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12. Dezember 2012, 20:43 Uhr

Syrien-Krieg

Assad feuert angeblich Scud-Raketen auf Rebellen

Baschar al-Assad setzt im Kampf gegen die Aufständischen jetzt offenbar auch Kurzstreckenraketen ein. Laut "New York Times" beschießt seine Armee die Regimegegner mit Scuds. US-Beamte sprechen von einer "erheblichen Eskalation" im Syrien-Krieg.

New York/Damaskus - Die syrischen Regierungstruppen von Staatschef Baschar al-Assad haben in den vergangenen Tagen mehrere Scud-Kurzstreckenraketen auf Rebellen abgefeuert. Es seien mehr als ein halbes Dutzend dieser einst in der Sowjetunion entwickelten Waffe aus Damaskus auf Ziele in Nordsyrien geschossen worden, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Diese sprechen den Angaben zufolge von einer "erheblichen Eskalation" im syrischen Bürgerkrieg. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die Raketen mit chemischen Sprengsätzen bestückt gewesen seien.

"Scud-Raketen gegen Panzer und Militärlager einzusetzen, ist eine Sache", zitiert das Blatt am Mittwoch einen namentlich nicht genannten Regierungsbeamten. "Sie aber gegen Rebellen einzusetzen, die sich auf Spielplätzen von Schulen verstecken, ist eine andere Sache."

Unklar sei, wie viele Opfer es bei dem Beschuss mit den ballistischen Boden-Boden-Raketen gegeben hat. Es ist von mehr als sechs Angriffen die Rede. Regierungssprecher Jay Carney bestätigte den Bericht nicht. Er sagte aber, falls er zutreffe, sei dies ein Zeichen eines letzten verzweifelten Aufbäumens des Regimes in Damaskus.

Scud-Raketen wurden bereits Ende der fünfziger Jahre entwickelt und in viele damalige Partnerländer der einstigen UdSSR exportiert. Die Waffen waren bereits während des Golfkriegs 1990 von den Truppen des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein auf Ziele in Saudi-Arabien und Israel abgefeuert worden. Die meisten Raketen verfehlten damals ihre Ziele. Auch Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi setzte die Waffen im vergangenen Jahr während des Aufstands gegen das eigene Volk ein.

Assad setzt offenbar auch Brandbomben ein

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf der syrischen Armee am Mittwoch auch den Abwurf gefährlicher Brandbomben auf die Zivilbevölkerung vor. "Wir sind beunruhigt, dass Syrien begonnen hat, Brandbomben einzusetzen, die Zivilisten grausame Schmerzen zufügen und erhebliche Schäden an Eigentum anrichten, wenn sie in bewohnten Gebieten eingesetzt werden", erklärte der HRW-Waffenexperte Steve Goose. Syrien müsse sofort aufhören, diese Waffen anzuwenden, die in 106 anderen Staaten verboten seien.

Die Menschenrechtsorganisation zählte nach eigenen Angaben seit Mitte November vier Vorfälle mit Brandbomben aus sowjetischer Produktion. Sie ereigneten sich demnach in Daraja, Babila, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus, sowie in Kusair in der zentralen Provinz Homs und in Maaret al-Noman im Gebiet Idlib im Nordwesten des Landes. "Diese Brandwaffen können entflammbare Substanzen wie Napalm, Thermit oder weißen Phosphor enthalten", teilte HRW mit. Sie verursachten "schmerzhafte Verbrennungen, die die Knochen angreifen und das Atemsystem schädigen können".

als/dapd/Reuters

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