Syrien Mehrere Tote am "Tag der Märtyrer"

Bei neuen Unruhen in Syrien sollen zwölf Menschen ums Leben gekommen sein. Tausende Regimegegner protestierten nach dem Freitagsgebet gegen Präsident al-Assad - der kündigte einen Vorschlag zur Aufhebung des Ausnahmezustandes an.

Demonstranten in Qamischli: Tausende Syrer marschieren für Reformen
AFP

Demonstranten in Qamischli: Tausende Syrer marschieren für Reformen


Damaskus - Trotz der jüngsten Drohgebärden von Präsident Baschar al-Assad ebbt die Protestwelle in Syrien nicht ab. Am Freitag gingen nach dem Gebet in der Moschee wieder Tausende auf die Straße, um bürgerliche Freiheiten und die Achtung der Menschenrechte einzufordern. In al-Sanamien bei Daraa und in Duma, einem Vorort von Damaskus, schossen die Sicherheitskräfte auf die Demonstranten. Mehrere Tote sind nach Angaben von Bürgerrechtlern zu beklagen, die Nachrichtenagentur.

Gewalt wurde auch unter anderem aus einem Dorf in der Nähe der Stadt Homs gemeldet. Dort sollen Regimegegner in einer Moschee den Prediger von der Kanzel geholt haben, weil dieser in seiner Predigt Präsident al-Assad gelobt hatte. An mehreren Orten habe die Polizei Demonstranten mit Tränengas auseinandergetrieben. Bei Versammlungen in der Hauptstadt Damaskus sowie in weitere Städten blieb es offenbar trotz angespannter Stimmung und einem massiven Polizeiaufgebot friedlich.

Die syrischen Behörden machen nach einem Bericht amtlicher Medien bewaffnete Gruppen für die Todesfälle verantwortlich. Sie hätten Bürger und Sicherheitskräfte beschossen und dabei etwa in einem Vorort von Damaskus und in der Stadt Homs mehrere Menschen getötet und verletzt, berichtete die Agentur Sana unter Berufung auf eine amtliche Quelle. Im Vorort Duma postierten sich demnach Schützen auf Dächern, auch in Homs habe eine Gruppe das Feuer auf Bürger eröffnet. Dabei sei ein Mädchen ums Leben gekommen, berichtete Sana.

Syrische Aktivisten hatten landesweit zu einem "Tag der Märtyrer" aufgerufen, um den Menschen zu gedenken, die seit Beginn der Proteste vor zwei Wochen von den Sicherheitskräften getötet wurden. Seit dem 18. März gehen Regierungsgegner in Daraa und in anderen syrischen Städten regelmäßig für politische Reformen auf die Straße. Eine Kernforderung ist die Aufhebung des seit fast 50 Jahren geltenden Ausnahmezustands.

Dieser war der Präsident in einer Rede an die Nation am Mittwoch - anders als erwartet - nicht nachgekommen; die Opposition reagierte entsetzt. Al-Assad machte ausländische Verschwörer für die Demonstrationen verantwortlich, sie versuchten Syrien zu zerstören, erklärte Assad vor dem Parlament. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Freitag meldete, hat al-Assad angeordnet, dass ein von ihm beauftragtes Komitee bis zum 25. April einen Vorschlag für die Aufhebung des Ausnahmezustandes machen soll.

Der Generalsekretär der islamistischen Muslimbruderschaft, Riad al-Schafka, sagte am Freitag in Istanbul, er rechne in den kommenden Tagen mit einer Eskalation in Syrien. Die Mitglieder seiner Organisation seien an dem "Volksaufstand" in Syrien nicht direkt beteiligt, "aber unsere Anhänger sind Teil dieses Aufstandes". Die verbotene Muslimbruderschaft gilt als die am besten organisierte Kraft der syrischen Opposition.

can/dpa-AFX/dapd/AFP



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Koltschak 01.04.2011
1. Ja, dafür gibt es ein Forum.....zwölf oder mehr UNO-Tote in Afghanistan?
Das passt nicht in das Schema von SpOn. Syrien endet genau wie der Iran! Und in Libyen streiten sich verschiedene Stämme um die Fleischtöpfe! Von Demokratie keine Spur. Weder in in Sysrien noch in Libyen und nicht in Afghanistan.
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