 1,7 Millionen Menschen in Syrien, die Hilfe durch das Uno-Lebensmittelprogramm bekommen hätte, lebten in von Rebellen zumindest umkämpften Gebieten, so die "New York Times". Zahlen, die von anderen Beobachtern angezweifelt werden.
Anders als die Uno-Hilfslieferungen gelangt das Geld von dem Assad-Regime feindlich gesinnten arabischen Staaten direkt in die Oppositionsgebiete, gibt die "New York Times" Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wieder. Allerdings, so Mego Terzian von "Ärzte ohne Grenzen" gegenüber der "New York Times": "Der Großteil der finanziellen Zuwendungen aus diesen Ländern fließt in den Krieg und nur sehr wenig in humanitäre Hilfe."
Aus dem Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien berichtet die "New York Times" von zwei Flüchtlingslagern, an denen die Ungleichheit besonders deutlich wird: Während in einem von der türkischen Regierung unterhaltenen Auffanglager Schüler in einer geräumigen Grundschule von Therapeuten begleitet werden, die auf posttraumatische Belastungsstörungen spezialisiert sind, fehlen im benachbarten Lager Elektrizität, Heizung und vor allem Essen.
dba
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