Bürgerkrieg in Syrien: Granaten schlagen nahe Assads Palast ein

Der Bürgerkrieg in Syrien rückt immer dichter an Präsident Assad heran. In der Nähe seines Palastes in Damaskus schlugen nach staatlichen Angaben Granaten ein. Es gab mehrere Tote. Alle Straßen in die Hauptstadt wurden gesperrt.

Von Kämpfen zerstörtes Auto in Damaskus: Schwere Kämpfe im Zentrum Zur Großansicht
AFP / SANA

Von Kämpfen zerstörtes Auto in Damaskus: Schwere Kämpfe im Zentrum

Istanbul/Beirut - Die Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungstruppen in Syrien weiten sich neuen Berichten zufolge immer stärker auch auf das Zentrum von Damaskus aus. Bei einem Angriff mit Mörsergranaten in der Nähe des Präsidentenpalastes von Baschar al-Assad in Damaskus kamen an diesem Mittwoch nach Angaben staatlicher Medien mindestens drei Menschen ums Leben. Rebellen erklärten anschließend, der Beschuss habe dem nahe gelegenen Flughafen und dem Regierungssitz gegolten.

Die Hauptstadt wurde nach dem Angriff in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Sicherheitskräfte sperrten nach Angaben von Augenzeugen alle Straßen nach Damaskus. Auch Schulen seien geschlossen worden, hieß es.

Erst am Dienstag waren bei Bombenanschlägen in dem eleganten Alawiten-Viertel al-Messe elf Menschen getötet worden. Auch Assad gehört der Minderheit der alawitischen Muslime an. Die Mehrheit der Syrer sind Sunniten. Ein Autobombenanschlag in einem hauptsächlich von Sunniten bewohnten Stadtteil hatte am Dienstag nach Angaben der Opposition Dutzende Menschen getötet. Die sunnitischen Stadtteile von Damaskus stehen seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad vor 19 Monaten im Mittelpunkt der Kämpfe.

USA und Türkei sollen Flugverbotszone planen

Derweil gibt es einem Bericht zufolge konkrete Überlegungen zu einem Eingreifen in Syrien: Die USA und die Türkei wollen demnach eine Flugverbotszone im Norden Syriens durchsetzen. Dazu sollten Flugabwehrraketen des Typs Patriot an der türkisch-syrischen Grenze stationiert werden, berichtete die türkische Zeitung "Milliyet". Ranghohe Militärvertreter beider Länder hätten in den vergangenen Monaten an diesem Plan gefeilt. Die Patriot-Raketen sowie Kontrollflüge türkischer Kampfjets entlang der Grenze sollen demnach sicherstellen, dass die syrische Luftwaffe in einem Streifen südlich der Grenze nicht mehr agieren kann.

Die USA lehnen laut "Milliyet" eine direkte Militärintervention in Syrien ab. Mit Hilfe der Patriot-Raketen und der Kontrollflüge an der Grenze soll demnach ein Schutzschirm geschaffen werden, ohne dass syrisches Hoheitsgebiet verletzt wird. Dieser Schutzschirm soll Flüchtlingen aus der Türkei die Rückkehr nach Syrien ermöglichen sowie das Gebiet zwischen Aleppo und der türkischen Grenze im Norden Syriens für die Rebellen sichern. An der jordanisch-syrischen Grenze sei ein ähnliches Vorgehen geplant. Ein Mandat der Vereinten Nationen sei nicht erforderlich. Die letzte Entscheidung liege bei US-Präsident Barack Obama.

Die türkische Regierung und die syrische Opposition fordern seit Monaten eine Flugverbotszone in Syrien, um die Luftüberlegenheit der syrischen Regierungstruppen im Bürgerkrieg zumindest in einigen Regionen des Landes zu beenden. Ankara begründet diese Forderung unter anderem mit dem Zustrom von Flüchtlingen aus dem Nachbarland. Nach Mitteilung des türkischen Katastrophenschutzamts hat die Zahl der Flüchtlinge inzwischen fast 112.000 erreicht. Nach Presseberichten flohen in den vergangenen Tagen auch sieben weitere Generäle der syrischen Armee in die Türkei.

Deutschland und Großbritannien stocken Hilfen auf

Die britische Regierung plant Gespräche mit bewaffneten Rebellengruppen. Die Regierung habe grünes Licht zur Aufnahme von Kontakten mit Vertretern der bewaffneten Gruppen erteilt, erklärte das Büro von Premierminister David Cameron. Aus Regierungskreisen verlautete, dabei gehe es um einen politischen Dialog, nicht um Waffenlieferungen. Dem Fernsehsender al-Arabija sagte Cameron, er würde sich für freies Geleit für den syrischen Präsidenten Assad einsetzen, wenn dies ein Ende des blutigen Konflikts in Syrien herbeiführen könne.

Mehr Geld für die Opfer des Konflikts in Syrien stellt die Bundesregierung bereit. Damit leiste Deutschland "einen wichtigen Beitrag, um die Not der Menschen in Syrien zu lindern", erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin bei einem Besuch in New York. Die zusätzliche deutsche Hilfe sollten die Vereinten Nationen nutzen, "um Flüchtlingsquartiere winterfest zu machen und die Menschen in Syrien mit Essen, lebensnotwendiger Medizin und warmer Kleidung zu versorgen".

Mit den neuen Mitteln erhöht sich die Gesamtsumme deutscher Hilfe im Zusammenhang mit dem Konflikt in Syrien den Angaben zufolge auf mehr als 67 Millionen Euro. Auch Großbritannien kündigte eine Erhöhung seiner Hilfen um umgerechnet 17,5 Millionen auf mehr als 62 Millionen Euro an.

Seit dem Beginn des Konflikts Mitte März 2011 wurden in Syrien nach unbestätigten Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 36.000 Menschen getötet. Jüngsten Angaben der Vereinten Nationen zufolge flohen etwa 360.000 Menschen außer Landes, die meisten von ihnen in die Nachbarländer Türkei, Jordanien und Libanon. Es wird befürchtet, dass sich die Zahl der Flüchtlinge bis zum Jahresende verdoppeln könnte.

anr/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 83 Beiträge
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1. inzwischen
martin-z. 07.11.2012
Zitat von sysopAFP / SANADer Bürgerkrieg in Syrien rückt immer dichter an Präsident Assad heran. In der Nähe seines Palastes in Damaskus schlugen nach staatlichen Angaben Granaten ein. Es gab mehrere Tote. Alle Straßen in die Hauptstadt wurden gesperrt. Syrien: Mörserangriff in der Nähe von Assads Präsidentenpalastes - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-moerserangriff-in-der-naehe-von-assads-praesidentenpalastes-a-865845.html)
ist ja selbst der sonst beratungsresistente brtitische premier cameron zur vernunft gekommen, indem ier einsah, das der krieg gegen assad nicht zu gewinnen ist. der versuch ihm ein freies geleit und asyl schmackhaft zu machen, zeugen aber nachwievor von der überheblichkeit der freunde der "rebellen". assad hat es garnicht nötig sein land zu verlassen, weil er sich durchsetzen wird und nun auf einmal mit ihm verhandeln zu wollen, erinnert an die versuche der wehrmacht im frühjahr 45 einen waffenstillstand mit den westlichen alliierten auszuhandeln...völlige verklärung der realität.
2. optional
BeitragszahlerwiderWillen 07.11.2012
Warum läßt man den syrischen Preäsidenten beim Kampf gegen den Terror allein? Warum werden die bewaffneten Terroristen sogar unterstützt und in Terrocamps ausgebildet? Ist das gemäß §89a StGB nicht strafbar?
3. optional
rubjack 07.11.2012
"Die Patriot-Raketen sowie Kontrollflüge türkischer Kampfjets entlang der Grenze sollen demnach sicherstellen, dass die syrische Luftwaffe in einem Streifen südlich der Grenze nicht mehr agieren kann.""Die USA lehnen laut "Milliyet" eine direkte Militärintervention in Syrien ab. Mit Hilfe der Patriot-Raketen und der Kontrollflüge an der Grenze soll demnach ein Schutzschirm geschaffen werden, ohne dass syrisches Hoheitsgebiet verletzt wird. Dieser Schutzschirm soll Flüchtlingen aus der Türkei die Rückkehr nach Syrien ermöglichen sowie das Gebiet zwischen Aleppo und der türkischen Grenze im Norden Syriens für die Rebellen sichern." Versteh ich nicht... Wenn ein syrisches Flugzeug im syrischen Luftraum von einer türkischen Luftabwehrrakete abgeschossen wird, ist das sehr wohl eine "direkte Militärintervention". Und damit hätte Syrien auch das international verbriefte Recht, die Luftabwehrstellungen auszuschalten, da ein direkter Angriff auf syrisches Eigentum und Staatsgebiet erfolgt. Aber haupsache es werden Bombenleger Mörder unterstützt. Warum werfen die USA nicht einfach eine kleine A-Bombe auf den Regierungsitz Assads? Dann wäre da Ruhe. Und was den Fallout angeht... Es gibt da schon einige recht "saubere".
4. Und schon geht das Theater weiter
robert.haube 07.11.2012
Nachdem das Volk in den USA die Wahl zwischen "Pest und Colera" hinter sich gebracht hat, ist jetzt wieder Kriegs-business a usual angesagt. Cameron prescht schon mal mit seinem Nonsense vor und angeblich ist jetzt der Kampf wieder vor Assads Amtssitz. Fehlt nur noch Westerwelle mit "Assads Tage sind gezählt".
5. "Völlige Verklärung der Realität"
ixx 07.11.2012
Zitat von martin-z.ist ja selbst der sonst beratungsresistente brtitische premier cameron zur vernunft gekommen, indem ier einsah, das der krieg gegen assad nicht zu gewinnen ist. der versuch ihm ein freies geleit und asyl schmackhaft zu machen, zeugen aber nachwievor von der überheblichkeit der freunde der "rebellen". assad hat es garnicht nötig sein land zu verlassen, weil er sich durchsetzen wird und nun auf einmal mit ihm verhandeln zu wollen, erinnert an die versuche der wehrmacht im frühjahr 45 einen waffenstillstand mit den westlichen alliierten auszuhandeln...völlige verklärung der realität.
Ihr letzter Satz bringt es auf den Punkt. Sie müssten nun nur noch lernen, das auf sich selbst zu übertragen. Denn: Assad kann nicht gewinnen. Sein Untergangsprozess hat schon lange begonnen und ist nicht aufzuhalten. Gerichtet wurde über ihn sowieso schon. Die Rebellen sind nicht mehr weit weg. Wenn Assad schlau ist, macht er sich vom Acker. Am Ende widerfährt ihm sonst das gleiche Schicksal wie Gaddafi. Ich bin froh, dass es Länder wie die Türkei und USA gibt, die nicht tatenlos zusehen wollen, wie ein Diktator sein eigenes Volk niedermetzelt, nur weil sie nach Demokratie streben.
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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