Syrien-Konflikt Golfstaaten drängen Landsleute zum Verlassen des Libanons

Der Bürgerkrieg in Syrien wirkt sich auf den Libanon aus: Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar fordern ihre Landsleute auf, das Land umgehend zu verlassen - es habe Drohungen gegeben. Bewaffnete libanesische Schiiten haben nach eigenen Angaben dutzende Syrer verschleppt.

Bewaffnete Schiiten in einem Vorort von Beirut: Verwandte sollen freigepresst werden
REUTERS

Bewaffnete Schiiten in einem Vorort von Beirut: Verwandte sollen freigepresst werden


Beirut - Im syrischen Nachbarland Libanon ist die Lage angespannt: Angesichts von Drohungen gegen ihre Staatsbürger riefen die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar ihre Landsleute auf, das Land umgehend zu verlassen. Das teilten die Behörden beider Länder am Mittwoch mit.

Hintergrund sind Befürchtungen, dass libanesische Schiiten als Vergeltung für Geiselnahmen von Libanesen und Iranern durch syrische Rebellen saudi-arabische Bürger entführen könnten. Die Botschaft der Emirate in Beirut habe Informationen zu Drohungen gegen ihre Staatsbürger im Libanon erhalten, die "mit dem schwierigen politischen Kontext im Libanon" zusammenhingen, erklärte das Außenministerium in Abu Dhabi.

Bewaffnete Schiiten verschleppten am Mittwoch im Libanon nach eigenen Angaben Dutzende Syrer, zerstörten Geschäfte und vertrieben Arbeiter von ihren Arbeitsstellen. Damit wollten sie von der syrischen Opposition verschleppte Angehörige freipressen, wie ein schiitischer Clan-Chef sagte. Unter den verschleppten Syrern seien auch ein Führer der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) und ein Türke. Sie würden gefangen gehalten, bis die Verwandten freikommen, hieß es.

Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur ANI geriet die Situation in den mehrheitlich schiitischen Vororten völlig "außer Kontrolle", als bewaffnete Männer Geschäfte verwüsteten, Autos zerstörten und "Dutzende Syrer" verschleppten.

Grund waren unbestätigte Berichte, wonach vier der schiitischen Pilger in der nordsyrischen Rebellenhochburg Aasas getötet worden seien. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge waren bei einem Luftangriff auf ein Hauptquartier der Aufständischen in Aasas am Mittwoch vier der elf schiitischen Pilger schwer verletzt, jedoch keiner getötet worden. Die Libanesen waren im Mai im Norden Syriens verschleppt worden.

Die Bevölkerung im Libanon ist in ihrer Haltung zum Konflikt in Syrien geteilt, und es gibt zwischen Anhängern und Gegnern des syrischen Machthabers Baschar al-Assad immer wieder blutige Auseinandersetzungen.

Air France leitete eine ihrer Maschinen am Mittwochabend auf dem Weg von Paris nach Beirut in die jordanische Hauptstadt Amman um. Grund sei, dass die Sicherheit am Flughafen Beirut nicht gewährleistet sei, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Schiitische Demonstranten blockierten nach Angaben des Flughafens in Beirut eine Zufahrtsstraße und verbrannten dort Autoreifen. Air France wolle nicht riskieren, dass die Passagiere am Flughafen festsäßen, wo es keine Hotels gebe, erklärte die Sprecherin.

lgr/AFP/dapd

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paulibahn 16.08.2012
1. korrektur
"Grund waren unbestätigte Berichte, wonach vier der schiitischen Pilger in der nordsyrischen Rebellenhochburg Asas getötet worden seien." nein, grund war die entführung eines libanesischen zivilisten durch die fsa in syrien. dessen familie hat daraufhin syrer in libanon gekidnappt.
beobachterbeobachter42 16.08.2012
2. Es waren die beide Gründe fällig..
Zitat von paulibahn"Grund waren unbestätigte Berichte, wonach vier der schiitischen Pilger in der nordsyrischen Rebellenhochburg Asas getötet worden seien." nein, grund war die entführung eines libanesischen zivilisten durch die fsa in syrien. dessen familie hat daraufhin syrer in libanon gekidnappt.
...Auf einer Seite war das militärische Arm der Mafia Clan Migdad mit über 17 Tausend Mitglied!!-Und auf der Andere Seite waren die Unterstützer der Familien der 11 libanesischen Entführte wie der Mafia Clan Jafar und der Mafia Clan Zayter.(Im Grunde genommen, es sind indirekt die Schergen der Hisbollah und Amal Partei, die das Land kontrollieren und Weltweit im Drogengeschäfte sowie Geldwäsche tätig sind). Im Libanon hat nie im richtige Sinne einen Staat wirklich existiert. Es gibt nicht was die Libanesen zusammen hält.Das einzige was die Libanesen vielleicht alle gemeinsam haben ist Ihre Vorliebe für "Los" grüne frische Mandel, "Janarek" grüne Pflaumen oder "Mezza" orientalische Antipasti, was allerdings und womöglich sie es zusammen teilen mit anderen Völker in der Gegend.
Baascho 16.08.2012
3. Gefälschte Bericherstattung.
Der Clan der die Entführungen an den Anhänger der FSA in Libanon ausgeführt hat, hat diese ausgeführt wegen der verschleppung Hassan Almokdad, der diesem Clan angehört. Sie begründen ihre Aktionen, da der Libanon die Sicherheit seiner Bürger nicht mehr gewährleisten kann, und nachdem die seit Monate anhaltende Entführung der 11 Plger keine positive Entwicklung zeigt, hat der Clan Almokdad auf eigene faust gehandelt.
demokratischersozialist 16.08.2012
4. Tja....
das die Schiiten in Libanon auf die Entfuehrung und Ermordung von Glaubensbruedern in Syrien irgendwann reagieren wuerden, sollte eigentlich niemand verwundern! Was mich wundert ist das die libanesischen Schiiten so lange still gehalten haben!
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