Privatarmee in Syrien Kreml bestätigt Tod russischer Kämpfer in Deir al-Sor

Die USA haben Anfang Februar Assad-treue Kämpfer in Syrien getötet - unter ihnen waren auch Russen. Das räumt nun das russische Außenministerium ein.

Russischer Soldat in der Provinz Deir al-Sor (September 2017, damals im Kampf gegen den IS)
DPA

Russischer Soldat in der Provinz Deir al-Sor (September 2017, damals im Kampf gegen den IS)


In der Nacht vom 7. auf den 8. Februar kam es in der ostsyrischen Provinz Deir al-Sor zu einem folgenschweren Luftangriff durch die US-Armee auf Einheiten, die für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad kämpfen. Nun wird klar: Dabei kamen auch russische Staatsbürger ums Leben. Offenbar handelte es sich um Söldner.

Der Luftschlag diente nach Angaben des US-Militärs der Verteidigung eines Hauptquartiers der Freien Syrischen Armee (FSA), die mit der westlichen Anti-IS-Allianz verbündet ist. Bereits in den Tagen danach war gemutmaßt worden, russische Kämpfer seien dabei zu Schaden gekommen. Darüber hatten unter anderem die Fernsehsender BBC und CNN berichtet und sich auf Angehörige von getöteten Russen berufen.

Tagelang aber blockten der Kreml und russische Regierungsstellen ab, man habe keine Informationen über tote Russen in Syrien. Nun hat das Außenministerium eingeräumt, es gebe in der Region "tote Bürger Russlands und der Nachfolgestaaten der Sowjetunion". Zudem gebe es "auch Verletzte - ein paar Dutzende".

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Wichtig ist dem Außenministerium vor allem, dass es keine russischen Soldaten waren. An den Kämpfen hätten "in keinster Weise russische Militärangehörige teilgenommen", auch sei keine "Militärtechnik des Staates zur Anwendung" gekommen. Es seien stattdessen "russische Bürger" gewesen, die sich aus "eigenem Willen und mit unterschiedlichen Zielen" in Syrien aufgehalten hätten.

Bereits am Freitag hatte eine Außenamtssprecherin in Moskau angedeutet, was nun Stück für Stück ans Licht kommt: Dass eine russische Privatarmee in Syrien für Assad Krieg führt, über deren Opfer nur selten etwas bekannt wird.

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Syrien: Russlands tote Söldner

Deren Angehörige verlangen seit geraumer Zeit, dass als russische Söldner in Syrien Gefallene ebenfalls als Soldaten geehrt werden, und dass der Staat ihren Einsatz für Russland offiziell anerkennen soll. Auch auf diese Kritik ging das Außenministerium nun in seiner Erklärung ein: Den Verletzten habe "man geholfen, nach Russland zurückzukehren, wo sie, so viel uns bekannt ist, in verschiedenen medizinischen Einrichtungen versorgt werden".

Die Taktik, verdeckt für Russlands Interessen kämpfende Truppen im Ernstfall als eine Art Urlauber in Kriegsgebieten darzustellen, ist aus der Ostukraine bekannt. Dort wurde bei in der Ukraine gefangen genommenen russischen Soldaten am Ende nur erklärt, sie hätten sich verlaufen und "zufällig" die Grenze überquert.

cht/höh/heb/dop/Reuters



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