Fünf Jahre Syrienkonflikt Ein Land am Boden

Syrien vor dem Krieg und heute, das sind zwei Welten. Unsere Infografik der Woche zeigt, wie die vergangenen fünf Jahre das Land ruiniert haben.


SPIEGEL ONLINE

Der Konflikt in Syrien geht ins sechste Jahr. Was als friedlicher Protest im Zuge des Arabischen Frühlings begann, mündete in einem Bürgerkrieg, dem bis heute mindestens 250.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Über 13,5 Millionen Syrer sind mittlerweile auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Am fünften Jahrestag der Proteste steht das Land am Abgrund, das belegen zentrale wirtschaftliche und soziale Statistiken. Die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt vier der wichtigsten Indikatoren - vor dem Konflikt und heute. Nach Angaben des Forschungszentrums Syrian Center for Policy Research (SCPR) ist die Lebenserwartung rapide gesunken: von fast 70 Jahren auf unter 50 Jahre.

Wer überlebt hat, verdient wenig oder hat sehr wahrscheinlich kein Ein- und Auskommen mehr. Das Durchschnittseinkommen war auch vor dem Krieg nicht sonderlich hoch, aber jetzt ist es auf ein Sechstel geschrumpft. Die Arbeitslosigkeit wird auf über 50 Prozent geschätzt und über 80 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

"Die ökonomischen Auswirkungen des Konflikts sind wegen der wenigen Daten schwer abzuschätzen, sind aber groß und wachsen weiter", heißt es in einem Bericht der Weltbank. Auch gibt es lokale Unterschiede innerhalb Syriens. In manchen Damaszener Stadtteilen lässt es sich bestimmt noch besser aushalten als in Aleppo, wo kein Stein mehr auf dem anderen liegt.

Diktator Baschar al-Assad ist weiter an der Macht. Zuletzt konnte er mit Unterstützung des russischen Militärs wieder Geländegewinne erzielen. Vor zwei Wochen trat schließlich eine von den USA und Russland unterstützte Waffenruhe in Kraft. Seit Montag wird in Genf über weitere Schritte hin zu einem Friedensabkommen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen verhandelt.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

Im Video: Demonstranten fordern den Rücktritt von Assad

loe/che

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 133 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
arcostobu 17.03.2016
1. Überraschung?
Auch "Nichtpolitprofis" konnten das vor 5 Jahren voraussehen.Als durch USA und EU Öl ins Feuer gegossen wurde, war der weitere Verlauf ins Chaos vorprogrammiert. Welche "Strategen" sitzen eigentlich an den entscheidenden Schalthebeln?
wekru 17.03.2016
2. das ist kein Krieg, sondern eine Revolution
Solange wir nicht verstehen um was es in Syrien geht, wird es dort auch nicht besser. Es ist eine Revolution, kein Krieg. Kriege kann man mit Waffenstillständen beenden, Revolutionen nicht. Eine Revolution endet mit einer veränderten Verfassung, einem Neuaufbau des Staates, so wie überall in der Geschichte überall auf der Welt. Wenn manche bemängeln, die Revolutionen in Ägypten z.B. seien gescheitert, dann stimmt dies in sofern, wie sie nicht zuende geführt wurden, es keine neue Verfassung gab, der zentralistische Staat mit seinen Möglichkeiten des Machtmissbrauchs weiter besteht und lediglich andere Minderheiten an die Macht gekommen sind. Wer mit Waffengewalt von aussen Revolutionen beendet ohne den Prozess eines verfassunggebenden Neubeginns einzuleiten, wirft das Land lediglich zurück auf Null. Das wäre so, als hätte man NS-Deutschland beibehalten und lediglich ein paar Personen der Führungsclique vertrieben. Funktioniert nirgendwo, auch in Syrien nicht.
erzrotti 17.03.2016
3. Ein ökonomisch
gesundes Land, so wie einst Libyen, war Syrien. Und dann haben die USA dort ihre Menschenrechte vorbei bringen wollen. Gegen Öl und Einfluss.... Und nun ist dort nichts mehr. Schuld daran ist natürlich Assad. Wer sonst?! Gut, dass die Russen einigermaßen Ordnung in einen Teil des Landes gebracht haben.
wertzuwachs2307 17.03.2016
4. @ wekru
Was Sie schreiben ist Nonsens. Eine Revolution kommt von Innen - das war in Syrien nicht der Fall. Vielmehr findet hier ein Stellvertreterkrieg statt. Und da gelten andere Regeln.
jj2005 17.03.2016
5. 70,5 Jahre
Mit einer Lebenserwartung von 70,5 Jahren war Syrien ein für die Region sehr, sehr hoch entwickeltes Land. Frauen hatten Rechte, Christen und Angehoerige anderer Religionen konnten friedlich leben. Wie schon im Irak, haben der Westen" und zwei "verbuendete" sunnitische Staaten entschieden, die Demokratie nach Syrien zu tragen. Glueckwunsch! Eine harte Sanktionspolitik mit Einreiseverboten fuer seinen gesamten Clan haette Assad wohl verstanden, aber es war ja viel einfacher und gerechter, das Land in Schutt und Asche zu legen. Als Konsequenz muessen wir jetzt hilflos zusehen, wie AfD, Le Pen, Salvini und andere Clowns die europaeische Idee zu Grabe tragen. Bei wem genau koennen wir uns fuer diese brillante strategische Leistung bedanken?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.