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Neue Eroberungen: Mehr als die Hälfte Syriens in der Hand des IS

DPA

Palmyra ist gefallen, der "Islamische Staat" hat die antike Stadt überrannt - die Sorge um die antiken Kulturstätten ist groß. Damit kontrollieren die Terroristen erstmals mehr als 50 Prozent des syrischen Territoriums.

Eine Weile schien es, als sei der "Islamische Staat" auf dem Rückzug, immer wieder setzte es Niederlagen im Irak und in Syrien. Das hat sich in den vergangenen Wochen gründlich geändert. Die Extremisten eilen von Sieg zu Sieg. Zuletzt eroberten sie Ramadi im Irak, nun fiel offenbar der antike syrische Ort Palmyra. Damit herrschen sie über die Hälfte des Staatsgebiets.

Mit dem Fall der 50.000-Einwohner-Stadt kippte das Kontrollverhältnis zu Gunsten des IS. Allerdings handelt es sich bei den Gebieten, in denen die Miliz herrscht, zu großen Teilen um Wüste. Aus Propaganda-Sicht ist es sicher als Erfolg für den IS zu werten. Die dicht besiedelten Teile im Westen des Landes halten jedoch weiter die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad und IS-feindliche Rebellengruppen.

In Palmyra hätten sich die Pro-Assad-Kämpfer nach tagelangen Kämpfen von allen Positionen in der Stadt und ihrer Umgebung zurückgezogen, erklärten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und andere Aktivisten am Donnerstag. Die Angaben der Beobachtungsstelle haben sich in Vergangenheit oft als zuverlässig erwiesen, allerdings ist es derzeit nicht möglich, Meldungen aus Syrien unabhängig zu verifizieren. Auch der IS selbst bestätigte die Eroberung auf Twitter.

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Ruinen von Palmyra: Sturm auf die antike Stadt
Stützpunkte des Militärgeheimdienstes in der Wüste sowie der Militärflughafen und das Gefängnis von Palmyra seien aufgegeben worden. Die Dschihadisten seien in der Nacht in die Haftanstalt eingedrungen. Die meisten Einwohner von Palmyra sollen ihre Heimat noch vor dem Einmarsch des IS verlassen haben.

Experten der Unesco befürchten nun eine Zerstörung von Palmyras antiken Stätten, die zum Weltkulturerbe zählen. Der IS hatte bereits in anderen antiken Orten wie Nimrud und Hatra im Irak schwere Zerstörungen angerichtet.

Bangen um historisches Erbe

Bisher heißt es nur, die IS-Kämpfer seien in die Kulturstätten von Palmyra eingedrungen. Über mögliche Beschädigungen ist bisher nichts bekannt. Nach Angaben der syrischen Antikenbehörde wurden vor der Einnahme der Stadt durch die IS-Kämpfer am Mittwoch Hunderte Statuen fortgeschafft und in Sicherheit gebracht.

Machtverhältnisse in Syrien (Stand: 21. Mai 2015) Zur Großansicht
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Machtverhältnisse in Syrien (Stand: 21. Mai 2015)

Auch in Nordsyrien verlor das Regime in Kämpfen gegen Islamisten an Boden. In der Provinz Idlib rückte das Rebellen-Bündnis Dschaisch al-Fatah nach Berichten von Oppositionsmedien auf die Stadt Aricha vor. Die radikale Al-Nusra-Front, der syrische Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida, und ihre Verbündeten hatten am Dienstag den letzten großen Militärstützpunkt des Regimes in der Region, eingenommen. Bei Luftangriffen der Regierung starben in Idlib mehr als 70 Menschen, darunter 22 Zivilisten.

jok/Reuters/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 174 Beiträge
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1. Was ich mit diesen Berichten des Spiegels mache?
von_scheifer 21.05.2015
Das Gleiche wie mit den Berichten vor 4 Jahren über "Demonstranten", "Deserteure" und Menschenrechtsaktivisten". Wisch und weg.
2.
humpalumpa 21.05.2015
Syrien ist mehrheitlich in der Hand des IS? Dann ist Assad als Oberhaupt ja offensichtlich abgelöst, denn die Mehrheit im Land, flächentechnisch gesehen, hat er nicht mehr. Dafür, dass er vorher derart den Harten markiert hat, lässt der sich von diesen Islamisten aber ganz schön auf der Nase rumtanzen. Was ist das für ein Diktator? Der einzige positive Mehrwert, den seine "Berufsgruppe" immer gebracht hat, ist doch, dass sie wenigstens derartiges Gesindel in ihrem Land unterjocht haben. Nicht mal das kriegt er auf die Kette.
3. Und am Ende bekommt der IS...
klugscheißer2011 21.05.2015
... noch ein großes Dankeschön von der sogenannten freien westlichen und demokratischen Welt, weil er den lang gehegten und dann irgendwie doch ungeliebten Machthaber Assad vertreibt. Wahrscheinlich geht damit eine Strategie des Westens auf. Aus dem Irak vertrieben - hinein nach Syrien. Da können sie dann machen, was sie wollen, wertvolle Kulturstätten hin oder her. Es ist die Politik des Westens, die verlogen und verkommen ist. Was aber werden die Folgen sein? Noch mehr Flüchtlinge aus Syrien machen sich auf den Weg nach Europa, viele werden ertrinken.
4. Ja, rent a revolution
Baikal 21.05.2015
wie die unverantwortlichen Sofa-Revolutionäre auch hier propagandierten, Assad muß weg, warum und wie auch immer, lieber eine freie syrische Armee die dann doch nur aus den alten Profiteuren des Systems bestand und nun ist eben der IS da und wird so bald nicht mehr weichen. Wieder ein Ergebnis der dummen westlichen Politik, wie schon im Iran, in Libyen und keiner der Verantwortlichen wird je nach Den Haag kommen, außer natürlich als Staatsgast des freien Westens.
5. Ich versteh es nicht
static2206 21.05.2015
wie kann eine Gruppe zusammengewürfelter Fanatiker aus aller Welt mehrere reguläre Armeen einfach so überrennen? Hätte man das vorher gewusst, dass die syrische Armee unfähig ist, hätte man mit ner halben Kompanie ja Syrien einnehmen können und Assad stürzen.
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