Syrien-Konflikt Putin wirft USA neue Angriffspläne vor

"Wir haben Informationen, dass ähnliche Provokationen vorbereitet werden": Die USA planen laut Wladimir Putin weitere Militärschläge in Syrien. Beweise lieferte der Kreml-Chef allerdings nicht.

Wladimir Putin
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Der amerikanische Raketenangriff gegen einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien soll laut US-Regierung eine Ausnahme bleiben - ein Vergeltungsschlag als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in der Provinz Idlib. Russlands Präsident hingegen will nun über Beweise verfügen, dass es nicht bei diesem einen Mal bleiben soll.

"Wir haben Informationen aus unterschiedlichen Quellen, dass weitere Provokationen - ich kann sie nicht anders nennen - vorbereitet werden", sagte Putin. Unter anderem gebe es Pläne, in Vororten von Damaskus Substanzen abzuwerfen und der syrischen Regierung die Tat vorzuwerfen, sagte er. Beweise für seine Aussagen präsentierte er allerdings nicht.

Die Vermutungen äußerte Putin kurz vor der Ankunft von US-Außenminister Rex Tillerson in Moskau. Es ist der erste Besuch eines Mitglieds der neuen Regierung von Präsident Donald Trump in Russland. In den kommenden Tagen will sich Tillerson mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow treffen.

Rex Tillerson
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Russland fordert zudem eine offizielle Untersuchung der Vereinten Nationen in Den Haag zum mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien. "Wir gehen davon aus, dass derartiges Vorgehen offiziell geklärt werden soll", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge.

Bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Chan Scheichun in der Provinz Idlib waren mehr als 80 Menschen getötet worden. Die syrische Regierung bestreitet, Giftgas eingesetzt zu haben. Nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums hatte die syrische Luftwaffe bei dem Angriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt eine Chemiewaffenfabrik getroffen. Moskau ist der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Kommt es zum Treffen zwischen Tillerson und Putin?

Tillerson kommt vom Außenministertreffen der Gruppe sieben führender Industriestaaten in Lucca in Italien. Die G7 sprach sich dort dafür aus, gemeinsam mit Russland an einer Friedenslösung für Syrien zu arbeiten.

Tillerson sagte nach dem Treffen, es sei klar, dass die Herrschaft der Assad-Familie bald enden werde. Der Angriff der USA in Syrien sei eine direkte Antwort auf den barbarischen Akt des Assad-Regimes gewesen. "Wir hoffen, der Kreml kommt zu der Erkenntnis, dass er sich mit einem unzuverlässigen Partner verbündet hat."

Ob der US-Außenminister auch Putin bei seinem Moskau-Besuch treffen wird, ist bisher noch unklar.

mho/Reuters/AFP

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