US-Luftschlag in Syrien Russland und Iran werfen Trump Unberechenbarkeit vor

Nach dem Luftangriff auf eine Militärbasis in Syrien kritisieren Assads Verbündete Russland und Iran die USA als unberechenbar. Der britische Außenminister sagt seine Moskau-Reise kurzfristig ab.

Präsident Trump nach US-Raketenaufgriff in Syrien
DPA/ The White House

Präsident Trump nach US-Raketenaufgriff in Syrien


Der Luftangriff der USA auf eine Militärbasis in Syrien hat die Spannungen zwischen Washington und seinen Verbündeten sowie den Unterstützern des syrischen Machthabers Baschar al-Assad erhöht. Das russische Außenministerium kritisierte die USA am Samstag erneut. "Wenn etwas vorhersehbar ist in den Vereinigten Staaten, dann ist es die Unberechenbarkeit ihrer Außenpolitik", sagte Sprecherin Maria Sacharowa im russischen Staatsfernsehen.

Derzeit befinde man sich in einem "der schwierigsten Momente der bilateralen Beziehung" zwischen den USA und Russland, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums. Bereits am Freitag hatte der russische Präsident Wladimir Putin den US-Luftschlag als Angriff auf einen souveränen Staat bezeichnet. Die Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, hatte am Freitag weitere Angriffe ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Der iranische Präsident Hassan Rohani - ebenfalls Unterstützer Assads - bezeichnete den US-Angriff übereinstimmend mit Russlands Präsident Putin als Verstoß gegen internationales Recht. US-Präsident Donald Trump habe mit dem Luftangriff bewiesen, dass er gefährlich und unberechenbar sei, sagte Rohani. Er forderte zur Untersuchung der Hintergründe eine internationale Ermittlerkommission mit politisch unabhängigen Mitgliedern.

Am Freitagmorgen hatten die USA 59 Marschflugkörper auf einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee abgefeuert. Von dem Flugplatz aus soll der mutmaßliche Giftgasanschlag auf die Stadt Chan Schaichun am Dienstag begonnen haben. Trump informierte den Kongress am Samstag offiziell über den Militärschlag. In dem veröffentlichten Schreiben betonte er erneut, Ziel sei es gewesen, die Fähigkeit des syrischen Militärs zu weiteren Chemiewaffenangriffen zu verringern und die syrische Führung davon abzuschrecken, ein weiteres Mal solche Waffen einzusetzen.

Aus Protest gegen Russlands Haltung im Syrienkonflikt hat der britische Außenminister Boris Johnson seinen für Montag geplanten Moskau-Besuch abgesagt. Statt nach Moskau werde er nach Italien zum Treffen der G7-Außenminister am Montag und Dienstag reisen. Durch die jüngsten Entwicklungen habe sich die "Lage grundlegend geändert", teilte Johnson mit. Er verurteilte die Unterstützung Russlands für Assad selbst nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff. Moskau müsse mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten, forderte der britische Außenminister.

Aus Europa und dem Nato-Hauptquartier kamen mäßigende Aufrufe. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte auf dem CDU-Landesparteitag in Mecklenburg-Vorpommern, für Versuche, eine politische internationale Lösung zu erzielen, dränge nun die Zeit. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn warnte davor, die Nato durch den Angriff in den Syrienkonflikt hineinzuziehen.

Unter den 28 Mitgliedstaaten des Militärbündnisses gibt es unterschiedliche Standpunkte für das Vorgehen im Syrienkonflikt. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu fordert weitere Schritte der USA, um Assad zu entmachten. Deutschland und weitere europäische Staaten lehnen ein deutlich stärkeres Bündnisengagement in der Region hingegen ab. Sie fürchten eine Konfrontation mit Russland und Iran, die die bestehenden Konflikte weiter verschärfen und die Friedensbemühungen erschweren könnte.

fdi/dpa/Reuters/AFP

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beckerchristian498 08.04.2017
1. da gibts nichts...
...aber auch gar nichts vorzuwerfen. dieser mann ist einfach unberechenbar! die US wahlen haben entschieden und der rest der welt muss damit leben- hoffentlich! gruesse, christian becker
dirkozoid 08.04.2017
2. Hätte Putin auch vorher wissen können
Russische Eingriffe zugunsten Trumps im amerikanischen Wahlkampf? Na, das hat sich ja gelohnt. Das hätte Russland sich auch vorher denken können, dass Trump unberechenbar ist. Wir hier wussten es ja auch!
go-west 08.04.2017
3. Und was bitteschön
sind die Luftschläge der russischen Armee auf syrischen Territorium? Will man sich etwa auf eine Abstimmung mit dem durch nichts, aber auch gar nichts legitimierten Regime von Assad berufen? Dann könnte Putin ja genauso gut die nordkoreanische Opposition wegbomben lassen...
substanzlos12 08.04.2017
4.
Zitat von dirkozoidRussische Eingriffe zugunsten Trumps im amerikanischen Wahlkampf? Na, das hat sich ja gelohnt. Das hätte Russland sich auch vorher denken können, dass Trump unberechenbar ist. Wir hier wussten es ja auch!
Sowohl Putin als auch Trump haben Vorteile einer latenten Unsicherheitssituation. Wieso ist eigentlich jeder immer so schnell bereit zu glauben, offensichtliche Gegensätze seien auch tatsächliche. Liegts wirklich nur an der Einfachheit? Oder ist das Gefühl "Endlich wieder schwarz und weiß" vor dem Hintergrund komplexer Vorgänge erhebend?
reinhard_d 08.04.2017
5. Ist denn Putin berechenbar?
Er war in allen Gremien der EU und der Nato eingebunden und hat trotzdem über Nacht die Krim besetzt und sich einverleibt. Mit Grünen Mänchen, die nicht einmal Hoheitsabzeichen trugen! Der Iran, ist er denn glaubwürdig? Eher nicht! Diese Staaten befinden über die Berechenbarkeit Trumps? Das ist wohl eher ein Problem der ehemaligen und derzeitigen Verbündeten der USA. Der Westen bekennt sich weder zum Islam, noch macht er sich die Weltsicht der Vorgenannten zu eigen! Wir sprechen von Staaten, wo das Volk seine "Herren" real abwählen kann und denen wo das nicht möglich ist und schon das Ansinnen mit dem Tod bestraft wird! Die ständigen Drohungen mit Atomkrieg und Vernichtung Israels, macht die Welt auch nicht berechenbarer. Eins ist klar, wenn die rote Linie überschritten ist, passiert was, Gott sei Dank!
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