Syrienkonflikt Moskau und Washington schalten auf Highspeed-Diplomatie

Erst ein Treffen in Wien, jetzt wieder ein Telefonat: Die Verhandlungen zwischen den Außenministern der USA und Russlands über die Syrienkrise laufen auf Hochtouren. Moskau zufolge soll ein politischer Prozess beginnen.

John Kerry (li.) und Sergej Lawrow in Wien: Ein politischer Prozess soll beginnen
AP

John Kerry (li.) und Sergej Lawrow in Wien: Ein politischer Prozess soll beginnen


Russland und die USA sind in der Syrienkrise offenbar weiter im Gespräch. Das russische Außenministerium teilte am Samstag mit, Minister Sergej Lawrow habe mit seinem US-Kollegen John Kerry telefoniert. Es sei dabei darum gegangen, Gespräche zwischen der syrischen Regierung und der Opposition zu vermitteln. Das Telefonat sei auf Wunsch Washingtons zustande gekommen.

Lawrow selbst forderte am Samstag Wahlen in Syrien als Teil einer politischen Lösung. "Natürlich müssen Parlaments- und Präsidentenwahlen vorbereitet werden", sagte er dem staatlichen Fernsehsender Rossija 1. Moskaus Unterstützung für die syrische Armee helfe der Regierung in Damaskus, sich zu festigen und solle ihr Interesse an einem politischen Prozess steigern, sagte der Minister. In Syrien tobt seit 2011 ein Bürgerkrieg, der Millionen Menschen in die Flucht treibt.

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad habe bei seinem überraschenden Besuch in Moskau am Mittwoch selbst gesagt, dass auf die militärische Phase des Konflikts ein politischer Prozess folgen müsse, betonte Lawrow. Russland ist einer der engsten Verbündeten des syrischen Regimes. Die USA und die syrische Opposition fordern Assads Rücktritt.

Russland koordiniert sich mit Jordanien

Nach dem Treffen mit Kerry und den Chefdiplomaten der Türkei und Saudi-Arabiens am Freitag in Wien hatte sich Lawrow für eine erweiterte Gesprächsrunde ausgesprochen. Auch Iran, Ägypten, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien müssten in die Suche nach einer Lösung eingebunden werden. Darüber hätten Lawrow und Kerry am Samstag erneut beraten, hieß es.

Russland, der wichtigste Verbündete Assads, greift seit Ende September mit Luftangriffen in Syrien ein. Eine Koalition unter Führung der USA fliegt dort schon seit mehr als einem Jahr Luftangriffe, die auf mutmaßliche Stellungen der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zielen.

Washington wirft Moskau vor, nicht den IS zu bekämpfen, sondern gegen Assad kämpfende Aufständische. Lawrow sagte in dem Fernsehinterview nun, die russische Luftwaffe sei auch bereit, die vom Westen unterstützte oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) in ihrem Kampf gegen den IS zu unterstützen. "Wir sind bereit, auch die patriotische Opposition aus der Luft zu unterstützen, die sogenannte Freie Syrische Armee eingeschlossen", sagte der Minister. Am Freitag hatten sich Russland und Jordanien, ein Mitglied der US-geführten Koalition, darauf geeinigt, die Einsätze ihrer Luftwaffen in Syrien zu koordinieren.

Im Bürgerkrieg in Syrien wurden in den vergangenen viereinhalb Jahren mehr als 250.000 Menschen getötet. Millionen Menschen sind auf der Flucht.

ler/dpa/Reuters/AFP



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insgesamt 56 Beiträge
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joes.world 24.10.2015
1. Putin Kriege erinnern immer mehr an George Orwells 1984.
Dort gehören entfernte Kriege auch dazu, die Bevölkerung bei der Stange zu halten. Und von ihrem entbehrungsreichen Leben abzulenken. Hier eine Veröffentlichung des Senders "Rossija 24", die zeigt wie verbündete Truppen gegen die Rebellen (im russischen Wortlaut: Terroristen) vorgehen. Das Ganze wird mit fetziger Musik aufgearbeitet. Ein Werbevideo für den Erfolg des Großen Russischen Reiches. Die Zerstörungen von apokalyptischem Ausmaß, könnten bewusst gewählt worden sein. Um zu zeigen was passiert, wenn sich eine Bevölkerung gegen die eigene Führung auflehnt. https://www.youtube.com/watch?v=1Q60yBQG8XI
m.gu 24.10.2015
2. Schon ein Fortschritt
Russland und die USA hätten sich schon früher abstimmen müssen. Doch das lag ganz allein an die USA, sie lehnte zunächst eine Zusammenarbeit ab. Jetzt wird die Freie Syrische Armee nicht mehr bombardiert, sie wird sogar von Russland im Kampf gegen den IS unterstützt. Ein Fortschritt, aber leider wird die Zusammenarbeit nicht weiter ausgebaut. Es ist die erste größere Annäherung beider Staaten, sie ist natürlich ausbaufähig im Kampf gegen den IS.
joes.world 24.10.2015
3. Ich frage mich langsam,
ob Putin nicht nur bei Stalin gelernt hat (er hat sich erwiesener Maßen in dessen Biographie vertieft), sondern am Ende auch bei Big Brother von Orwell? Zu viele Parallelen zu Big Brothers Welt, tauchen im heutigen Russland auf. Allgegenwärtige Geheimdienste, das Schüren von Hass auf andere und eben die erfolgreichen fernen Kriege. Und jedes Mittel darf angewandt werden, um wichtige Kritiker des Systems umzudrehen oder zu beseitigen. Außerdem frage ich mich: hätte Leni Riefenstahl, zeitgemäß, heute so gedreht, wie der oben genannten russischen Kriegsclip gemacht wurde? Der Triumph des Willens (des russischen Präsidenten).
poseidon111 24.10.2015
4. Russlands militärische
Erfolge in Syrien sprechen bisher für Russland. Die USA scheint im Zugzwang Erfolge vorzuweisen und verteilt schnell panzerbrechende Waffen an die Gegner und intensiviert ihre Aktivitäten. An einer Zusammenarbeit mit Russland führt aktuell kein Weg vorbei. Eventuell hat man sich lange hinter den Kulissen geeinigt?!
chrisof 24.10.2015
5. es geht voran
die russische Diplomatie ist Spitze. Sie bindet tatsächlich alle Beteiligten ein.Und die US-Amerikaner sind so schlau und springen auf. Die Wiederaufnahme der Gespräche zur Eingliederung der Türkei in die EU ist ein weiteres Highlight. Status des sicheren Herkunftslandes für die Türkei, keine Visapflicht für Türken bei Reisen in die EU; es fehlt jetzt noch der Ausgleich mit den Kurden und ihre Autonomie. Erdogan soll das klarziehen.
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