Druck auf Assad: Uno setzt Syrien genaue Frist für Waffenruhe

Am Dienstagmorgen soll die Armee in Syrien ihre Waffen niederlegen, verlangen die Vereinten Nationen. Die Assad-Regierung zieht sich nach eigenen Angaben zurück, die Rebellen berichten jedoch von verstärkten Angriffen. Unterdessen flüchten so viele Syrer in die Türkei wie noch nie.

New York/Damaskus - Im blutigen Syrien-Konflikt sollen von Dienstag an die Waffen schweigen. Beginnen soll der Waffenstillstand - nach gut einem Jahr mit Kämpfen und mehr als 9000 Toten - um 6.00 Uhr Ortszeit (5.00 Uhr deutscher Zeit). Zu diesem Zeitpunkt sollen die Regierungstruppen ihre Waffen niederlegen. 48 Stunden später soll der Konflikt beendet sein.

Doch bei aller Hoffnung gibt es viel Skepsis, dass die ausgehandelte Waffenruhe eingehalten wird. Zwar behauptet das Regime von Präsident Baschar al-Assad, dass es schon jetzt Truppen aus einigen Städten abgezogen habe. Die Opposition bestreitet das - und spricht sogar von neuen Offensiven.

Der Syrien-Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen, Kofi Annan, erklärte zu der Waffenruhe: "Die syrische Regierung hat dieser Forderung zugestimmt, und ich dränge Damaskus dazu, der Verpflichtung nachzukommen." Jetzt müssten Taten folgen, betonte Annan am Donnerstag.

Auch der Uno-Sicherheitsrat forderte in einer Erklärung die syrische Führung "dringend" auf, bis kommenden Dienstag die Truppen aus den aufständischen Städten abzuziehen. Notwendig sei zudem eine Uno-Beobachtergruppe in das Land zu entsenden, um die Einhaltung der Waffenruhe zu kontrollieren. Ein Vorausteam kam nach Angaben von Annans Sprecher bereits in Damaskus an, um mit den Behörden über die Rahmenbedingungen einer solchen Mission zu sprechen.

Annans Sprecher Ahmed Fawzi sagte in Genf, die syrische Regierung habe den Abzug von Soldaten aus Deraa, Idlib und der lange umkämpften Ortschaft Al-Sabadani verkündet. Ein Assistent des Kommandeurs der Freien Syrischen Armee, Oberst Riad al-Asaad, sagte der Nachrichtenagentur dpa jedoch: "Es gibt keinen Rückzug. Im Gegenteil, die Zahl der Truppen hat zugenommen und auch der Radius, in dem sie operieren. In den Dörfern außerhalb von Aleppo hat die Armee heute sogar Kampfhubschrauber eingesetzt."

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete unterdessen heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Deserteuren im nördlichen Umland von Aleppo. Drei Soldaten seien getötet worden. In zwei Ortschaften seien die angreifenden Soldaten über die Lautsprecher der Moscheen zur Fahnenflucht aufgerufen worden. In Anadan nordwestlich von Aleppo seien rund 100 Soldaten desertiert. Sie hätten dann den Weg für Flüchtlinge freigekämpft. Aktivisten in Duma im Umland von Damaskus berichteten, die Armee habe die Stadt am Morgen mit Panzern angegriffen.

Unterdessen fliehen offenbar immer mehr Syrer über die türkische Grenze. Allein an einem Tag seien 2350 aus der Region Idlib über die Grenze geflohen, sagte ein türkischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahl sei mehr als doppelt so hoch wie die bisherige Rekordzahl von Flüchtlingen an einem einzelnen Tag.

Uno-Unterhändler Annan will am 11. April nach Teheran reisen, um mit der iranischen Regierung über den Konflikt zu sprechen. Iran ist in der Region der engste Verbündete des Assad-Regimes.

fab/dpa/AFP/Reuters

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1.
ceilks 05.04.2012
Zitat von sysopNew York/Damaskus - Im blutigen Syrien-Konflikt sollen von Dienstag an die Waffen schweigen. Beginnen soll der Waffenstillstand - nach gut einem Jahr mit Kämpfen und mehr als 9000 Toten - um 6.00 Uhr Ortszeit (5.00 Uhr deutscher Zeit).
Naja knapp daneben. Der Beginn des Waffenstillstands laut UN ist am Donnerstag. Syrian parties should cease all violence in one week – UN-Arab League envoy (http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=41714&Cr=Syria&Cr1=)
2. Vielleicht
drouhy 05.04.2012
Zitat von sysopAm Dienstagmorgen müssen in Syrien die Waffen schweigen, verlangen die Vereinten Nationen. Die Assad-Regierung hat nach eigenen Angaben mit dem Rückzug begonnen, die Rebellen berichten jedoch von verstärkten Angriffen. Unterdessen flüchten so viele Syrer in die Türkei wie noch nie. Druck auf Assad: Uno setzt Syrien genaue Frist für Waffenruhe - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826141,00.html)
wäre es doch besser mal bei der UNO selbst zu lesen - liebe Autoren. Der Waffenstillstand soll am Donnerstag um 06:00 Uhr Damaszener Zeit beginnen. Oder will hier wieder mal jemand mauscheln? Oder gezielt Fehlinformationen streuen - damit Assad dann der Böse ist? Wie schaut es eigentlich mit der Bereitschaft zum Waffenstillstand bei der Opposition aus? Schliesslich gehören zu so etwas immer zwei Parteien - und nicht nur eine.
3. ...
Hape1 06.04.2012
Zitat von drouhy...(...)... Wie schaut es eigentlich mit der Bereitschaft zum Waffenstillstand bei der Opposition aus? Schliesslich gehören zu so etwas immer zwei Parteien - und nicht nur eine.
Naja....ein wichtiges Detail wurde im Artikel vergessen zu erwähnen. *Der Sicherheitsrat forderte zudem die Opposition auf, alle Formen bewaffneter Gewalt binnen 48 Stunden nach der Umsetzung der Waffenruhe durch die syrische Führung zu stoppen.* Sicherheitsrat macht Druck auf Syrien (Politik, International, NZZ Online) (http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/sicherheitsrat-macht-druck-auf-syrien_1.16301055.html)
4. Was ist die Wahrheit?
pikeaway 06.04.2012
Zitat von drouhywäre es doch besser mal bei der UNO selbst zu lesen - liebe Autoren. Der Waffenstillstand soll am Donnerstag um 06:00 Uhr Damaszener Zeit beginnen. Oder will hier wieder mal jemand mauscheln? Oder gezielt Fehlinformationen streuen - damit Assad dann der Böse ist? Wie schaut es eigentlich mit der Bereitschaft zum Waffenstillstand bei der Opposition aus? Schliesslich gehören zu so etwas immer zwei Parteien - und nicht nur eine.
Der Spiegel berichtet im Rahmen seiner Syrienserie stets über neue Massaker in Syrien. Es besteht nur ein Problem: kann man es glauben oder nicht. Der Mechanismus ist in vielen Fällen ähnlich: 1. Massakermeldung in der internationalen Presse, auch Spiegel meldet mit Hinweis auf Beobachter, kann nicht bestätigt werden, weil kein Zutritt etc. 2. Verwandte im Ausland sind erschreckt. Reales Beispiel (Zeuge bekannt und kann benannt werden) .Sohn in Saudi Arabien, ruft den Vater an. Vater arbeitet in Damaskus. 3. Zeugen vor Ort. Obiges Beispiel: Mann ruft aufgeregt sine Frau zu Hause an.“ Was ist bei Schreckliches passiert“. Antwort:“ Hier gar nichts. Alles ist ruhig“ 4. Massaker war Fehlmeldung oder etwa gezielte Medienlüge? Als Spiegel- Leser mit 50 Jahren Erfahrung bin ich enttäuscht. Wem kann man glauben?
5. Auslegungssache?
Putinfreund 06.04.2012
Zitat von sysopAm Dienstagmorgen müssen in Syrien die Waffen schweigen, verlangen die Vereinten Nationen. Die Assad-Regierung hat nach eigenen Angaben mit dem Rückzug begonnen, die Rebellen berichten jedoch von verstärkten Angriffen. Unterdessen flüchten so viele Syrer in die Türkei wie noch nie. Druck auf Assad: Uno setzt Syrien genaue Frist für Waffenruhe - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826141,00.html)
"Am Dienstagmorgen soll die Armee in Syrien ihre Waffen niederlegen, verlangen die Vereinten Nationen." Es kann ja sein, daß so eine Formulierung Auslegungssache ist. Aber ich glaube kaum, daß die UNO die Syrische Regierung aufgefordert hat, die Waffen nieder zulegen. Das käme einer Entwaffnung der syrischen Armee gleich. Damit wäre die syrische Führung auf keinen Fall einverstanden gewesen. Damit wäre ja dem Terror im Land Tür und Tor geöffnet, denn die sogenannten Oppositionellen würden dann über das Land herfallen. Auch diese werden entsprechend der UNO Forderung nicht die Waffen niederlegen, sondern nur, wenn überhaupt, die Angriffen und Landgewinne einstellen. Wer da leichtsinnigerweise glauben sollte, daß sich die Rebellen aus den Städten zurück ziehen werden, wird wohl einem Wunschtraum verfallen sein. Diese Feuerpause wird, und wir werden uns daran erinnern, zur Aufrüstung , der Verbesserung der Kommandostruktur der Rebellengruppen genutzt werden. Dann wird ein neuer Anlaß für eine erneute Feuereröffnung provoziert und alle Welt wird sich wundern, wo und wie und woher diese Gruppen mit welcher Feuerkraft auf einmal losschlagen können. Der westliche Protest wird verstummen, da man seine Söldner auf dem Vormarsch sieht. Es wird nur noch Siegesmeldungen a`la Lybien geben. Und dann betretenes Schweigen, wenn die Menschenrechtsgruppen wieder Mord, Folter und Vertreibung bestimmter Religionsgemeinschaften melden. Ales Egal - der alte Diktator ist weg! Es leben die neuen Diktatoren, die sich bis aufs Blut fetzten.
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