Syrien: Minarett der Omajjaden-Moschee in Aleppo eingestürzt

Syrien: Schwerer Schaden an Omajjaden-Moschee Fotos
AP

Der zerstörerische Krieg in Syrien hat jetzt auch massiven Schaden an der Omajjaden-Moschee in Aleppo verursacht. Das Minarett aus dem 11. Jahrhundert ist eingestürzt. Rebellen und Militär machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.

Istanbul - Erneut ist ein wichtiges historisches Gebäude im syrischen Bürgerkrieg massiv beschädigt worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana und Oppositionsaktivisten am Mittwoch übereinstimmend berichteten, stürzte das Minarett der Großen Moschee in Aleppo ein. Regierung und Rebellen gaben sich gegenseitig die Schuld dafür.

"Die Panzer (der Streitkräfte - d. Red.) haben das Minarett beschossen, bis es einstürzte", hieß es in einem von den Rebellen ins Internet gestellten Video. Darin wurde bestritten, dass sich Schützen der Aufständischen in dem Turm versteckt hätten. Das Staatsfernsehen berichtete hingegen, eine islamistische Rebellengruppe habe das Gebäude zum Einsturz gebracht und den Vorgang gefilmt, um ihn dann den offiziellen Truppen anzulasten. Die Moschee wurde am 28. Februar von Rebellen erobert.

Die im Jahr 715 errichtete Omajjaden-Moschee in Aleppo war bereits zuvor bei Kämpfen beschädigt worden. Das nun zerstörte Minarett stammte aus dem 11. Jahrhundert.

Ein Sprecher der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (OSDH) wollte nicht ausschließen, dass der Turm durch die Kämpfe der vergangenen Monate mürbe geworden war und ohne gezielten Beschuss oder eine Sprengung zusammenfiel. Die Moschee steht in der Altstadt von Aleppo, die zum Unecso-Welterbe gehört.

hen/dpa/AFP

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1. Tränen
eunegin 24.04.2013
Nach etlichen Reisen nach Syrien bin ich schockiert, was sich Menschen antun können, die jahrzehntelang zusammenleben. Nicht überrascht, aber schockiert. Denke ich an das Menschheitserbe, dass nun zerstört wird, kommen mir die Tränen. Die Seele einer ganzen Region stirbt gerade vor unseren Augen. In einigen Monaten oder Jahren werden sich die Amtsträger, die gerade aktiv und betreten schweigen, die Klinke in die Hand geben, um zu korrigieren/restaurieren was nicht zu reparieren ist. Wie vorhersehbar. Traurig.
2. Kulturerbe
naftialmani 24.04.2013
Ob Bamiyan/Afghanistan oder Timbuktu/Mali oder Damaskus/Syrien. Lasst "sie" es doch kaputtmachen. "Sie" können/wollen es offenbar nicht wertschätzen. Die Stadtmauer von Kano/Nigeria: über Kilometer restauriert von Deutschland; anerkannt nur "offiziell", und nur auf Erinnern. Das "Verständnis" ist halt ein anderes, eben vor einer Aufklärung, die aber in immer weitere Ferne rückt. (Schon die angewiderte Miene mancher staatlicher ägyptischer Fremdenführer beim Erklären bildlicher Darstellungen in Oberägypten und verzweifelte Versuche, dies islamisch zu relativieren, spricht Bände. Aber "wir" sollten es "ihnen" nicht immer wieder aufbauen. Und letztlich nur "uns" damit ein Denkmal setzen. Ich lese gerade Barths und Nachtigals Afrika-Reiseberichte. Anscheinend war es ja nie anders. Bis heute nur Déjà-vus in Folge; sehr erstaunlich und sehr frustrierend.
3. Traurig
shishi88 24.04.2013
Zitat von euneginNach etlichen Reisen nach Syrien bin ich schockiert, was sich Menschen antun können, die jahrzehntelang zusammenleben. Nicht überrascht, aber schockiert. Denke ich an das Menschheitserbe, dass nun zerstört wird, kommen mir die Tränen. Die Seele einer ganzen Region stirbt gerade vor unseren Augen. In einigen Monaten oder Jahren werden sich die Amtsträger, die gerade aktiv und betreten schweigen, die Klinke in die Hand geben, um zu korrigieren/restaurieren was nicht zu reparieren ist. Wie vorhersehbar. Traurig.
Ja, es ist sehr traurig. Allerdings sind nicht nur Menschen beteiligt, die jahrzehntelang zusammenleben. Der Konflikt wurde vom Ausland angeheizt. Viele Kriegstreiber sitzen im Ausland, nicht nur in Qatar und Saudi Arabien, sondern leider auch im Westen.
4.
qvoice 24.04.2013
Zitat von sysopAPDer zerstörerische Krieg in Syrien hat jetzt auch massiven Schaden an der Omajjaden-Moschee in Aleppo verursacht. Das Minarett aus dem 11. Jahrhundert ist eingestürzt. Rebellen und Militär machen sich gegenseitig dafür verantwortlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-minarett-der-omajjaden-moschee-in-aleppo-eingestuerzt-a-896368.html
Sowohl die Gräber in Timbuktu als auch diese Minarette in Syrien sind doch eher nachrangige Denkmäler. Ein Verlust ist bedauerlich, aber nicht wirklich schmerzhaft. Vielt tragischer für die Menschheit wäre der Verlust z.B. der ägyptischen Pyramiden oder der Hagia Sophia.
5. Sorry, ...
emeticart 24.04.2013
... dass die Kriegstreiber im Ausland säßen, ist gelinde gesagt, ein Märchen. Es sind uralte und neue Fehden die ausbrechen, wenn die Staatsgewalt eine schwäche zeigt. Es gibt dort zuviele Clans, die gegenläufige Interessen verfolgen. Wie war es jahrhundertelang in Europa? Was haben sich die Fürsten bekriegt? Irgendein Hetzer, kommt immer hoch ...! Sicherlich, werden durch ausländische Interessen (Hegemoniewünsche, wirtschaftl. Interessen, religiöse Einflussnahmen, etc.) vorhandene Konflikte auch noch befeuert, aber die Probleme, liegen doch tiefer in den entsprechenden Gesellschaften verborgen, die Zundschnüre, werden vielleicht von außen angezündet (wobei ich mir da auch nicht immer sicher bin). Ich kann mir gerade keine funktionierende Lösung vorstellen. MfG
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