Syrien Mossad mutmaßlich für Anschlag auf Raketenforscher verantwortlich

In Syrien ist ein Wissenschaftler durch eine Autobombe getötet worden. Er sollte Reichweite und Genauigkeit von Raketen verbessern. Hinter dem Anschlag wird der israelische Geheimdienst Mossad vermutet.

Masyaf, Syrien
AP

Masyaf, Syrien


Als am Samstagabend im syrischen Masyaf eine Autobombe explodierte, kamen mindestens zwei Menschen ums Leben. Einer war der Fahrer des Wagens. Der andere war Aziz Asbar, einer der wichtigsten syrischen Raketenwissenschaftler.

Ein hochrangiger Vertreter eines Geheimdienstes im Nahen Osten vermutet, dass der israelische Geheimdienst Mossad den Anschlag verübt hat, um Asbar auszuschalten. Das berichtet die "New York Times".

Der Wissenschaftler arbeitete demnach an einem streng geheimen Waffenentwicklungsprogramm. Die Anlage in Masyaf gehört zum Syrischen Wissenschafts- und Forschungszentrum (SSRC). Offiziell dient das Zentrum zivilen Zwecken, doch nach Einschätzung westlicher Geheimdienste und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) spielte das SSRC eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des syrischen Chemiewaffenprogramms. Das Zentrum unterhält in Syrien mehrere Einrichtungen, die Anlage in Masyaf ist nur eine davon.

Asbar soll unter anderem versucht haben, die syrische Raketentechnologie zu verbessern. Das Ziel: eine höhere Reichweite bei höherer Genauigkeit. Das hätte auch für israelische Städte zur Gefahr werden können. Asbar sollte außerdem eine unterirdische Waffenfabrik aufbauen - als Ersatz für diejenige, die Israel zuvor durch Luftangriffe zerstört hatte.

Israels Verteidigungsminister: "Werden das nicht zu ernst nehmen"

Die "New York Times" schreibt unter Berufung auf den Geheimdienst-Vertreter, dass der Angriff am Samstag mindestens die vierte Tötungsmission Israels in den vergangenen drei Jahren auf ausländischem Boden gewesen sei. Schon vor Jahren verübte der Mossad offenbar auch in Iran Anschläge, um dort Atomwissenschaftler des Regimes auszuschalten. (Hier lesen Sie mehr über die Hintergründe.)

Der Mossad habe Asbar nun schon lange verfolgt, hieß es. Der Wissenschaftler habe eine geheime syrische Waffenentwicklungseinheit angeführt. Er soll freien Zugang zum Präsidentenpalast in Damaskus und auch zur Führung der iranischen al-Quds-Gruppe gehabt haben, der Eliteeinheit der Revolutionswächter.

Nach israelischem Gesetz kann nur der Premierminister Tötungsmissionen autorisieren. Benjamin Netanyahu hat sich zu den Vorwürfen bisher allerdings nicht geäußert. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hingegen hat die Vorwürfe dementiert.

"Im Nahen Osten gibt es jeden Tag Hunderte Explosionen und Abrechnungen", sagte Lieberman dem israelischen Sender Channel 2. "Jedes Mal versuchen sie, uns verantwortlich zu machen. Also werden wir das nicht zu ernst nehmen."

aev



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