Geplanter US-Abzug aus Syrien Kommen jetzt Söldner oder saudi-arabische Soldaten?

"Andere Leute" sollen künftig in Syrien kämpfen, nicht mehr US-Soldaten. So will es Präsident Trump. Saudi-Arabien zeigt sich offen - und auch der berühmteste Söldner der Welt hat Interesse.

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Für Donald Trump ist die Sache klar: Nachdem die USA, Großbritannien und Frankreich am Wochenende syrische Stellungen als Antwort auf den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in der einstigen Rebellenenklave Duma bombardierten, twitterte der US-Präsident "Mission Accomplished!"

Die Strafaktion dürfte das von Iran und Russland unterstützte Regime von Baschar al-Assad aber nicht nachhaltig beeindruckt haben. "Wenn US-Präsident Trump den Angriff nur angeordnet hat, um zu zeigen, dass die Vereinigten Staaten auf Assads Chemiewaffeneinsatz antworten, dann wurde das Ziel erreicht", zitierte der in Geheimdienstkreisen gut vernetzte Journalist Ronen Bergman am Dienstag israelische Geheimdienststellen.

Sollte mit dem Bombardement aber zudem versucht worden sein, etwa Assad abzuschrecken, nochmals C-Waffen einzusetzen, dann sei "zweifelhaft", ob dieses Ziel erreicht worden sei. Auch ist nach dem Angriff weiter unklar, wie groß und funktionsfähig das Chemiewaffenprogramm des syrischen Regimes wohl ist.

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Luftschläge in Syrien: Angriff ohne Wirkung

Für den Moment gilt: Donald Trump will raus aus Syrien. Der US-Präsident hat das mehrmals in den vergangenen Wochen und Monaten betont. Die etwa 2000 Soldaten, die gegenwärtig vorwiegend im Nordosten des Landes stationiert sind, sollen "so schnell wie möglich" in die Heimat zurückkehren, sagte er am Montag. Und betont ebenfalls seit längerem, "andere Leute" sollten sich um den Syrienkonflikt kümmern.

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Zwar warnen Analysten, ein solcher Schritt würde ein neues Erstarken der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ermöglichen und zudem Russlands Position in Syrien stärken. Doch Trump scheint entschlossen zu sein.

Washington hat auch bereits ausgemacht, wer diese "anderen Leute" sein könnten, die sich mehr in Syrien engagieren sollen: Sunnitische arabische Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Ägypten - oder Katar. Zwar stehen die drei erstgenannten dem kleinen Emirat seit rund einem Dreivierteljahr feindlich gegenüber (Hier lesen Sie mehr zur Katarkrise), aber das scheint das Weiße Haus nicht zu stören.

Wie das "Wall Street Journal" zu Wochenbeginn berichtete, hat John Bolton, der als Hardliner bekannte Nationale Sicherheitsberater von Trump, unlängst den ägyptischen Geheimdienstdirektor Abbas Camel angerufen, um auszuloten, ob die Regierung von Abdel Fattah el-Sisi bereit wäre, Truppen nach Syrien zu schicken. Nach ägyptischen Medienangaben ist dies nicht der Fall. Die ägyptische Armee sei kein "Söldnerheer" sagte ein hochrangiger Militär nach Angaben der Newsseite "Egypt Independent".

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Russischer Militäreinsatz in Syrien: Moskau unterstützt Damaskus

Saudi-Arabien zeigt sich indes aufgeschlossen. Wenn die von den USA geführte Anti-IS-Allianz erweitert werde, sei ein saudi-arabisches Engagement möglich, sagte Außenminister Adel al-Dschubeir am Dienstag. Er betonte aber auch, dass die Idee einer panarabischen Streitkraft in Syrien nicht neu sei - zu Recht. Bereits 2016 hatte Saudi-Arabien angekündigt, Soldaten im Kampf gegen den IS nach Syrien schicken zu wollen. Bislang waren das aber nur leere Worte.

Söldner nach Syrien?

Ob sich das nun ändert, ist offen. Saudi-Arabien, die VAE und etwa zwanzig weitere arabische oder muslimische Länder haben diese Woche eine gemeinsame Militärübung im Osten der wahhabitischen Monarchie abgehalten. Es war der Versuch einer Machtdemonstration.

Vor allem der Einfluss Saudi-Arabiens und der VAE in Syrien ist aber gering, zudem sind beide Länder bereits im Jemen in einem blutigen Stellvertreterkrieg gegen die von Iran unterstützten Huthi-Milizen aktiv. Eine neue Front in Syrien wäre ein unkalkulierbares Wagnis.

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"Golf-Schild 1": Militärische Machdemonstration

Nach Angaben des "Wall Street Journal" erklärte sich nun aber auch Erik Prince, Gründer der Söldnerfirma Blackwater, die heute Academi heißt, bereit, in Syrien aktiv zu werden. Dessen umstrittene Einheiten waren bereits im Irakkrieg im Einsatz, Prince unterstützt auch die VAE im Jemenkrieg.

Der frühere Blackwater-Chef sagte, er sei bereits inoffiziell von arabischen Amtsträgern angesprochen worden - und betonte, sein mögliches Engagement würde den USA nur Vorteile bringen. Das "Outsourcing" würde weder die amerikanischen Steuerzahler etwas kosten, noch würden US-Truppen in Gefahr gebracht.

In jedem Fall wären die Söldner nicht die ersten in Syrien. Auch Russland setzt im Vielfrontenkrieg auf eine Schattenarmee, "Wagners private Sicherheitsfirma". Es könnte folglich indirekt zu einem Stellvertreterkrieg der Großmächte auf syrischem Boden kommen.

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Syrien: Russlands tote Söldner

Die Mitglieder der russischen "Wagner"-Truppe sollen zwischen 1200 bis 2000 Euro Sold in Syrien erhalten. Wer die Kämpfer im Falle eines Einsatzes bezahlen könnte, ist offen. Eine Möglichkeit wäre, dass die arabischen Herrscherhäuser dafür aufkämen. Ähnlich ist dies bereits im Falle der VAE-Operation im Jemen der Fall, wo die Emirate auf im Guerillakampf erfahrene Einheiten aus Kolumbien setzen, die von Blackwater ausgebildet wurden.

Noch ist keine Entscheidung gefallen, weder in Washington, noch in Riad. Der Kampf um die Vorherrschaft in Syrien wird aber weitergehen - und ist zudem Teil eines noch größeren Konflikts, zwischen Saudi-Arabien und Israel auf der einen, Iran auf der anderen Seite.

Weder Kronprinz Salman noch Trump sind berechenbar. Besonders der US-Präsident beweist seit seinem Amtsantritt ein ums andere Mal, dass höchstens darauf Verlass ist, dass sich niemand auf ihn verlassen kann.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hatten wir Erik Prince als Blackwater-Chef und die Söldner noch als Blackwater-Mitarbeiter bezeichnet. Das Unternehmen hat inzwischen aber den Namen gewechselt - und auch Gründer Prince steht nicht mehr an der Spitze. Wir haben die entsprechenden Stellen angepasst.

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