Öffentliche Tötung in Syrien IS-Kämpfer erschießt offenbar seine eigene Mutter

Eine Mutter bangt um ihren Sohn, doch der tötet sie vor Hunderten Zuschauern per Kopfschuss: Dieses Szenario hat ein IS-Kämpfer laut Menschenrechtlern in Syrien verwirklicht.

Screenshot aus einem Rekrutierungsvideo (Archiv): Öffentliche Tötungen üblich
AFP/ ISIL

Screenshot aus einem Rekrutierungsvideo (Archiv): Öffentliche Tötungen üblich


Ein Kämpfer der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat offenbar seine eigene Mutter getötet. Die Frau sei in der IS-Hochburg Rakka vor Hunderten Zuschauern mit einem Kopfschuss umgebracht worden, teilten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und das lokale Netzwerk Raqqa is Being Slaughtered Silently unter Berufung auf Informanten mit.

Die 40-jährige Lina wollte demnach ihren Sohn dazu bringen, den IS zu verlassen. Denn die Mutter habe befürchtet, dass ihr Sohn bei Luftangriffen auf die Stadt getötet werden könnte. Der Mann habe daraufhin seine Vorgesetzten informiert, berichtete die oppositionsnahe Organisation.

Die Tat des 20-Jährigen ereignete sich demnach schließlich am Mittwoch in der Nähe des Postgebäudes von Rakka ereignet, wo die Frau gearbeitet habe. Der IS-Kämpfer sei zunächst für die moderate Freie Syrische Armee (FSA) im Einsatz gewesen, sei dann jedoch zur radikalen Nusra-Front und schließlich zum IS gewechselt.

Von unabhängiger Seite konnte der Bericht nicht bestätigt werden. Die Angaben der Beobachtungsstelle stützen sich auf ein dichtes Netz von Aktivisten. Wegen der unübersichtlichen Lage in dem Konfliktgebiet können sie aber nur schwer überprüft werden.

Der IS, der weite Teile Syriens und des benachbarten Iraks unter seine Kontrolle gebracht hat, hat bereits Hunderte Menschen öffentlich getötet, denen er eine Zusammenarbeit mit seinen Gegnern oder Verstöße gegen seine ultrakonservative Interpretation des Islams vorwirft.

Der IS verhängt unter anderem für Abfall vom Glauben, Ehebruch und Homosexualität die Todesstrafe. Der Einsatz von Kindersoldaten sowie das Halten von Sklaven sind dagegen nicht strafbar, sondern werden ausdrücklich gefördert.

apr/AFP/Reuters

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