PKK, YPG, Peschmerga Diese Kurden kämpfen im Syrienkonflikt

Ankara macht die PKK für den jüngsten Anschlag verantwortlich. Aber auch kurdische Milizen wie die YPG. Und dann sind da noch die Peschmerga. Wer kämpft wo und wofür? Ein Überblick.

PKK-Kämpfer (Archivbild): Immer wieder Gefechte mit türkischen Einheiten
AFP

PKK-Kämpfer (Archivbild): Immer wieder Gefechte mit türkischen Einheiten


Zunächst einmal generell: Die Kurden leben im Nahen Osten über mehrere Länder verteilt und stellen dort zum Teil eine nicht unwesentliche Minderheitengruppe. Insgesamt sind es geschätzte 30 Millionen Menschen. Lange Zeit wurden sie diskriminiert und unterdrückt, kämpften vergebens um Anerkennung und einen eigenen Staat.

In der Türkei, in Syrien und im Norden des Iraks haben sie bewaffnete Einheiten gebildet. Sie alle kämpfen heute gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die in Syrien und im Irak ein Kalifat ausgerufen hat. Ihre Ziele verfolgen sie zum Teil mit unterschiedlichen Strategien. Dabei changieren sie zwischen den USA, Russland, dem Assad-Regime und der Türkei.

Türkei - PKK

PKK-Kämpfer (Archivbild): Der Chef sitzt in Haft
AFP

PKK-Kämpfer (Archivbild): Der Chef sitzt in Haft

Die kurdische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist in der Türkei verboten und steht dort sowie in der EU und den USA auf der Terrorliste. Ihre politische und militärische Führung sitzt seit Jahren in den Kandil-Bergen im Nordirak. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. PKK-Chef Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 in Haft.

Inzwischen ist die PKK von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt und verlangt Autonomie. Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühten sich um einen Friedensprozess. Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe. Dieser Prozess wurde kürzlich beendet. Im Südosten kam es seitdem wiederholt zu Gefechten zwischen der PKK und der türkischen Armee. Ankara flog zuletzt auch immer wieder Angriffe gegen PKK-Stellungen im Nordirak.


Syrien - YPG

YPG-Kämpfer im syrischen Hasaka: Beherrschen große Gebiete
REUTERS

YPG-Kämpfer im syrischen Hasaka: Beherrschen große Gebiete

Die kurdischen Volksschutzeinheiten im Norden Syriens sind eng mit der PKK verbunden. Sie gelten als der bewaffnete Ableger der PYD, der kurdischen Partei der Demokratischen Union. Schätzungen gehen von etwa 30.000 Kämpfern aus, darunter viele Frauen. Die YPG haben sich zum erbitterten Gegner des IS entwickelt und sind in Syrien der wichtigste Partner des von den USA geführten Bündnisses gegen den IS. Im vergangenen Jahr gelang ihnen, unterstützt von US-Luftangriffen und den irakischen Peschmerga, die Verteidigung der vom IS belagerten, mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadt Kobane im Norden Syriens.

Mittlerweile beherrschen die YPG die größten Teile der Grenze zur Türkei. Nachdem sich die Assad-Truppen 2012 aus dem Norden Syriens zurückzogen, haben die Kurden in drei Kantonen Selbstverwaltungen errichtet. Mit dem Assad-Regime besteht seitdem eine Art Burgfrieden. Aus strategischen Gründen kooperierten sie aber auch manchmal mit Assad-Gegnern. YPG und PYD streben danach, ein zusammenhängendes Gebiet zu beherrschen und so weitgehende Eigenständigkeit in Syrien zu erreichen.

Das stößt auf Unwillen der Türkei, die einen Kurdenstaat an ihrer Grenze verhindern will - sie fürchtet ähnliche Entwicklungen auch auf ihrem Gebiet. Zuletzt haben die Kurden in Nordsyrien immer weitere Areale für sich einnehmen können, auch solche, in denen die Kurden nur eine Minderheit stellen. Ankara ist besonders beunruhigt, weil sich die kurdischen Kämpfer offenbar von russischen Flugzeugen den Weg freibomben lassen. Russland und die Türkei stehen sich im Syrienkrieg zunehmend feindlich gegenüber.


Irak - Peschmerga

Bundeswehrausbilder und Peschmerga-Kämpfer in Erbil: Moderate Ziele
Bundeswehr/Sebastian Wilke

Bundeswehrausbilder und Peschmerga-Kämpfer in Erbil: Moderate Ziele

Die Peschmerga sind die Militäreinheiten der irakischen Kurden. Ihre Ziele gelten als moderat, deswegen erhalten sie von westlichen Staaten größere Unterstützung als die syrischen YPG. Die Peschmerga waren vor allem bekannt als Widerstandskämpfer in den Bergen, wandelten sich aber seit dem IS-Vormarsch mehr und mehr in reguläre Streitkräfte der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak. Sie erhalten seit Mitte 2014 Waffen aus Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Die Bundeswehr und verbündete Armeen bilden Kämpfer aus.

Das Verhältnis der Peschmerga zur PKK und zur YPG ist traditionell angespannt. Trotzdem unterstützten nordirakische Kurden die YPG-Kämpfer gegen den IS in Kobane. Ankara ließ dies nach längerem Zögern zu. An der Befreiung der irakischen Stadt Sindschar aus IS-Hand im vergangenen November beteiligten sich auch PKK-Kämpfer. Eine Rivalität zwischen Peschmerga und PKK besteht weiterhin, zumal sich der Präsident der kurdischen Autonomieregion in Irak, Massoud Barzani, um ein entspanntes Verhältnis zur Türkei bemüht.

aci/dpa

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