Uno-Bericht Kriegsparteien in Syrien setzen gezielt sexuelle Gewalt ein

Der Bürgerkrieg in Syrien geht in sein achtes Jahr. Die Uno hat deshalb einen Bericht vorgelegt. Und der zeigt, wie Vergewaltigungen als Waffe eingesetzt werden - vor allem durch die Regierungstruppen.

Ost-Ghuta
AFP

Ost-Ghuta


Sowohl die Truppen des syrischen Regimes als auch der Oppositionellen haben sexuelle Gewalt gezielt gegen die gegnerische Kriegspartei eingesetzt. Das geht aus einem umfassenden Bericht der Uno hervor, der von den Nachrichtenagenturen Reuters und AFP zitiert wird.

Die Regierungstruppen und alliierte Milizen vergewaltigten demnach "systematisch" Frauen, Mädchen und Männer oder nötigten sie sexuell. Das seien Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagten die Uno-Ermittler.

Sexuelle Gewalt werde eingesetzt, "um Geständnisse zu erzwingen, Informationen zu erlangen, als Bestrafung, und auch um oppositionelle Gemeinschaften zu terrorisieren", heißt es in dem Bericht. Die Opfer leiden demnach unter Scham, Depression, Inkontinenz, Impotenz, Fehlgeburten und der Zurückweisung durch ihre Familien.

Der Menschenrechtsrat der Uno bei der Vorstellung des Berichts
AFP

Der Menschenrechtsrat der Uno bei der Vorstellung des Berichts

Die Opposition habe ebenfalls sexuelle Gewalt und Folter eingesetzt - im Gegensatz zu den Regierungstruppen allerdings "beträchtlich seltener". Hier fanden die Ermittler "keine Beweise für eine systematische Anwendung" von sexueller und geschlechterbasierter Gewalt. Es gebe derartige Vorfälle aber gerade im Zusammenhang mit Vergeltungsangriffen.

Die Untersuchungskommission der Uno erstellte den 29 Seiten langen Bericht auf Grundlage von 454 Interviews mit Überlebenden, Verwandten, Augenzeugen, Überläufern, Anwälten und medizinischen Angestellten.

Vergewaltigungen an Kontrollpunkten und in Haftanstalten

Der Bürgerkrieg in Syrien geht am Donnerstag bereits in sein achtes Jahr. Schon früh während des Konflikts hätten Regierungstruppen Zivilisten beider Geschlechter während Hausdurchsuchungen und Bodenoperationen vergewaltigt, heißt es in dem Uno-Bericht. Später seien Vergewaltigungen auch an Kontrollpunkten und in Haftanstalten vorgekommen. Das jüngste bekannte Opfer sei ein neun Jahre altes Mädchen.

"Die Vergewaltigung von Frauen und Mädchen wurde in 20 politischen und militärischen Niederlassungen des Geheimdiensts der Regierung dokumentiert", heißt es in dem Report. In 15 Niederlassungen sei es zu Vergewaltigungen von Männern und Jungen gekommen.

Die unabhängigen Experten, die den Bericht angeführt von Paulo Pinheiro zusammengestellt haben, hatten schon seit 2011 vertrauliche Listen von Verdächtigen zusammengestellt. In dem neuesten Report nannten sie keine individuellen Täter, sagten aber, sie hätten "zahlreiche" Fälle von Vergewaltigen durch hochrangige Offiziere dokumentiert.

Außerdem beinhaltet der Report auch Verbrechen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Diese und andere bewaffnete extremistische Gruppen hätten Frauen, Männer und Kinder, denen Ehebruch vorgeworfen wurde, exekutiert. Außerdem zwangen sie Mädchen zur Heirat und verfolgten Homosexuelle.

aev/Reuters



insgesamt 31 Beiträge
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dweik01 15.03.2018
1. ???? Wieso
Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst! Das sollte auch SPON wissen und deswegen vorsichtig mit der Wiedergabe von Berichten aus diesen Gebieten sein. Die Fragen die sich mir - außer dem Frust und dem Erschüttern über die dortigen Zustände - stellen sind: Was bedeutet "beträchtlich seltener". "Seltener" in der Frequenz, dafür aber umso "schlimmer" der gleich exekutiert? Das kann doch niemand ermessen, auch nicht bei der UNO! Und was ist bitte "mehr/häufiger" Vergewaltigung, das Vorgehen der syrischen Truppen oder die "Zwangsverheiratung minderjähriger Mädchen" und wenn ja wieviele? Wahrscheinlich werden letztere von der UN nicht unter Vergewaltigung gezählt, liegt ja dann ein "Ehe"-Gütesiegel darauf. Ihre Berichterstattung ist nicht nur häufig einseitig manipulativ, sondern erbärmlich naiv und unkritisch! Hauptsache wieder eine neue Sau durchs Dorf für die Auflage. Besser wäre einfach weglassen, statt nur Aufreger zu erzeugen.
Duffy73 15.03.2018
2. scheinheiliger geht es wohl kaum...
seit Jahren schaut "der Westen" zu, wie in Syrien Menschen getötet werden (und da unterscheide ich nicht zwischen Soldaten und Zivilisten), und jetzt wird hier die Moralkeule geschwungen... Am Besten empfiehlt die Uno wieder, das doch bitte nicht zu tun. Und falls sie sich nicht dran halten?? Dann zeigen wir mit dem Finger auf sie!
m.gu 15.03.2018
3. Doch diese Gewalt wird in Syrien nicht nur durch die
Regierungstruppen gezeigt, sondern auch durch unseren NATO Partner Türkei in Afrin. Allein in den vergangenen Stunden sind aus der Stadt Afrin ca. 30 000 Zivilisten geflohen, denn die Angst vor den türkischen Söldnern und den türkischen Truppen ist sehr groß. In den vergangenen 4 Wochen sind in Ost - Ghuta ca 1 000 Zivilisten durch das syrische Militär getötet worden, in Afrin hingegen nach türkischen Angaben ca. 3 200 Kurden, darunter 100de Kinder und Frauen. Jeder User sollte daran denken, dass auch die Kurden keine Luftabwehr, keine Luftwaffe, keine Panzer und keine schweren Geschütze besitzen. Sie verteidigen sich vorwiegend mit leichter Bewaffnung . Handgranaten und Selbstmordattentäter. Ein legitimes Mittel gegen eine Übermacht an schwerbewaffneten Söldnern und Soldaten mit Panzer und schweren Geschützen. Jeden müsste klar sein, dass die Kurden auf Grund dessen den einseitigen Krieg, begonnen von der Türkei, nie gewinnen können. Anstatt diese Kriegsverbrechen an das kurdische Volk zu verurteilen, schweigt leider auch unsere deutsche Regierung zu diesem ungerechten und grausamen Krieg in Nordsyrien. Des weiteren bestätigt sich, siehe Quelle: "Wie die Türkei den IS wieder stark macht." Sowie "Syrien in Schutt und Asche_ Die Schuld von Erdogan."
herm16 15.03.2018
4. ja
und was mach ich jetzt? Mir platzt der Kragen! Seit 8(acht)Jahren geht das ganze Theater in Syrien, Heerscharen von Diplomaten sind beschäftigt sich dem Problem "anzunehmen" Ergebnis- nichts. Na, dann ist es halt so, mir tun nur die Kinder leid.
omanolika 15.03.2018
5. Bahnbrechend...
neu, sind die Erkenntnisse im Uno-Bericht, aus dem Krieg, ja leider ganz und gar nicht, denn man beging halt abartige Verbrechen, in vielen Kriegen zuvor, um des Gegners Moral zu brechen... Das ändert aber nichts an der unendlichen Perversion, der sexuellen Gewalt, als Mittel im Krieg gegen eine Nation, oder eine bestimmte Gruppe und das mit kranker Motivation...
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