Schlacht um Aleppo Schulbeginn im Bombenhagel

Verletzte können in Aleppo kaum noch versorgt werden. Assads Truppen rücken weiter vor. Derweil plant die EU neue Hilfslieferungen - und für die Kinder beginnt die Schule in der umkämpften Stadt.

Junge in Aleppo
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Junge in Aleppo


Die Europäische Union hat in Absprache mit den Vereinten Nationen einen neuen Plan zur Versorgung der Menschen im umkämpften Osten der syrischen Metropole Aleppo vorgelegt. Unter anderem sollen aus EU-Vorräten im von der Regierung gehaltenen Westen der Stadt Lebensmittel, Wasser und Arzneimittel für bis zu 130.000 Menschen in das Gebiet gebracht werden, hieß es in dem am Sonntag veröffentlichten Vorschlag.

Die Europäische Union rufe alle Parteien auf, dies zu ermöglichen, erklärten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides. Hilfsorganisationen müssten arbeiten können und Zivilisten geschützt werden.

Gleichzeitig sollen Kranke und Verletzte aus dem Osten Aleppos evakuiert werden, insbesondere Frauen, Kinder und ältere Menschen. Die EU sei bereit, falls nötig auch eine Behandlung von Menschen in Europa zu ermöglichen. Zudem kündigte sie ein 25 Millionen Euro schweres Hilfspaket an.

Uno: Medizinische Versorgung vor dem Zusammenbruch

Derweil hat trotz der Kämpfe für viele Kinder ein neues Schuljahr begonnen. Doch nur wenige hätten angesichts der starken Bombardierungen den Unterricht besucht, meldet unter anderem der britische "Telegraph" - und verweist auf das Bild eines Mädchens, das lese, um den Krieg zu vergessen.

Nur sechs Prozent der rund 100.000 Kinder in der Stadt könnten zur Schule gehen, meldet das Blatt unter Berufung auf die Hilfsorganisation Save the children. Die meisten Schulgebäude sind zerstört.

"Wir riskieren den Tod, Angriffe und jede Menge Schwierigkeiten, aber das hält uns nicht davon ab, unseren Job zu tun", sagte der Rektor einer Schule, Mohamad Faisal, dem US-Sender ABC News. "Es sind unsere Kinder, und wir sind für sie verantwortlich."

Das syrische Militär leitete unterdessen mit russischer Unterstützung eine Offensive gegen die Rebellen im Osten Aleppos ein. Dort steht die medizinische Versorgung nach Angaben der Uno vor dem Zusammenbruch. Verletzte müssten abgewiesen werden, es fehle an allen Ecken und Enden an Medikamenten, sagte der Koordinator des Uno-Büros für humanitäre Hilfe (OCHA), Stephen O'Brien. "Wir sind in einem Rennen gegen die Zeit."

Aleppo hatte in den vergangenen Tagen die heftigsten Kämpfe und Bombardierungen der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Krieges vor fünf Jahren erlebt. In dem von überwiegend islamistischen Aufständischen kontrollierten Ostteil sind Hunderttausende Zivilisten eingeschlossen, weil die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad die Zufahrten blockieren. Eine Waffenruhe war im vergangenen Monat gescheitert.

Mindestens drei Krankenhäuser wurden laut Uno getroffen, darunter eine Kinderklinik für Tausende Patienten. Die Menschen müssten unter schlimmsten Bedingungen in der Stadt ausharren, sagte O'Brien. Er wiederholte die Forderung der Weltgemeinschaft nach einer Einstellung der Angriffe. Das Mindeste wäre eine 48-stündige Feuerpause pro Woche, um die Kranken und Verletzten aus der Stadt bringen zu können, sagte er.

apr/dpa



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