Eroberung durch Rebellen Syrer in Manbidsch feiern Befreiung vom IS

Bärte werden abrasiert, Zigaretten geraucht und Schleier verbrannt: Das nordsyrische Manbidsch ist offenbar nicht länger unter Kontrolle des "Islamischen Staates". Bei ihrem Rückzug nahmen die Islamisten jedoch Tausende Geiseln mit.

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Bewohner des nordsyrischen Manbidsch feiern die Vertreibung des "Islamischen Staates" durch Rebellen. Fotos der Nachrichtenagentur Reuters zeigen Menschen, die Kämpfer der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) begrüßten und sich von Zeichen der IS-Herrschaft trennten: Ein Mann ließ sich öffentlich den Bart stutzen, eine Frau verbrannte auf der Straße einen Nikab, den von den Islamisten vorgeschriebenen Gesichtsschleier. Demonstrativ rauchten Syrerinnen in Manbidsch Zigaretten - was der IS als unislamisch verboten hatte.

Ähnliche Szenen hatte es bereits vor zwei Monaten aus Vororten von Manbidsch gegeben: Ende Mai begann die SDF mit Luftunterstützung der US-geführten Anti-IS-Allianz seinen Angriff auf die strategisch wichtige Stadt an der Grenze zur Türkei. Erst jetzt aber haben die Rebellen Manbidsch nach eigenen Angaben vollständig unter ihre Kontrolle gebracht.

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Die letzten IS-Kämpfer hätten die Stadt verlassen, teilte die SDF mit. Dennoch würde die Stadt noch durchsucht. Über 2000 Zivilisten, die vom "Islamischen Staat" gefangen gehalten wurden, seien befreit worden. Zuvor hatte eine oppositionsnahe Gruppe bereits mitgeteilt, dass die Rebellen den IS aus Manbidsch vertrieben haben. Zuletzt hätten sich aber noch etwa 100 IS-Kämpfer dort verschanzt.

Die US-Regierung sprach ebenfalls von einer Befreiung der Stadt. "Auch wenn in Manbidsch noch gekämpft wird, ist der IS klar am Ende", sagte Pentagon-Sprecher Gordon Trowbridge. "Er hat das Zentrum von Manbidsch verloren, er hat die Kontrolle über Manbidsch verloren."

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Syrer in Manbidsch: Die Freude der Befreiten

Die Islamisten zogen sich in Richtung der Stadt Dscharablus im Norden von Manbidsch zurück. Dabei hätten sie rund 2000 Bewohner der Stadt entführt, sagte der Sprecher des Militärrats von Manbidsch, Scherwan Darwisch. "Wir haben nicht auf sie geschossen, weil sie Zivilisten als menschliche Schutzschilde dabei hatten."

Manbidsch wurde vom IS lange Zeit als Nachschubroute für Waffen und Kämpfer genutzt. Die Rückeroberung dürfte nun den Weg für einen Angriff auf die IS-Hochburg Rakka bereiten.

In der syrischen Metropole Aleppo gingen die Kämpfe nach Angaben von Aktivisten weiter. Menschenrechtsbeobachter berichteten von Dutzenden Luftangriffen und von Artilleriebeschuss. In der Folge habe ein Kinderkrankenhaus in der Nähe von Aleppo die Arbeit einstellen müssen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach sich grundsätzlich für eine Luftbrücke nach Aleppo aus. Die Bundesregierung sei mit den Vereinten Nationen, den USA und mit Russland darüber im Gespräch, sagte Steinmeier der "Welt am Sonntag". Sollten beide Teile Aleppos auf dem Landweg weiterhin nur unzureichend versorgt werden können, "sollten wir auch die Möglichkeit von Hilfe aus der Luft prüfen, vor allem bei medizinischen Gütern".

dab/Reuters

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