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Syrien: Der vergessene Krieg

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Syrien: Der vergessene Krieg Fotos
AP/ Coordination Committee In Kfar Takharim

Die Welt blickt auf die Ukraine - der Syrien-Krieg scheint vergessen zu sein. Dabei könnten sich auch dort die Fronten verhärten. Auch in Syrien ergreifen Russland und der Westen Partei für verschiedene Seiten. Wer kämpft auf welcher, wer gewinnt die Oberhand?

Während die Welt auf die Krim schaut, sind in Syrien wieder Tausende Menschen auf der Flucht, Hunderttausende leiden Hunger, werden bombardiert, täglich sterben Dutzende. Die Uno hat seit Januar aufgehört, die Toten zu zählen. Es herrscht Krieg, doch nur noch wenige schauen hin.

Die Gewalt in Syrien ist Alltag geworden. Das Land reiht sich ein in die Liste der vergessenen Konflikte wie Somalia oder Irak. Jeder zweite Syrer hat inzwischen sein Zuhause verlassen müssen. Zivilisten werden bewusst zur Zielscheibe gemacht.

"Vor fünf Jahren war Syrien das zweitwichtigste Aufnahmeland von Flüchtlingen", sagte der zuständige Uno-Kommissar Antonio Guterres kürzlich. "Nun sind die Syrer dabei, die Afghanen als größte Flüchtlingsbevölkerung in der Welt abzulösen."

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Krieg in Syrien:

1. Was wurde aus den Friedensverhandlungen? Sie sind vorläufig gescheitert. Baschar al-Assad ist nicht bereit, über politische Kompromisse gleich welcher Art zu sprechen. Lakhdar Brahimi, Uno-Sondergesandter für Syrien, sieht die Verantwortung für das Scheitern "zu 100 Prozent" beim syrischen Regime. Erschwert werden Verhandlungen auch dadurch, dass die offizielle Opposition nur begrenzten Einfluss darauf hat, was in Syrien passiert.

2. Welche Kriegspartei hat gerade die Oberhand? Dass eine der Interessengruppen eines Tages das gesamte Land kontrollieren könnte, ist derzeit kaum vorstellbar. Wer Territorium erobert, herrscht über verödete Landstriche und Städte. Im vergangenen Monat mussten wegen verstärkter Bombardierungen in Aleppo rund zehntausend Einwohner fliehen. Assad ist dabei, einzelne Stadtteile zurückzuerobern, die Menschen allerdings haben die Stadt verlassen.

3. Was ist mit den Dschihadisten? Die Radikalislamisten versuchen in den Gebieten, die sie im Süden und Nordosten kontrollieren, ihre Vorstellungen von Moral und Ordnung durchzusetzen. In der Stadt Rakka wurden Christen aufgefordert, Sondersteuern zu bezahlen. Einig sind sich die Islamisten nicht: Zwischen der extremsten Gruppe, Islamischer Staat in Syrien und Irak, und anderen tobt ein erbitterter Machtkampf.

4. Wie viele Deutsche kämpfen in Syrien? Nach Angaben des Verfassungsschutzes sind rund 300 Deutsche in Syrien. Wie viele von ihnen tatsächlich kämpfen, ist nicht sicher. Zehn Prozent sind Mädchen und Frauen, die nach Syrien reisen sollen, um dort Ehemänner zu finden - strenggläubige Dschihad-Kämpfer. Berlin sieht in der möglichen Rückkehr von Syrien-Kämpfern nach Deutschland Anlass zur Sorge.

5. Welchen Einfluss hat die Krim-Krise auf Syrien? Die Ereignisse auf der Krim haben nicht nur Folgen für die Ukraine. International wird genau beobachtet, wer sich dort wie verhält - und jede Partei zieht ihre eigenen Schlüsse daraus. Beispielsweise fragen sich manche in Israel nun, was Sicherheitsgarantien Washingtons überhaupt noch wert sind. Damaskus dagegen kann sich freuen. Russland macht in der Ukraine klar, wozu es bereit ist, wenn es seine Interessen gefährdet sieht. Moskau sieht auch Syrien als sein Einflussgebiet an und hilft Assad.

6. Was wurde aus Assads Chemiewaffen? Eigentlich sollte die syrische Regierung nach dem Uno-Zeitplan bereits vor einem Monat ihre gefährlichsten deklarierten Chemikalien komplett abgegeben haben. Aber sie lässt sich Zeit. Bisher ist nur ein Drittel der Waffen übergegeben. Nur wegen der Drohung Washingtons, das Land zu bombardieren, hatte Baschar al-Assad überhaupt das Versprechen abgegeben. Solche Drohungen haben längst ihre Durchschlagskraft verloren. Die Krim-Krise lenkt zudem weiter von Syrien ab. Damaskus kann weiter auf Zeit spielen.

7. Wie geht es mit Syrien weiter? Das Land ist in viele Teile zerfallen, in denen unterschiedliche Milizen und Warlords um Einfluss ringen. Im Zentrum des Landes zwischen der Küste, Homs und Damaskus ist es den Pro-Assad-Kräften vor allem mithilfe der libanesischen Hisbollah gelungen, wieder an Boden zu gewinnen. Ein Ende der Gewalt ist nicht absehbar.

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1. optional
spon-facebook-10000474243 05.03.2014
Die Medien vergessen den Krieg um wenig später vom vergessenen Krieg zu berichten......
2. Unsinn
kainkani 05.03.2014
In euren Beitrag ist es wie immer so gestellt als wäre Assad der böse und die ISIS und fsa die harmlosen....das sind gottlose Menschen die kennen kein gnade,Gott schütze die syrische Armee,die Probleme kommen meist aus den Westen weil sie immer wieder die falschen mit Waffen beliefern....
3. Die Oberhand gewinnt der,
radeberger78 05.03.2014
Zitat von sysopREUTERSDie Welt blickt auf die Ukraine - der Syrien-Krieg scheint vergessen. Dabei könnten sich auch dort die Fronten verhärten. Auch in Syrien ergreifen Russland und der Westen Partei für verschiedene Seiten. Wer kämpft auf welcher, wer gewinnt die Oberhand? http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-krim-krise-ueberschattet-krieg-in-nahost-a-957012.html
der die Mehrheit der Bevölkerung in diesen Regionen hinter sich hat und entschloßen handelt.
4. Verantwortungsbewusst
HierFalko 05.03.2014
Assad zeigt ein verantwortungsbewußtes Handeln in diesem Konflikt! Wer will schon seine Heimat einer Horder zerstrittener Terroristen anvertrauen, die feige aus Wohngebieten heraus Zivilisten und legitime Polizeieinheiten beschiessen? Wir doch wohl auch nicht, denn sonst würde man ja wohl keine Angst vor den heimkehrenden Dschihadisten haben!!! Hier müßten dringend UNO Resolutionen gegen die Unterstützer dieser Mörder beschlossen werden, denn diese heizen den Konflikt verantwortungslos an. Libyen zeigt ja wohin das führt.
5. zynischer Lötzinn
adal_ 05.03.2014
Zitat von radeberger78der die Mehrheit der Bevölkerung in diesen Regionen hinter sich hat und entschloßen handelt.
Im vergangenen Monat mussten wegen verstärkter Bombardierungen in Aleppo Zehntausend Einwohner fliehen. Assad ist dabei, einzelne Stadtteile zurückzuerobern, *die Menschen allerdings haben die Stadt verlassen.* (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-krim-krise-ueberschattet-krieg-in-nahost-a-957012.html)
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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