Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser in Nordsyrien bombardiert

Vier Raketen haben im Norden Syriens ein Krankenhaus getroffen, das von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird. Mindestens sieben Menschen starben. Die Hilfsorganisation spricht von einem gezielten Angriff.


In der nordsyrischen Provinz Idlib ist ein Krankenhaus bei Luftangriffen zerstört worden, das von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird. Nach Angaben der Hilfsorganisation wurde die Klinik in der Ortschaft Maarat al-Numan von vier Raketen getroffen. Mindestens sieben Menschen wurden dabei nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen getötet.

"Das war ein gezielter Angriff auf eine Gesundheitseinrichtung und wir verurteilen diese Attacke aufs Schärfste", sagte Massimiliano Rebaudengo von Ärzte ohne Grenzen. Die Raketen seien binnen wenigen Minuten eingeschlagen. Durch den Angriff würden 40.000 Menschen in der Region von Gesundheitsversorgung abgeschnitten.

Das Krankenhaus umfasst 30 Betten und wird von der Hilfsorganisation finanziell und personell unterstützt. Insgesamt arbeiteten dort nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen 54 Menschen. Zur Zahl der Toten und Verletzten machte die Hilfsorganisation zunächst keine Angaben. Man gehe davon aus, dass der Angriff von russischen oder syrischen Kampfjets ausgeführt worden sei.

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von mindestens neun Toten. Sie geht davon aus, dass die Luftschläge von russischen Kampfjets ausgeführt wurden. Die Zahl der Toten könne steigen, da noch Opfer unter den Trümmern vermutet würden. Von russischer Seite gab es zu dem Vorfall zunächst keine Angaben. Die Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrchte sind nicht zu überprüfen, haben sich aber in der Vergangenheit im Nachhinein als zuverlässig herausgestellt.

Mindestens 14 Tote bei Luftangriffen in Asas

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete von einem weiteren Angriff auf ein Kinderkrankenhaus und eine Schule in der Stadt Asas nahe der Grenze zur Türkei. Laut übereinstimmenden Augenzeugenberichten seien dort bei einem Raketenangriff mindestens 14 Zivilisten getötet worden. Ein türkischer Sicherheitsbeamter sagte, russische Jets hätten den Luftangriff geflogen.

In Asas halten sich nach verschiedenen Angaben Tausende Menschen auf, die vor der eskalierenden Gewalt und Luftangriffen in der Region geflohen sind. Unter den Opfern des Luftangriffs sollen auch Flüchtlinge sein, die sich in der Schule aufhielten.

Im Norden Syriens werden die Fronten immer unübersichtlicher. Die Türkei fliegt Luftangriffe gegen kurdische Stellungen im Norden des Gebiets, rund um Aleppo sind russische Jets im Einsatz. Am vergangenen Wochenende hatte die Türkei nach eigenen Angaben Stellungen der Kurdenmiliz YPG nahe Asas bombardiert.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte wegen der anhaltenden Bombardierungen alle Seiten zur Mäßigung auf. Bei einem Treffen in Brüssel erinnerte er daran, dass man sich in München darauf geeinigt habe, an einer Feuerpause zu arbeiten. "Das gilt für die militärischen Operationen Russlands und des syrischen Regimes im Raum Aleppo und jüngste Angriffe der PYD-Milizen in Nordsyrien", sagte Steinmeier. Auch die Türkei müsse sich "Zurückhaltung auferlegen".

brk/AP/Reuters/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.