Krieg in Syrien Waffenruhe in Ost-Ghuta wird offenbar nicht eingehalten

Eigentlich sollte es in Ost-Ghuta eine fünfstündige Feuerpause geben, damit Zivilisten fliehen und Hilfslieferungen in die Region gebracht werden können. Doch die Kämpfe gehen anscheinend weiter.

Rauchwolke über dem syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta am 26.02.2018
DPA

Rauchwolke über dem syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta am 26.02.2018


Die Region Ost-Ghuta hatte zuletzt eine der schlimmsten Angriffswellen seit Beginn des Bürgerkriegs erlebt. Ab dem heutigen Dienstag sollten in einer der letzten verbliebenen Rebellenhochburgen in Syrien die Waffen ruhen. Doch die Feuerpause wird offenbar nicht eingehalten. Das russische Militär beschuldigte Rebellen, den geschaffenen Korridor mit Mörsergranaten anzugreifen. Die Rebellengruppen wiesen den Vorwurf zurück.

Die Waffenruhe war von dem russischen Präsident Wladimir Putin ausgerufen worden. Es sollten Hilfsgüter gebracht und ein humanitärer Korridor geschaffen werden, durch den Zivilisten fliehen sollten.

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Yasser Delwan, ein Sprecher der in der Region operierenden Jaish-al-Islam, bezog gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Stellung zu den russischen Vorwürfen. Die Rebellen hätten niemanden davon abgehalten zu gehen. "Und Zivilisten treffen ihre eigenen Entscheidungen", sagte Delwan weiter.

Laut Informationen der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hätten Hubschrauber zwei Bomben auf Gemeinden in der Rebellenenklave abgeworfen, auch ein Kampfflugzeug hätte ein Dorf angegriffen. Die Angaben dieser Organisation können nicht unabhängig überprüft werden, haben sich aber in der Vergangenheit als verlässlich erwiesen.

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Aktuell stehen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 1000 kranke und verwundete Menschen in der Region auf einer Evakuierungsliste. Es gebe aber keinerlei Informationen darüber, ob eine solche Evakuierung stattfinde, sagte WHO-Sprecher Tarik Jasarevic zu Reuters.

Die Uno zeigt sich indes hilflos: Es sei zu diesem Zeitpunkt unmöglich, viel in Ost-Ghuta zu bewegen, sagte ein nicht namentlich genannter Uno-Sprecher gegenüber Reuters.

Am Samstag hatte die Uno bereits eine 30-tägige Waffenruhe beschlossen. Auch diese wurde gebrochen. Beobachter fürchteten schon im Vorfeld, dass eine Feuerpause nicht von Dauer sein würde, solange die Regierungen der Kriegsparteien ihre Gegner pauschal als Terroristen bezeichnen (Eine Analyse dazu finden Sie hier).

höh/dpa/AFP/Reuters



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