Mutmaßlicher Giftgaseinsatz Chemiewaffenwächter schicken Ermittler nach Duma

Damaskus und Moskau wiegeln ab, Berlin und Washington sind sich sicher - nun will die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen klären, ob im syrischen Duma Chemiewaffen eingesetzt wurden.

Hauptquartiert der OPCW
AFP

Hauptquartiert der OPCW


Syriens Machthaber Baschar al-Assad hatte sie eingeladen, auch dessen Schutzherren in Moskau - nun kommen die Experten der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Kürze in das Bürgerkriegsland. Sie sollen in der Rebellenhochburg Duma einen möglichen Angriff mit Chemiewaffen untersuchen. (Hier erfahren Sie mehr über die Arbeit der OPCW)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor erklärt, sie habe keinen Zweifel, was in der syrischen Rebellenenklave Duma passiert ist. "Ich glaube, dass die Evidenz, dass dort Chemiewaffen eingesetzt wurden, sehr, sehr klar und sehr deutlich ist", sagte sie.

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Nach Angaben von Hilfsorganisationen war in der Nacht zum Sonntag eine Fassbombe mit Chemikalien über der syrischen Stadt Duma abgeworfen worden. Dutzende Menschen sollen dabei umgekommen sein. Syrien und sein enger Partner Russland bestreiten dies.

Trump sagt wegen Duma Lateinamerikareise ab

Wann das OPCW-Team abreisen wird, wurde nicht mitgeteilt. Seit dem mutmaßlichen Angriff hätten die Experten bereits Informationen gesammelt und analysiert, teilte die OPCW mit. Nun sollte ein spezielles Ermittlerteam an Ort und Stelle in Duma die Vorwürfe untersuchen. Die Bitte sei zeitlich mit einer Anfrage Syriens und Russlands nach Entsendung von OPCW-Experten zusammengefallen, hieß es weiter. Bei zwei früheren Einsätzen wurden OPCW-Mitarbeiter in Syrien angegriffen.

US-Präsident Donald Trump sagte wegen der jüngsten Ereignisse in Syrien derweil eine geplante Reise nach Südamerika ab. Er werde im Lande bleiben, "um die amerikanische Antwort auf Syrien zu überwachen und die Entwicklungen rund um den Globus im Auge zu behalten", teilte das Präsidialamt mit.

Zudem konsultierte er Frankreich und Großbritannien wegen eines gemeinsamen - möglicherweise militärischen - Vorgehens. Russland warnte die USA vor schwerwiegenden Folgen eines US-Militärschlags. Die Regierung in Washington hatte zuvor militärische Schritte gegen die syrische Regierung nicht ausgeschlossen.

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Frankreich wartet nach Angaben eines Regierungssprechers den Giftgas-Nachweis in Duma aber noch ab, bevor es reagieren wird. Präsident Emmanuel Macron hatte im Februar mit einem Militärschlag gedroht, sollten syrische Regierungstruppen mit C-Waffen Zivilisten töten. Macron und Trump seien sich jedoch einig, dass eine "starke Reaktion" der internationalen Gemeinschaft nötig sei, teilte das Präsidialamt nach einem Telefonat der beiden Staatschefs mit.

Zivilisten verlassen Duma
DPA

Zivilisten verlassen Duma

Die britische Premierministerin Theresa May antwortete auf die Frage, ob sich Großbritannien an einer US-Militäraktion beteiligen würde, ausweichend: "Wir glauben, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden sollten." Die britische Entwicklungsministerin Penny Mordaunt sagte, die Regierung diskutiere über ein militärisches Eingreifen und stimme sich mit internationalen Partnern ab.

dop/dpa/AFP/Reuters

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