Syrien-Krieg Israel und Iran zeigen Russland die Grenzen auf

Israel bombardiert Ziele in Syrien, das Assad-Regime feuert Raketen ab: Die Sorge vor einer Eskalation wächst - und Russland ist verärgert.

Israelischer Kampfjet
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Israelischer Kampfjet

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Benjamin Netanyahu dachte, er habe sich klar genug ausgedrückt. "Ich sprach mit Präsident Putin ausführlich über die strategische Bedeutung der iranischen Versuche, eine permanente Präsenz in Syrien zu errichten. Ich habe deutlich gemacht, dass das für Israel nicht hinnehmbar ist", sagte der israelische Ministerpräsident nach seinem Gespräch mit Wladimir Putin im Kreml.

Das war am 9. März. Er habe den Eindruck, dass der russische Staatschef seine Botschaft verstanden habe, sagte Netanyahu.

Offenbar nicht: Ziemlich genau eine Woche später hat sich zwischen Israel und Syrien der schwerste militärische Zwischenfall seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs ereignet. Israelische Kampfjets bombardierten mehrere Ziele in Syrien - und erstmals schlug die Armee von Diktator Baschar al-Assad zurück. Regierungstruppen feuerten eine Luftabwehrrakete russischer Bauart vom Typ S-200 ab. Die Rakete hob ab, lange nachdem die israelischen Flugzeuge sich zurückgezogen hatten.

Welche Ziele Israel traf, bleibt offen

Eine israelische Luftabwehrrakete vom Typ Arrow 2 schoss die syrische Rakete ab, weil sie drohte, auf israelischem Gebiet niederzugehen. "Sie verhielt sich wie eine Boden-Boden-Rakete. Wir konnten nicht zulassen, dass sie unsere Städte gefährdet", sagte ein israelischer Militärsprecher. Es war das erste Mal, dass die israelische Armee eine Arrow 2 im Ernstfall zum Einsatz brachte. Die Explosion, als die Arrow 2 die S-200 traf, war in weiten Teilen Israels und des Westjordanlandes zu hören.

Die Vorfälle in der Nacht zum Freitag sind aus mehreren Gründen außergewöhnlich: Wegen des Einsatzes seiner Luftabwehrrakete sah Israel sich gezwungen, seine Militäroperation in Syrien öffentlich zu machen. Eigentlich ist es Regierungspolitik, keine Stellung dazuzunehmen, um Freund und Feind im Unklaren zu lassen. Welche Ziele Israel genau traf, lässt die Armee aber offen.

Nach Angaben der syrischen Armee griffen die Israelis Ziele in der Nähe der Wüstenstadt Palmyra an. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite dafür gibt es bislang nicht. Es wäre das erste Mal, dass Israel ein Ziel angreift, das Hunderte Kilometer von seinen Landesgrenzen entfernt liegt. Bislang richteten sich die Luftschläge gegen Einrichtungen und Konvois in Damaskus und Umgebung.

Angriff in der Nähe russischer Soldaten

Wahrscheinlich zielte der Angriff auf den Militärflughafen T4 in der Nähe von Palmyra. Nachdem Israel in den vergangenen Wochen Waffenlieferungen auf dem Militärflughafen Mezze in Damaskus zerstört hatte, könnte Iran auf den Wüsten-Airport ausgewichen sein, um Raketen an die verbündete Hisbollah-Miliz zu liefern - mit dem Hintergedanken, dass Israel diesen Flughafen weit im Landesinneren nicht angreifen würde. Nach Informationen von Ron Ben-Yishai, dem renommiertesten Kriegs- und Militärberichterstatter in Israel, zielte der Angriff auf eine Lieferung von Scud-D-Raketen, die eine Reichweite von 700 Kilometern haben.

Erstmals bestellte Russland nach einem Luftangriff in Syrien den israelischen Botschafter ein. Noch am Freitag wurde Gary Koren im Moskauer Außenministerium zu den Vorgängen befragt. "Wir haben einen speziellen Verbindungskanal, und wir wollen, dass dieser Kanal effektiver funktioniert und es keine Verwirrung gibt über das, was wer macht", sagte Russlands Vizeaußenminister Michail Bogdanow. Wie das Internetportal "Gazeta.ru" unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen berichtet, hatten Israel und Russland sich eigentlich prinzipiell darauf verständigt, dass die israelische Luftwaffe diejenigen Objekte auf syrischen Territorium vernichten kann, die eine Bedrohung für Israel darstellen.

Offenbar war der Kreml auch deshalb so erzürnt über das israelische Vorgehen, weil in Palmyra russische Soldaten stationiert sind.

Moskau wird künftige Angriffe aus Israel nicht verhindern können

Das Regime in Damaskus sieht sich durch die jüngste Eskalation gestärkt: Der syrische Vergeltungsschlag und die Einberufung des israelischen Botschafters in Russland hätten die "Spielregeln" verändert, sagte der Uno-Botschafter des Assad-Regimes, Baschar al-Dschafari. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte Assad mit den Worten: "Sie (gemeint ist Russland, Anm. d. Redaktion) können eine Rolle spielen, dass Israel in der Zukunft nicht mehr Syrien angreift."

Doch Moskau wird künftige Angriffe nicht verhindern können. Israels Geheimdienste sehen Syrien mehr und mehr als Aufmarschgebiet für Iran und die Hisbollah. Sie fürchten, dass Teherans Verbündete die Golanhöhen nutzen könnten, um von dort aus in einem künftigen Krieg Raketen auf Israel abzufeuern.

Russland ist derzeit offenbar weder gewillt noch im Stande, die Aufrüstung der Hisbollah in Syrien zu stoppen.



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frankfurtbeat 21.03.2017
1. grundsätzlich ...
grundsätzlich ist das ein Problem von Israel ... aber wenn man sich derart aggressiv verhält, entgegen aller Ratschläge vom Siedlungsbau nicht zurückweicht, wird es in Israel sicher nicht ruhiger werden. Persönlich kenne ich das Problem und das Thema Golanhöhen bereits aus den 60-ziger Jahren.
frank2013 21.03.2017
2. EU sollte Russland dafür Grenzen in Nordafrika aufzeigen
Die EU sollte wie Israel in Syrien den Russen die Grenzen in Lybien aufzeigen und auch militärisch präsent sein und mit der einen Regierung kooperieren. Es kann nicht sein, dass Lybien als direkter Nachbar der EU-Anrainer durch Russland gesteuert wird und Russland damit auch massgeblich über die Flüchtlingspolitik und die Stabilität Europas entscheidet. Hier sollte schleunigst gehandelt werden. So etwas wie in Syrien sollte nicht mehr zugelassen werden.
charlybird 21.03.2017
3. Da trifft es sich ja prima,
dass die Rhein-Metall demnächst ihre Dependance in der Türkei produktionstechnisch erweitern möchte. Dann kann der türkische Chefdemokrat endlich auch effizienter bei der Befriedung des nah-und mittelöstlichen Großraums mithelfen. Sicherlich zur Freude aller Beteilgten.
frank.huebner 21.03.2017
4. Wer ist hier der Angreifer?
Eine schlimme Situation. Itran liefert Waffen an die Hisbollah und "könnte" damit in naher oder ferner Zukunft Israel bedrohen. Israel ghreift daraufhin mit seiner Luftwaffe das Ziel in Syrien an, attackiert also ein militärischen Ziel in einem souveränen Nachbarland. Das alleine müsste eine Sitzung des Weltsicherheitsrates und Sanktionen nach sich ziehen, denn man munkelt, dass auch Israel sich nciht alles erlauben kann. Ich kann Israel verstehen, dass sie die mögliche Bedrohung schon im Anfangsstadium ausschalten möchte, aber so darf das nicht laufen. Man nehme an, Russland würde in Georgien US-Waffenlieferungen bombardieren, was würde die Welt für einen Aufstand machen...
jeff123 21.03.2017
5. Griechische Tragödie
Die Geschichte hat das Zeug sich zu einer großen griechischen Tragödie auszuweiten. Ein direkter Konflikt zwischen Israel, Iran und Russland und im Hintergrund ein unberechenbarer Trump der sich auf welche Seite auch immer schlägt. Mann o Mann ich hoffe da geht mal nichts schief
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