Syrienkrieg Werkstoff aus Deutschland offenbar in Giftgas-Raketen entdeckt

Kam ein deutscher Isolierstoff in einer Rakete zum Einsatz, mit der das Assad-Regime in Syrien Giftgas verschoss? Recherchen vor Ort und Bilder von Geschossteilen legen das nahe.

Raketenteile in Goutha, einer Rebellenprovinz außerhalb von Damaskus, Syrien
AFP

Raketenteile in Goutha, einer Rebellenprovinz außerhalb von Damaskus, Syrien


Das Regime von Baschar al-Assad in Syrien hat wiederholt Giftgas gegen Zivilisten in Rebellenhochburgen eingesetzt. Mehrere Angriffe sind dokumentiert, die Beweislast ist erdrückend, auch wenn Assads Regierung den Einsatz jedes Mal vehement bestritten hat.

Erst vor wenigen Tagen, meldete die zivile Hilfsorganisation der Syrischen Weißhelme, soll im umkämpften Nordwesten des Landes wieder Chlorgas aus Gefechtsköpfen ausgetreten sein und Menschen vergiftet haben.

Wie die britische Rechercheseite "Bellingcat" in Zusammenarbeit mit dem syrischen Netzwerk Syrians for Truth and Justice (STJ) mittteilt, sei bei einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf Duma etwa zehn Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus auch mindestens eine Rakete benutzt worden, die aus iranischer Produktion stammen soll. Und in dieser Rakete wiederum soll ein Teil aus Deutschland verbaut worden sein.

Die Geschosse sollen am 22. Januar in Duma eingschlagen sein. Fotos zeigen in einer Rakete im Querschnitt eine kreisrundes Stück, das wie Pappe aussieht und mit dem Aufdruck "Made in Germany" und dem Wort "Pressspan" versehen ist. Auch das Herstellerlogo ist erkennbar.

Eine Person, die auf ihrem Twitter-Profil unter dem Namen Firas Abdullah angibt, in Duma zu arbeiten und Fotos von mutmaßlichen Giftgasraketen aufgenommen zu haben, teilte ein Foto, auf dem der Werkstoff mit der deutschen Aufschrift "Pressspan" zu sehen ist.

Mit dem Fund konfrontiert, bestätigte der Hersteller, eine Firma für Isolierwerkstoffe, der "Bild"-Zeitung, man habe Pressspan als Elektroisolationsmittel an zwei iranische Handelsfirmen geliefert.

Der Stoff werde "insbesondere in Kleinmotoren für Haushaltsgeräte und Automobilanwendungen" genutzt. Die Firma werde ihre Handelsbeziehungen dorthin überprüfen und sei "schockiert" über den Fund, so das Unternehmen aus Vaihingen in Baden-Württemberg zu "Bild".

cht

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eizboks 05.02.2018
1. Dual-Use-Güter...
Waren schon während der UNSCOM Inspektionen ein Problem. Man kann aus vielen Dingen Prudukte des zivilen Lebens machen oder sie in Waffen verbauen. Jetzt erstmal die beiden iranischen Firmen schwarzlisten und die Hintergründe und Netzwerke ermitteln.
Kaian 05.02.2018
2. Isolierstoff...
Sollen wir jetzt Isolierstoffe verbieten? oder nicht mehr nach Syrien liefern? Sie bezwecken doch nur Schwachsinn mit diesem Artikel...
bacillus.maximus 05.02.2018
3. Ein Isoliermaterial in einer
aus Schrott zusammengeschweißten Rakete (sieht zumindest in den Fotos so aus). a) Wir liefern Panzer an Saudis. Das ist in Ordnung. Die Araber sind ja bekanntlich eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt und nehmen es mit den Menschenrechten extrem genau. Zudem fördern sie aktiv die Säkularisierung. b) Jemand liefert das nur schwerst herstellbare und sehr seltene Material Presspan irgendwohin, jemand verbaut das und plötzlich soll man darüber entrüstet sein. Dann sollte man auch den Export der FAZ verbieten, da man mit der Samstagsausgabe eine hilflose Person totschlagen könnte, sofern man genug Zeit hat. Kann es sein daß da so ein paar ethisch-moralische Masstäbe ein wenig verrutscht sind? Der Artikel kommt wir wie ein schlechter Scherz vor.
hugahuga 05.02.2018
4.
Zitat von bacillus.maximusaus Schrott zusammengeschweißten Rakete (sieht zumindest in den Fotos so aus). a) Wir liefern Panzer an Saudis. Das ist in Ordnung. Die Araber sind ja bekanntlich eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt und nehmen es mit den Menschenrechten extrem genau. Zudem fördern sie aktiv die Säkularisierung. b) Jemand liefert das nur schwerst herstellbare und sehr seltene Material Presspan irgendwohin, jemand verbaut das und plötzlich soll man darüber entrüstet sein. Dann sollte man auch den Export der FAZ verbieten, da man mit der Samstagsausgabe eine hilflose Person totschlagen könnte, sofern man genug Zeit hat. Kann es sein daß da so ein paar ethisch-moralische Masstäbe ein wenig verrutscht sind? Der Artikel kommt wir wie ein schlechter Scherz vor.
Das hat Methode. Über die von Erdogan "neutralisierten" ca 1000 kurdischen Kämpfer (darunter Frauen und Kinder) wird nicht berichtet. Denn jetzt muss den Idlib Verteidigern dadurch geholfen werden, dass man den "Bösen" vorwirft Gas eingesetzt zu haben. Nicht neu - aber noch immer recht wirksam, die Meldung darüber.
hugahuga 05.02.2018
5.
Zitat von bacillus.maximusaus Schrott zusammengeschweißten Rakete (sieht zumindest in den Fotos so aus). a) Wir liefern Panzer an Saudis. Das ist in Ordnung. Die Araber sind ja bekanntlich eine der fortschrittlichsten Demokratien der Welt und nehmen es mit den Menschenrechten extrem genau. Zudem fördern sie aktiv die Säkularisierung. b) Jemand liefert das nur schwerst herstellbare und sehr seltene Material Presspan irgendwohin, jemand verbaut das und plötzlich soll man darüber entrüstet sein. Dann sollte man auch den Export der FAZ verbieten, da man mit der Samstagsausgabe eine hilflose Person totschlagen könnte, sofern man genug Zeit hat. Kann es sein daß da so ein paar ethisch-moralische Masstäbe ein wenig verrutscht sind? Der Artikel kommt wir wie ein schlechter Scherz vor.
Man kennt Herrn Higgins von "bellingcat" - bereits in der Sache MH17 war er aktiv und hatte auch den Schuldigen direkt bei der Hand. Jetzt fpölgt er dem gleichen Muster - sicher in der Hoffnung doch noch einmal Wirkung zu erzeugen.
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