Propaganda-Video IS-Miliz präsentiert offenbar alte deutsche Raketen

In einem Propagandavideo führen Kämpfer des "Islamischen Staats" Raketen mit deutscher Beschriftung vor. Offenbar sind den Dschihadisten alte Flugkörper aus den Achtzigerjahren in die Hände gefallen.

Standbild von IS-Video im Blog "Bellingcat": Offenbar deutsche Raketen aus den Achtzigerjahren
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Standbild von IS-Video im Blog "Bellingcat": Offenbar deutsche Raketen aus den Achtzigerjahren


Berlin - Die Miliz "Islamischer Staat" (IS) hat in Syrien offenbar Raketen aus deutscher Produktion erbeutet. Das zeigt ein Propagandavideo, das am Montag im Internet kursierte. Darin zeigten die IS-Kämpfer Waffen und Material, das sie vergangene Woche bei der Einnahme des strategisch wichtigen Militärflughafens al-Tabka erbeutet haben wollen.

Dschihadisten posieren neben Raketen, auf denen "Lenkflugkörper DM 72 - 136 mm Panzerabwehr" steht. Laut der Tageszeitung "Die Welt" handelt es sich dabei um Raketen vom Typ "HOT" des ehemaligen deutsch-französischen Herstellers Euromissile. Die "HOT"-Raketen wurden demnach 1981 an die Regierung Syriens geliefert, das damit seine Kampfhubschrauber vom Typ "Gazelle" ausgestattet hat.

Allerdings sind in dem kurzen Video nur die Hüllen der Raketen zu sehen, ob sich darin tatsächlich noch die Flugkörper befinden, ist nicht zu erkennen. Ebenso ist unklar, ob die Raketen noch einsatzfähig wären und die Miliz überhaupt über die nötige Technik und Expertise verfügt, um diese dann einzusetzen. Die Raketen sind nur mit einer speziellen Startvorrichtung abzufeuern.

Bereits im vergangenen Jahr gab es Berichte, nach denen Extremisten in Syrien Panzerabwehrraketen erbeutet hatten.

Am Montag hat der Bundestag Regierungsplänen zugestimmt, die kurdische Armee im Nordirak unter anderem mit 500 Panzerabwehrraketen, 16.000 Sturmgewehren und mehreren Millionen Schuss Munition für ihren Kampf gegen die Terrormiliz auszurüsten. SPD und Union stimmten dafür, Linke und große Teile der Grünen-Fraktion dagegen.

In der Debatte über die Pläne der Koalition war auch immer wieder die Sorge laut geworden, die Waffen könnten später feindlichen Gruppen in die Hände fallen.

fab/mgb/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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Hans58 01.09.2014
1.
Es wurden keine Raketen mit deutscher Beschriftung gezeigt, sondern nur die Behältnisse, so sagt es zumindest der "Hauptartikel". Die Überschrift irritiert.
hobbyleser 01.09.2014
2. Passt ja.
Na das passt doch zur heutigen Entscheidung, Waffen in den Irak zu liefern.
heinzerichii 01.09.2014
3. Das wäre es doch fürs nächste Mal..
..gäbe es sowas (schon), müssten die Kurden in diesem speziellen Fall mit Waffen ausgestattet werden, die von Deutschland aus überwacht und gesteuert werden können. Bei "Missbrauch" bzw. in den falschen Händen könnten die elektronisch gesperrt und damit unbrauchbar gemacht werden.
spiegelwelt 01.09.2014
4.
Bei der momentanen Debatte verstehe ich nicht, weshalb man nicht einfach Waffen liefert, die sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr benutzen lassen. Dazu müsste man doch nur Materialien einsetzen, die nach einer gewissen Zeit verfallen / spröde werden. Dann könnte man nicht Waffen einsetzen, die vor vielen Jahren geliefert wurden und nun vielleicht in "falschen Händen" sind. Darüber sollte mal nachgedacht werden!
smsderfflinger 01.09.2014
5. 1.9.1
Leicht zu durchschauendes Kalkül des IS. Anscheinend haben die IS - Aktivisten doch Angst, was die Waffenlieferungen betrifft. Dies Video soll wohl zeigen, dass vom Westen gelieferte Waffen in ihre Hände fallen können. Hier wird gezielt Deutschland adressiert, um die Diskussion hier nach ihren Wünschen zu beeinflussen. Hier in den Foren und in vielen TV - Diskussionen wird ja auch immer diese Möglichkeit als Argument gegen Waffenlieferungen angeführt. Dabei wird geflissentlich unterschlagen, dass in Kriegen immer schon Waffen erbeutet und gegen den Gegner eingesetzt wurden. Es sei hier an die nicht kleine Zahl von den Deutschen im 2.WK erbeuteten T34 Panzern erinnert, die dann gegen ihre Hersteller eingesetzt wurden. Das hat die UdSSR aber nicht dazu gebracht, ihre Panzerproduktion einzustellen. D
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