Syrien: Menschenrechtler berichtet von Massenexekution an Sunniten

Die Meldung ist schockierend: Ein Menschenrechtler berichtet von 34 Leichen, die auf einem Platz in der Widerstandshochburg Homs gelegen haben sollen. Bei den Toten handelt es sich angeblich um sunnitische Zivilisten - die Spannungen zwischen den Religionen im Land nehmen zu.

Widerstandshochburg Homs: Das Bild vom 4. Dezember zeigt aufsteigenden Rauch Zur Großansicht
REUTERS

Widerstandshochburg Homs: Das Bild vom 4. Dezember zeigt aufsteigenden Rauch

Damaskus/Istanbul - Der blutige Machtkampf in Syrien führt zu einer immer größeren Kluft zwischen regimekritischen Sunniten und den mehrheitlich regimetreuen Alawiten. In der Nacht zum Dienstag meldete die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter, in einem vorwiegend von Alawiten bewohnten Viertel der Stadt Homs habe ein Aktivist auf einem Platz 34 Leichen liegen sehen. Bei den Getöteten soll es sich um sunnitische Zivilisten handeln, die wenige Stunden zuvor von Angehörigen der Schabiha-Miliz aus den "Vierteln der Revolutionäre" verschleppt worden waren.

Die regimetreue Schabiha-Miliz ist in Syrien gefürchtet - für Präsident Baschar al-Assad ist die Miliz ein Stoßtrupp, der seine Macht mit Terror gegen das eigene Volk aufrechterhalten soll. Als Anführer der Schabiha gelten Assads Cousins Fawaz al-Assad und Munzhir al-Assad, die deshalb auch zu den ersten Regimeangehörigen zählten, die von der EU im Frühjahr 2011 mit Sanktionen belegt wurden. Die Miliz handelt meist im Windschatten der regulären Streitkräfte. Sobald das Militär ein Dorf oder ein Stadtviertel militärisch unterworfen hat, schwärmen die Schabiha aus, plündern und morden. Wie Überläufer berichteten, sei es auch ihre Aufgabe, jene Soldaten hinzurichten, die sich weigern, auf die eigenen Bürger zu schießen.

Insgesamt sollen am Montag in Syrien landesweit 50 Menschen von Angehörigen der Sicherheitskräfte und der Milizen getötet worden sein. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Dienstag, die Regierungstruppen hätten am Vortag in Homs drei "Terroristen" getötet. Außerdem berichtete Sana, eine bewaffnete Bande habe in Homs das Feuer auf einen Bus mit Beamten der lokalen Landwirtschaftsbehörde eröffnet und zwei Menschen verletzt.

Die Aktivisten, die seit März versuchen, den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad zu erzwingen, berichteten ihrerseits von 13 Verletzten beim Beschuss eines Dorfes im Bezirk Dschisr al-Schogur nahe der türkischen Grenze. Drei der verletzten Zivilisten seien zur Behandlung in die Türkei gebracht worden, hieß es. Wegen der Medienblockade sind Berichte über Militäroperationen in Syrien nur schwer nachzuprüfen.

Die syrische Opposition bemüht sich seit Beginn der Proteste, eine Spaltung zwischen sunnitischen und alawitischen Muslimen zu vermeiden. Nach Einschätzung unabhängiger Beobachter vor Ort gibt es inzwischen jedoch große Spannungen zwischen den Religionsgruppen, da sich das Regime vor allem auf Alawiten im Sicherheitsapparat stützt.

anr/dpa

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