Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Militäreinsatz in Syrien: Kurdische Kämpfer werfen Türkei Panzerbeschuss vor

Getty images

Geht die Türkei auch mit Panzern gegen kurdische Einheiten im Norden Syriens vor? Dem syrischen Ableger der PKK zufolge werden sie von der türkischen Armee gezielt beschossen - und nicht der IS. Ankara dementiert.

Die Türkei fliegt seit Tagen Angriffe auf kurdische Stellungen im Nordirak. Jetzt heißt es von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), ihre Kämpfer in Syrien würden von türkischem Boden aus von türkischen Panzern beschossen.

Demnach beschossen türkische Panzer in der Nacht zum Montag das Dorf Sur Maghar im Norden Syriens und zielten auf kurdische Kämpfer und nicht auf die Kämpfer des "Islamischen Staats" (IS). Das türkische Außenministerium widerspricht den Angaben. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben derzeit nicht.

Die YPG ist ein Ableger der PKK, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei. Die Regierung in Ankara stuft beide Gruppen als Terrororganisationen ein, ebenso wie den IS.

Kurdische Kämpfer kämpften lange ohne Unterstützung gegen den IS im Norden Syriens. Der Türkei wurde seit Langem vorgeworfen, dem Vormarsch der IS-Miliz tatenlos zuzusehen.

Fotostrecke

5  Bilder
Diyarbakir: Spannungen an der türkisch-syrischen Grenze
Bei dem Angriff auf Sur Maghar, das in der nordsyrischen Provinz Aleppo nahe der Grenze zur Türkei liegt, seien vier Rebellenkämpfer und mehrere Dorfbewohner durch den "schweren Panzerbeschuss" aus der Türkei verletzt worden, heißt es von der YPG. Später habe es noch einen weiteren Angriff auf Sur Maghar und ein anderes Dorf gegeben. Sur Maghar liegt östlich der Stadt Dscharabulus, die vom IS kontrolliert wird.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und andere Aktivisten bestätigten laut der Nachrichtenagentur AFP die Angaben. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, es handele sich offenbar um den bislang schwersten türkischen Angriff auf kurdisches Gebiet seit Beginn des Syrien-Konflikts.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte zuvor in der Zeitung "Hürriyet" versichert, die Türkei werde keine Bodentruppen nach Syrien schicken. Moderate Rebellen wie die "Freie Syrische Armee", die gegen den IS kämpften, müssten aber aus der Luft unterstützt werden. Er wolle den IS "nicht an unserer Grenze sehen", sagte Davutoglu.

Bei einem dem IS zugeschriebenen Selbstmordanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruc waren vor einer Woche 32 Menschen getötet worden. Die Kurden machten die türkische Regierung mit für den Anschlag verantwortlich. In der Folge verübte die PKK mehrere Anschläge.

Türkische Angriffe gegen IS und PKK: Wie der Konflikt eskaliert
Montag, 20. Juli 2015

Bei dem Selbstmordanschlag vor dem Kulturzentrum in Suruc im Südosten der Türkei werden 32 Menschen getötet, die meisten davon Studenten. Rund hundert Menschen werden verletzt. Suruc liegt nur zehn Kilometer von der zerstörten syrischen Stadt Kobane entfernt. Den türkischen Behörden zufolge ist die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) für das Attentat verantwortlich.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Zwei türkische Polizisten werden in der Stadt Ceylanpinar getötet. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK bekennt sich zu den Morden. Sie seien als Vergeltung für das Attentat in Suruc verübt worden, heißt es in einer Erklärung. Viele Kurden werfen der türkischen Regierung schon lange vor, die Extremistenmiliz IS in Syrien heimlich zu unterstützen, um die Kurden zu schwächen. Die PKK kämpft seit Jahrzehnten für mehr Autonomie der Kurden.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Die Türkei verstärkt ihre Schutzmaßnahmen entlang der 900 Kilometer langen Grenze zu Syrien. Auf 150 Kilometern werde eine Mauer errichtet, kündigt die Regierung an. 20.000 Soldaten sind im Einsatz. Bei Gefechten in der türkischen Provinz Kilis an der Grenze zu Syrien sterben ein Soldat und ein IS-Kämpfer. Vier weitere Soldaten werden verletzt.

Freitag, 24. Juli 2015

Türkische Kampfjets bombardieren in den frühen Morgenstunden Stellungen des IS in Syrien. In der gesamten Türkei geht die Anti-Terror-Polizei mit einer groß angelegten Razzia gegen IS-Leute und kurdische Extremisten vor. Hunderte werden festgenommen. Präsident Recep Tayyip Erdogan erlaubt den USA, die Luftwaffenbasis Incirlik für Luftschläge gegen den IS zu nutzen.

Samstag, 25. Juli 2015

Die Türkei fliegt neue Angriffe gegen den IS und erstmals offiziell auch gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Die spricht von einem Bruch der Waffenruhe und ruft zum Kampf auf. In Ankara geht die Polizei gegen Anti-Kriegs-Demonstranten vor.

Sonntag, 26. Juli 2015

Die Türkei bombardiert erneut Stellungen der PKK im Irak (Eine Analyse lesen Sie hier). Kanzlerin Angela Merkel appelliert in einem Telefonat mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, den Friedensprozess mit den Kurden nicht aufzugeben. Ankara erbittet eine Sondersitzung der Nato-Botschafter.

Montag, 27. Juli 2015

Die Kurden-Miliz YPG wirft der Türkei vor, Stellungen ihrer Einheiten in Syrien angegriffen zu haben. Dem syrischen Ableger der PKK zufolge werden sie von der türkischen Armee gezielt beschossen. Das Außenministerium in Ankara dementiert.

Wo das türkische Militär angreift

(Auswahl, da nicht alle Orte bekannt; Stand: 27. Juli)

Quellen: Reuters, AFP, dpa


kry/dpa/AFP/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: