Krieg in Syrien: Gewaltwelle zum Ramadan-Ende

Am Ende des Fastenmonats Ramadan hat eine blutige Offensive der Regierungkräfte fast 60 Tote gefordert. Besonders heftig waren die Angriffe offenbar in Aleppo und Daraa. In Damaskus fanden Regimegegner die Leichen von zwölf zuvor misshandelten Männern.

Syrische Rebellen: Assads Streitkräfte greifen mit Panzern und Kampfflugzeugen an Zur Großansicht
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Syrische Rebellen: Assads Streitkräfte greifen mit Panzern und Kampfflugzeugen an

Damaskus - Bei Angriffen von syrischen Regierungstruppen einen Tag nach Ende des Fastenmonats Ramadan sind nach Angaben von Aktivisten insgesamt mindestens 59 Menschen getötet worden. Demnach seien die Städte Aleppo und Daraa sowie ein Vorort von Damaskus beschossen worden. Der Aktivist Mohammed Said sagte über den Internetdienst Skype, dass allein in zwei Stadtteilen von Aleppo bei einer Offensive der Streitkräfte mit Panzern und Kampfflugzeugen mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen seien.

Bei heftigen Kämpfen in der südsyrischen Stadt Daraa starben nach Angaben von Aktivisten 15 Aufständische und Zivilisten. Im Großraum Damaskus habe es laut Said sieben Tote und mindestens 70 Verletzte gegeben. Die Streitkräfte hätten den Ort Muadamija mit Granaten beschossen. Grund sei offenbar Vergeltung für die Fahnenflucht von rund 30 Soldaten am Sonntag. Die Angaben konnten nicht unabhängig bestätigt werden. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete aus Muadamija mindestens zehn getötete Zivilpersonen und drei Aufständische.

Brahimi hat noch keine Vorstellungen, wie man den Konflikt beenden kann

In der syrischen Hauptstadt selbst entdeckten Regimegegner zudem die Leichen von zwölf Männern. Offenbar wurden sie vor ihrem Tod misshandelt. Nach Angaben der Regimegegner, die ein Video der Leichen veröffentlichten, weisen die bislang nicht identifizierten Toten Schussverletzungen von Spuren von Schlägen auf. Sie seien im Viertel Kabun gefunden worden, das zu den Hochburgen der Gegner von Präsident Baschar al-Assad gehört. Menschenrechtsorganisationen hatten in den vergangenen Monaten zahlreiche Massaker an mutmaßlichen Aufständischen durch das Regime dokumentiert. Allerdings sind mittlerweile auch einige Fälle von Selbstjustiz durch die Assad-Gegner bekannt geworden.

Aufgrund der Gefechte in Syrien sind die Feiern zum Id al-Fitr am Ende des Ramadans nach Einschätzung von Aktivisten in großen Teilen des Landes ausgefallen. Auch zu den traditionellen Gebeten sollen weniger Menschen gekommen sein als üblich.

Am Sonntag hatte Lakhdar Brahimi, der designierte Uno-Sondergesandte für Syrien, gesagt, er habe noch keine konkreten Vorstellungen, wie der seit 18 Monaten andauernde Konflikt in Syrien zu lösen sei. Sein Vorgänger Kofi Annan gibt den Posten wegen ausbleibender Fortschritte zum Monatsende auf. Laut Brahimi sei der gespaltene Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für den Stillstand verantwortlich. China und Russland blockierten bislang ein härteres Durchgreifen der Staatengemeinschaft gegen Assad.

max/dapd/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Wen wundert es?
wernerthurner 20.08.2012
SPON "Laut Brahimi sei der gespaltene Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für den Stillstand verantwortlich. China und Russland blockierten bislang ein härteres Durchgreifen der Staatengemeinschaft gegen Assad." Da die USA und Anhängsel (incl. GCC Staaten) die "Rebellen" massiv und in jeder Hinsicht unterstützen, ist diese Aussage heuchlerisch und zynisch! Auf beiden Seiten geschehen Morde und Gemetztel. Schweiz Magazin - Das Schweizer Nachrichten online Magazin - Syrien: 4-jähriges Kind von den "Rebellen" öffentlich hingerichtet (http://www.schweizmagazin.ch/news/ausland/10757-Syrien--jhriges-Kind-von-den-Rebellen-ffentlich-hingerichtet.html) Solange die USA und Anhängsel völkerrechtswidrig die "Rebellen" unterstützen, die von denen verübten Hula Massaker (Ende Juni )nicht anprangern, sowie deren darauffolgende, einseitige Aufkündigung des Waffenstillstands , solange also der Westen und seine "Freunde" weiter Ihre tödliche und knallharte Linie "regime change" um jeden Preis" in syrien fahren, solange hat das Volk in Syrien diese Machtpolitikspielchen des Westens mit Leid, Tod, Vertreibung zu bezahlen! Merke: die Leute sterben und flüchten w e g e n des Bürgerkriegs, der massiv auch vom Westen geschürt wird!
2. Angaben überprüft? Propaganda der "Opposition"
pikeaway 20.08.2012
Zitat von sysopAm Ende des Fastenmonats Ramadan hat eine blutige Offensive der Regierungkräfte fast 60 Tote gefordert. Besonders heftig waren die Angriffe offenbar in Aleppo und Daraa. In Damaskus fanden Regimegegner außerdem die Leichen von zwölf zuvor misshandelten Männern. Syrien: Mindestens 30 Tote bei Angriffen der Regierungstruppen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,851072,00.html)
Die Meldungen stammen offensichtlich aus London. Warum wird es vermieden, diese Stelle zu benennen. Zur Glaubwürdigkeit trägt dieses nicht bei. Auch die Aussagen über Brahimi sind zurückhaltend formuliert "irreführend". Brahimi hat mit Bestimmtheit seine Vorstellungen aufbauend auf die UNSC- Beschlüsse. Zur Zeit ist er in der Kontaktphase mit den Akteuren. Warum werden die Ausgangspositionen für eine friedliche Lösung durch so viele unbestätigte Meldungen aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verdrängt? Geht es nur noch um Kriegsberichterstattung, um die Notwendigkeit einer Intervention zu begründen?
3. London calling
robert.haube 20.08.2012
Dass die syrische Armee (SAA) in der Offensive ist, wissen Viele seit geraumer Zeit. Die Bestätigung aus London kommt etwas arg spät.
4.
vincent12 21.08.2012
Zitat von pikeawayDie Meldungen stammen offensichtlich aus London. Warum wird es vermieden, diese Stelle zu benennen. Zur Glaubwürdigkeit trägt dieses nicht bei. Auch die Aussagen über Brahimi sind zurückhaltend......
@ pikeaway Sie reden mir aus der Seele :-) Nach 3 Monaten Artikel lesen hab ich endlich mal kapiert, dass zahlreiche europäische Massen-Medien alle paar Stunden neue/ähnliche Artikel/Fernsehsendungen mit „harten“ Aussagen posten. Gut formuliert, aber ohne Inhalt dahinter. Das ist beabsichtigt. Damit die wirren Schlagzeilen und Kurzbeschreibungen in die Köpfe der Menschen „eingehämmert“ werden. Das ist alles Absicht. Man kann sich nicht wirklich nicht mit einem Thema genauer befassen. Die Kommentare der Leute gehen so unter. Zumindest sehen Neulinge, auch die plausiblen Kommentare zu den Artikeln nicht so lange. Man muss dazu extra im Archiv suchen und den „alten“ Artikel extra aufrufen oder die Suchfunktion benutzen. Wurde von meinen Eltern aufgeklärt. Kuckte erst seit vier Monaten Nachrichten. Hab auch vorher schon so gut wie kaum Zeitung gelesen. Die Aussagen waren so „übertrieben“, dass erstmal die Frage aufkam, ob einige Vorwürfe an Baschar al-Assad überhaupt stimmen müssen. Ohne Hilfe gut Gebildeter, wäre ich nie hinter die Panikmacherei der Massenmedien gekommen.
5.
w.burger 21.08.2012
Ich muß mich schon sehr wundern wie häufig in den SPON Kommentaren zu Syrien die Rebellen als eine vom westlichen Ausland in jeder Hinsicht unterstützte Truppe von Terroristen hingestellt werden. Da gehört schon eine ordentliche Portion Zynismus dazu oder man vertritt als Botschaftsangehöriger das Assad-Regime. In der Anfangsphase (2011) war die Protestseite friedlich, die Protestierenden bestanden noch nicht mal auf den Abtritt Assads, sondern auf demokratische Reformen. Statt mit einem politischen Dialog antwortete Assad wie in früheren Zeiten sein Vater mit Scharfschützen und radikalisierte dadurch die Protestbewegung. Daß die Rebellen bis heute einer hoch gerüsteten Armee standhalten sagt mir, daß Sie wohl einigen Rückhalt im Volk besitzen müssen und damit in einem Land ohne freie Wahlen so etwas wie eine Ersatzlegitimation. Auch die zahlreichen Dessertationen aus der "regulären" syrischen Armee dürften ein Indiz dafür sein. Assad, der u.a.mit der Luftwaffe sein eigenes Volk bombardieren läßt, verfügt dagegen über keinerlei Legitimation. Ein totgeweihtes totalitäres und verantwortungsloses Regime versucht sich mit aller Gewalt und rücksichtslos an die Macht zu klammern.
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