Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Syrien: Regimetruppen erobern Palmyra vollständig vom IS zurück

AFP

Die syrische Armee drängt den IS weiter zurück: Laut Militär und Beobachtern haben sich die Terroristen aus der Weltkulturerbe-Stadt Palmyra zurückgezogen.

Die syrischen Regierungstruppen haben nach Angaben aus Militärkreisen und einer Oppositionsorganisation die Oasenstadt Palmyra vollständig von der Terroristenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zurückerobert. Die Armee habe die für ihre antiken Ausgrabungsstätten berühmte Stadt nach heftigen nächtlichen Kämpfen gänzlich unter ihre Kontrolle gebracht, sagte ein Militärvertreter in Palmyra. Die Terroristen hätten sich zurückgezogen.

Auch die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, das Hauptkontingent des IS sei aus der Stadt Richtung Osten abgezogen. Lediglich in östlichen Stadtteilen habe es am Morgen noch Kämpfe gegeben. Die Armee wird von der syrischen und der russischen Luftwaffe unterstützt. Die für Syrien vereinbarte Waffenruhe gilt nicht für den Kampf gegen den IS.

Sowohl die Ausgrabungsstätten als auch die angrenzenden Wohngebiete seien nun wieder unter Kontrolle der Armee. Die IS-Kämpfer seien in ihre Hochburgen Suchnah, Rakka und Deir Essor im Osten und Norden Syriens zurückgewichen, sagte der Militärvertreter. Experten der Armee seien dabei, Dutzende Sprengsätze und Minen in der antiken Stadt zu entschärfen. Die Einnahme von Palmyra ist ein wichtiger militärischer Erfolg für die syrische Armee.

Fotostrecke

16  Bilder
Palmyra in Syrien: Zerstörtes Weltkulturerbe

Das zum Unesco-Welterbe zählende Palmyra liegt 210 Kilometer nordöstlich von Damaskus im Herzen der syrischen Wüste und ist eine der wichtigsten archäologischen Stätten des Landes. In der Antike war die Stadt dank des Handels mit Gewürzen, Seide und Duftstoffen aus dem Osten eine luxuriöse Metropole und zeitweise ein politisches und spirituelles Zentrum. Vor der Verbreitung des Christentums wurde die Dreifaltigkeit Baal, Jarhibol (Sonne) und Aglibol (Mond) angebetet.

In dieser Epoche entstanden die berühmten Tempel zu Ehren des babylonischen Gottes Baal - dem Äquivalent von Zeus - und des phönizischen Himmelsgotts Baalschamin. Beide Tempel wurden Ende August von den IS-Extremisten in die Luft gesprengt.

Palmyra gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Stadt war wegen ihrer gut erhaltenen antiken Ruinen weltbekannt. Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 besuchten jährlich mehr als 150.000 Touristen die Ruinen und bewunderten die lange Säulenstraße, den Triumphbogen, die Tempel und die mehr als 500 Grabmäler der Nekropole.

Der IS hatte die Stadt im Mai 2015 erobert. Danach sprengten die IS-Kämpfer den 2000 Jahre alten Baal-Tempel, den Baal-Schamin-Tempel sowie mehrere einzigartige Turmgräber, den Triumphbogen und einen Teil der berühmten Säulenstraße. Am 7. März startete die syrische Armee dann mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung der nordöstlich von Damaskus gelegenen Stadt. Am Freitag meldete das Staats-TV die Rückeroberung der Zitadelle von Palmyra.

Nun will die Unesco sobald wie möglich eine Kommission zur Sichtung der Kriegsschäden in die historische Oasenstadt entsenden. Die Organisation der Vereinten Nationen werde am 4. April über einen Besuch beraten, sagte die russische Unesco-Vertreterin Eleonora Mitrofanowa. Die Kommission soll auch über eine mögliche Wiedererrichtung zerstörter Denkmäler beraten. "Erst brauchen wir einen völligen Überblick. Die Terroristen haben den berühmten Triumphbogen sowie antike Tempel und Statuen zerschlagen und einen Teil der Anlage vermint", sagte Mitrofanowa.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Anzeige

Fotostrecke
Palmyra in Syrien: Zerstörtes Weltkulturerbe

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: