Damaskus - Übergriffe auf die Zivilbevölkerung sind im syrischen Bürgerkrieg mittlerweile an der Tagesordnung - doch dieser Vorfall ist selbst für den Dauerkonflikt in dem Land außergewöhnlich brutal. Maschinen der staatlichen Luftwaffe haben in dem Vorort Maliha der Hauptstadt Damaskus eine Tankstelle bombardiert.
Dabei gab es nach übereinstimmenden Agenturberichten mindestens 30 Tote und viele Verletzte. Unter den Opfern sollen sich vor allem Zivilisten befinden. Die Nachrichtenagentur AP sprach von einem Kampfflugzeug vom Typ MiG, das eine Rakete auf die Zapfstation abgefeuert habe.
Die Angaben basieren auf Berichten des Syrischen Beobachtungszentrums für Menschenrechte in London und können nicht unabhängig verifiziert werden. Internationale Journalisten dürfen in dem Bürgerkriegsland seit langem nicht mehr frei berichten.
Kurz nach den ersten Meldungen über den Luftschlag tauchten im Internet Amateurvideos auf, die den Ort der Detonationen zeigen sollen. Darauf ist der verstümmelte Leichnam eines Mannes zu sehen, ebenso wie weitere verbrannte Körper. Zudem zeigt das Video die brennenden Überreste mehrerer Fahrzeuge nahe der Nawras-Tankstelle.
Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen Zeugen: "Ich habe mindestens 30 Tote gezählt. Sie waren alle verstümmelt oder verbrannt", sagte Abu Saeed, der den Rebellen nahestehen soll. Ein anderer Beobachter, Abu Fouad, schildert den Ablauf des Bombardements. Demnach hätte dieses begonnen, als gerade eine Treibstofflieferung eintraf und sich eine große Menschengruppe an der Tankstelle eingefunden hatte.
Warum die syrische Luftwaffe die Tankstelle angriff, war zunächst unklar. In den vergangenen Tagen war es in der Nähe bereits zu Gefechten zwischen Aufständischen und Regierungstruppen gekommen.
Der Angriff in Maliha war nach Angaben der Regimegegner nicht der einzige: Assads Luftwaffe attackierte laut Opposition mehrere Vororte der Hauptstadt. Während Regierungseinheiten Damaskus kontrollieren, sind viele der Vororte der Hauptstadt in der Hand der Rebellen. In der Ortschaft Moadamijat al-Scham sollen bei einem Angriff auf eine Bäckerei elf Angehörige einer Familie und ein bisher nicht identifizierter Mann ums Leben gekommen sein. Unter den Opfern seien neun Kinder, hieß es.
Seit rund zwei Jahren führt Diktator Baschar al-Assad einen blutigen Bürgerkrieg gegen die syrische Bevölkerung. Dabei wurden nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 60.000 Menschen getötet. Millionen sind auf der Flucht. Trotz größter internationaler Bemühungen zeichnet sich keine diplomatische Lösung des Konflikts ab.
jok/heb/Reuters/AP/dpa
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