Krieg in Syrien Nato prangert Verstärkung russischer Bodentruppen an

Russland verlegt offenbar weitere Bodentruppen nach Syrien - zum Entsetzen der Nato. Doch dem Verteidigungsbündnis bleibt derzeit nur die Rolle des Mahners: Generalsekretär Stoltenberg äußerte sich "besorgt" über die zunehmende Militärpräsenz.

Russische Soldaten bei der Wartung eines Kampfjets in Syrien
AP/dpa

Russische Soldaten bei der Wartung eines Kampfjets in Syrien


Russland könnte umfassender in den syrischen Bürgerkrieg eingreifen, als bisher bekannt. Am 30. September begannen die Luftangriffe, mit denen die Regierung in Moskau ihrem Verbündeten Baschar al-Assad im Kampf gegen Rebellen helfen will. Doch offenbar verstärkt Russland auch seine Bodentruppen im Land. Aus Moskau hieß es dazu am Montag nur, russische Bodentruppen sollten nicht für eine Offensive in Syrien eingesetzt werden.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, er sei besorgt über die wachsende Militärpräsenz Russlands in Syrien. "Wir beobachten einen erheblichen Zuwachs des russischen Militärs in Syrien, sowohl in der Luft mit Kampffliegern und Luft-Abwehrsystemen als auch bei den Bodentruppen", sagte er der CNN. Zudem habe Russland "eine große Anzahl" Schiffe in der Nähe der syrischen Küste in Position gebracht, sagte Stoltenberg. "Und sie machen weiter damit."

Zuvor hatte Stoltenberg Russland bereits in einem anderen Zusammenhang kritisiert. Zweimal sollen russische Kampfflieger am vergangenen Wochenende in den Luftraum des Nato-Mitglieds Türkei eingedrungen sein. Dies sei inakzeptabel, gefährlich und rücksichtslos, sagte Stoltenberg. Zudem trage es dazu bei, den Konflikt zu verschärfen. Die Türkei und Russland sind in der Syrienkrise uneinig: Die Regierung in Ankara unterstützt die syrischen Rebellen, Moskau unterstützt Assad.

Offiziell heißt es aus Moskau, die Luftangriffe würden sich vor allem gegen Terroristen des "Islamischen Staats" (IS) richten. Tatsächlich schlug ein Großteil der russischen Bomben jedoch in Gebieten ein, in denen sich der IS gar nicht befindet. Ziel dürften syrische Rebellen sein, die für Assad eine größere Gefahr sind als der IS. Auch eine US-geführte Allianz fliegt Luftangriffe in dem Land: Eine Übersicht über die Ziele der russischen und amerikanischen Bomber finden Sie hier.

"Ich mache mir Sorgen"

Auch Stoltenberg zweifelt daran, dass die russischen Bomben dem IS gelten. "Ich mache mir Sorgen, dass Russland nicht den IS angreift, sondern die syrische Opposition und Zivilisten", zitiert CNN den Nato-Generalsekretär.

Der Sender zitiert außerdem zwei namentlich nicht genannte Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums. Demnach würden die USA derzeit beobachten, wie Russland im Kampf gegen die syrischen Rebellen "seine Bodentruppen verstärkt". Wie die Zeitung "Welt" berichtet, sollen derzeit rund 2000 russische Soldaten, Berater und technisches Personal in Syrien stationiert sein.

aar/AFP

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Ericmuc 07.10.2015
1. Das kommt raus, wenn
die UNO nicht in Syrien eingreift bzw. die westliche Allianz meint, mit Bomben von oben könnte man den IS besiegen.
Spiegelleserin57 07.10.2015
2. was man bedenken sollte...
Ziel ist: die Ruhe im Land wieder her zustellen. Leider hat der Westen bisher keinen Erfolg mit seinen Aktionen. Man muss akzeptieren dass Russland wenn es sich nun daran beteiligt einen großen Einsatz liefert. Die Nato sollteschweigen eben weil bis heute keine Erfolge von ihrer Seiten zu vermelden sind. Die Ruhe muss hergestellt werden damit die Menschen wieder in ihr Land zurückkehren können. Andernfalls darf sich hier keiner über die Flüchtlingsströme beschweren.
frankfurtbeat 07.10.2015
3. es gehört nicht wirklich
es gehört nicht wirklich viel dazu, die bisherig erreichten Erfolge der "Willigen" zu übertrumpfen ... Die heutigen Nörgler wie Stoltenberg und Co haben dazu beigetragen das dieses Chaos heute in dieser Form existiert. Schön wenn man die ganze Welt demokratisieren möchte - aber das wird nicht funktionieren. Zuvor haben im Irak, in Lybien, Syrien unterschiedliche Bevölkerungsgrupppen mehr oder weniger zusammen gelebt. Das ist jetzt vorbei und Millionen Menschen sind auf der Flucht. Sehr geehrter Herr Stoltenberg bitte fordern Sie die USA auf für das produzierte Chaos zu bezahlen. Im anderen Falle möge man bitte auf dem eigenen Kontinent verbleiben. Keiner braucht die USA, keiner braucht den US$ als Leitwährung.
Trondesson 07.10.2015
4.
Zum Entsetzen der NATO? Wie meint denn die NATO, den Krieg in Syrien beenden zu wollen? Mit mehr oder weniger wirkungslosen "Luftschlägen" oder den im Einzelfall vielleicht furchteinflößenden, im Gesamtbild aber eher vernachlässigbaren Drohnenangriffen? Nein, "liebe" NATO, wenn euch überhaupt etwas an der Beendigung des Syrienkonflikts liegt, was ich bezweifle, werdet Ihr Euch wohl auch selbst die Hände schmutzig machen müssen. Erst alles den Russen überlassen und dann jammern, daß diese auch im realen Leben wirksame Maßnahmen ergreifen, ist nicht nur erbärmlich, sondern leider für Euch kleingeistige Kalte Krieger in der heutigen Zeit auch bezeichnend.
ich_bin_der_martin 07.10.2015
5. Zuende denken...
Ok USA will Assad stürzen. Russland will ihn retten. Jedes Land, welches USA hilft eine Rgierung zu stürzen, sollte sich fragen: Wann sind wir dran? Was wird sein wenn USA alle Feinde erledigt hat? Hören sie dann auf, mit sovielen Waffen? Dann reicht mglw. Zahlungsunwilligkeit...die Kriegsmaschenerie auf sich selbst zu fokusieren... Wenn es nur darum ginge den IS zu bekämpfen, müssen in Syrien erstmal die Reihen geschlossen sein. Sind sie es, dauert es wohl nur wenige Wochen und man tribt sie dorthin wo sie herkamen. Nach Irak...
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