Letzte Bastion in Syrien Mehrere Hundert IS-Kämpfer sollen sich ergeben haben

Viele Menschen haben die letzte Hochburg der Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien verlassen. Berichten zufolge ergaben sich dabei auch IS-Kämpfer. Die Uno spricht von zahlreichen gestorbenen Flüchtlingen.

Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte in Baghus
AFP

Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte in Baghus


Im Osten Syriens liegt das letzte Gebiet, das noch von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrolliert wird: der Ort Baghus. Doch die Offensive der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), der kurdisch-arabischen Anti-IS-Allianz, zeigt offensichtlich Wirkung. Laut Berichten mehrerer Nachrichtenagenturen haben sich mehrere Hundert Terroristen ergeben, Aktivisten zufolge sind auch Zivilisten aus dem Ort entkommen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, dass insgesamt mehr als 1600 Menschen den Ort verlassen haben. Dabei handele es sich um Terroristen, deren Angehörige und weitere Zivilisten. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in London bezieht ihre Angaben von Aktivisten vor Ort. Für Medien sind sie kaum zu überprüfen, in der Vergangenheit haben sich die Beobachtungen aber meist als richtig erwiesen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa haben sich mehr als 300 Kämpfer des IS ergeben, laut der Nachrichtenagentur Reuters etwa 200 Kämpfer.

SDF werden von der internationalen Koalition aus der Luft unterstützt

Die IS-Kämpfer stammen laut einem SDF-Sprecher aus unterschiedlichen Ländern. Die SDF gehen davon aus, dass sich noch etwa 1000 bis 1500 IS-Kämpfer in dem Gebiet rund um Baghus aufhielten. Dieses ist von Tunneln, Höhlen und Minen durchzogen. Zur Verteidigung setzen die Extremisten auch Selbstmordattentäter ein.

Über den Umgang mit gefangen genommenen ausländischen Dschihadisten wird derzeit international diskutiert. US-Präsident Donald Trump hat die Europäer aufgefordert, ihre eigenen von den Kurden inhaftierten Staatsbürger aus der Gruppe von rund 800 ausländischen IS-Kämpfern zurückzunehmen. Hinzu kommen rund 2000 Angehörige, die mit den ausländischen Kämpfern beim IS lebten.

Die SDF gingen bei den Angriffen auf Baghus vorsichtig vor - auch weil noch Zivilisten auf dem Gebiet eingesperrt seien. Die Kämpfe seien unterbrochen worden, um einen Korridor zu schaffen, durch den die verbliebenen Zivilisten fliehen können. Die von den USA angeführte internationale Koalition unterstützt den Angriff der SDF aus der Luft.

Etwa 90 Menschen gestorben

Bereits in den vergangenen Wochen hatten nach kurdischen Angaben rund 9000 Zivilisten Baghus verlassen. Laut dem Uno-Nothilfebüro Ocha sind auf der Flucht vor den Kämpfen etwa 90 Menschen gestorben, die meisten von ihnen Kinder. Zwei von drei Opfern seien unter fünf Jahren gewesen.

Die meisten seien an Unterkühlung und Mangel an Wasser und Nahrung gestorben. Die meisten sind auf der Flucht oder nach der Ankunft im Lager ums Leben gekommen. Insgesamt sind laut Uno mittlerweile rund 55.000 Menschen in das Lager Al-Hul geflohen, 90 Prozent davon Frauen und Kinder. Die Menschen kämen dort geschwächt und erschöpft an.

höh/dpa/Reuters



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