Vor Truppenabzug Mehrere US-Soldaten bei IS-Anschlag in Nordsyrien getötet

US-Präsident Trump sieht den IS "weitgehend besiegt" - und zieht deshalb Truppen aus Syrien ab. Nun sind mehrere US-Soldaten bei einem Anschlag in dem Land gestorben.

Anschlagsziel in Manbidsch
-/ANHA/AP/dpa

Anschlagsziel in Manbidsch


Im syrischen Manbidsch sind bei einem Selbstmordanschlag mehrere Menschen getötet worden. Der Angriff richtete sich gegen ein Restaurant. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet von neun getöteten Zivilisten und fünf toten Mitgliedern lokaler und ausländischer Sicherheitskräfte. Bilder einer Überwachungskamera legen nahe, dass sich ein Selbstmordattentäter vor dem Lokal Qasr al-Umara in die Luft sprengte.

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat über ihr Propagandasprachrohr Amaq den Anschlag für sich reklamiert.

Unter den Toten sind auch mehrere US-Soldaten. Das hat die US-geführte Militärkoalition bestätigt, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Ein Regierungsbeamter sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von vier getöteten Angehörigen des US-Militärs. Drei US-Soldaten seien verletzt worden. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtet unter Berufung auf lokale Quellen von vier getöteten Amerikanern. Der Vorfall wäre damit der verlustreichste Anschlag auf die US-Armee in Syrien seit Beginn ihres Einsatzes im Bürgerkriegsland 2014.

Zuvor hatte die von den USA angeführte Militärkoalition mitgeteilt, dass sich zum Zeitpunkt des Anschlags eine US-Patrouille in der Nähe befunden habe. Lokale Journalisten berichten, dass US-Soldaten regelmäßig in dem angegriffenen Restaurant zu Gast seien. Videos von Augenzeugen zeigen, wie kurz nach dem Attentat ein US-Militärhubschrauber in der Stadt landete und wenig später wieder abhob - offenbar, um Soldaten zu evakuieren.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, teilte mit, Präsident Donald Trump sei über die Situation unterrichtet worden.

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Der Anschlag ereignet sich nur wenige Wochen, nachdem die USA angekündigt haben, ihre Truppen aus Syrien abzuziehen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und US-Präsident Donald Trump kündigten an, sich bei dem Abzug zu koordinieren. Laut Trump sei über einen "langsamen und in hohem Maße koordinierten Rückzug von US-Truppen aus dem Gebiet" gesprochen worden. Der US-Präsident begründete den Rückzug mit den Worten: "Wir haben den IS besiegt", änderte seine Aussage nach Kritik aber in "weitgehend besiegt" ab.

Die Stadt Manbidsch war im Jahr 2016 von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) mit Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition von den Dschihadisten erobert worden. Seitdem wird sie von der syrischen Kurdenmiliz und verbündeten arabischen Milizen kontrolliert. Auch US-Soldaten sowie französische Spezialkräfte sind in der Stadt westlich des Euphrat stationiert. Der IS hält in Syrien zurzeit noch Rückzugsgebiete im Tal des Euphrat-Flusses - Hunderte Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt.

Manbidsch ist ein zentraler Streitpunkt zwischen der Türkei und den USA. Die Türkei will ihren Einfluss im Nordosten Syriens ausbauen, Mitte Dezember kündigte Präsident Erdogan an, "in wenigen Tagen" in der Stadt militärisch zu intervenieren. Die Regierung in Ankara dringt deshalb seit Langem auf den Abzug der YPG, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation betrachtet.

Nach einer angedrohten Offensive vereinbarte die Türkei im vergangenen Juli mit den USA, dass die YPG-Kämpfer aus der Stadt abziehen und türkische und US-Soldaten dort patrouillieren. Ankara kritisierte jedoch, dass die YPG weiter in der Stadt präsent sei. Aus Angst vor einem türkischen Angriff rief die YPG Ende Dezember die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad zu Hilfe.

Chronik des US-Einsatzes gegen den Terror in Syrien
Chronik des US-Einsatzes in Syrien
März 2011
Nachdem Demonstranten in Tunesien und Ägypten die dort herrschenden Diktatoren zum Rücktritt gezwungen haben, gehen auch in Syrien Zehntausende Menschen gegen Staatschef Baschar al-Assad auf die Straßen. Das Regime reagiert mit Gewalt. Aus desertierten Soldaten bildet sich im Laufe des Jahres die sogenannte Freie Syrische Armee, die den bewaffneten Kampf gegen Assad aufnimmt.
Juni 2011
US-Präsident Barack Obama fordert Assad auf, sein Amt aufzugeben. Es ist die Linie, die auch Europa vertritt. Für Assad sei die Zeit gekommen, "sich zurückzuziehen", erklärt Obama. Bereits zuvor hatte der US-Präsident Sanktionen gegen Personen und Unternehmen erlassen. Dschihadisten der Terrororganisation "Islamischer Staat im Irak", einem Ableger von al-Qaida nutzen das Chaos des beginnenden Bürgerkriegs, um sich in Syrien einzunisten. Parallel dazu entlässt das Regime Tausende militante Islamisten aus den Gefängnissen. Beide Entwicklungen legen die Saat für das Erstarken von Terrormilizen, aus denen später der "Islamische Staat" (IS) hervorgeht.
August 2012
US-Präsident Obama warnt das syrische Regime vor dem Einsatz chemischer Waffen gegen die Opposition in Syrien. "Ich habe bis jetzt kein militärisches Eingreifen angeordnet, aber für uns ist eine rote Linie überschritten, wenn eine ganze Menge chemischer Waffen bewegt oder eingesetzt wird." Die USA stocken derweil ihre finanzielle Hilfe im humanitären Bereich auf 130 Millionen Dollar auf.
März 2013
Die USA beginnen mit der Ausbildung von kleinen Rebellengruppen. Sie sollen zum einen das Erstarken islamistischer Milizen verhindern, zum anderen dafür sorgen, dass nach dem erwarteten Sturz des Assad-Regimes in Syrien Chaos ausbricht. Die Rebellen erhalten jedoch keine Flugabwehrraketen, die Luftangriffe der Regierungstruppen abwehren könnten.
August 2013
Bei einem Giftgasangriff nahe Damaskus sterben mehrere hundert Menschen. Die USA bereiten sich auf eine militärische Antwort vor. Obama holt sich dafür die Zustimmung des Kongresses ein. Nach russischer Vermittlung vernichtet die syrische Regierung ihre Chemiewaffen und verhindert so ein militärisches Eingreifen der USA. In dieser Zeit erobert der "Islamische Staat im Irak und in Syrien" (Isis) die Stadt Rakka. Später ändern die Dschihadisten ihren Namen in die verkürzte Form "Islamischer Staat".
Sommer 2014
US-Präsident Obama beschließt, den IS in Nordsyrien zu bombardieren. Der hatte in Teilen Syriens und im Irak ein Kalifat ausgerufen. Die Luftschläge der internationalen Koalition finden unter Führung Washingtons statt. Die USA greifen damit erstmals offen in den syrischen Bürgerkrieg ein.
September 2015
Russland greift an der Seite des syrischen Machthabers Assad in den Krieg ein. Vor allem die russische Luftwaffe hilft fortan Assad, verlorene Gebiete zurückzuerobern. Syrien zerfällt in mehrere Machtbereiche: Im Nordosten herrschte der syrische Ableger der Arbeiterpartei PKK, im Nordwesten syrische Rebellen, im Osten der IS, im westlichen Zentrum und an der Küste das syrische Regime und die libanesische Hisbollah, im Süden syrische Rebellen sowie syrische Drusen, eine weitere religiöse Minderheit.
Oktober 2015
Die USA forcieren ihre Unterstützung für bestimmte Gruppen in Syrien - besonders die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die das Rückgrat des Milizenbündnisses "Syrische Demokratische Kräfte" (SDF) bilden. Sie sollen jedoch nicht gegen das Regime kämpfen, sondern nur gegen den IS.
Februar 2016
Die USA, Russland und Regionalmächte handeln am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz eine Waffenruhe aus, die vor allem im nordsyrischen Aleppo immer wieder gebrochen wird.
März 2017
US-Marines werden in die Nähe der IS-Hochburg Rakka entsandt, um die Rückeroberung der Stadt zu unterstützen. In den nächsten Wochen stationieren die USA insgesamt rund 2000 Soldaten im Land.
April 2017
Nach einer Giftgasattacke im nordsyrischen Chan Scheichun greifen die USA einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee mit Raketen an und verhängen Sanktionen gegen Regierungsmitarbeiter. Einige Tage zuvor hatte die die neue US-Gesandte bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, erklärt, dass die US-Regierung unter Donald Trump keine Priorität mehr darin sehe, Assad aus dem Amt zu entfernen. In den Folgewochen lässt Trump syrische Kurden der YPG-Einheiten weiter im Kampf gegen den IS weiter bewaffnen.
Oktober 2017
Die Terrormiliz IS verliert ihre inoffizielle Hauptstadt Rakka. Die SDF, ein von den USA unterstützer Milizenverbund, der von kurdischen Kämpfern angeführt wird, vertreibt die Islamisten aus ihrem Kerngebiet, in dem sie vier Jahre lang herrschten. In den folgenden Wochen verliert die Terrormiliz die Kontrolle in allen ihren nordsyrischen Städten.
April 2018
Die USA, Großbritannien und Frankreich greifen mit Kampfflugzeugen verschiedene Ziele in Syrien an. Es ist eine Vergeltungsmaßnahme für den Einsatz von Chemiewaffen auf Rebellen in der Stadt Duma, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen.
Dezember 2018
"Wir haben gegen den IS gewonnen", behauptet Trump. Er kündigt den Rückzug der US-Armee an. Auch die Luftangriffe sollen beendet werden. Klar ist aber: Der IS ist geschwächt, aber nicht besiegt. Die Terrormiliz hat im Irak und in Syrien zwar 99 Prozent ihres Territoriums verloren. Ihren letzten Rückzugsraum im Euphrattal verteidigt sie aber immer noch. Mehrere Tausend Dschihadisten sollen sich dort aufhalten.

syd/apr/AFP/Reuters/dpa

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