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Bürgerkrieg in Syrien: Nato erwägt, mehr Truppen in der Türkei zu stationieren

Nato-Generalsekretär Stoltenberg: "Grund zur Sorge" Zur Großansicht
AP/dpa

Nato-Generalsekretär Stoltenberg: "Grund zur Sorge"

Russische Kampfjets sind mehrfach in den türkischen Luftraum eingedrungen. Nato-Generalsekretär Stoltenberg sagte nun: "Die Nato ist bereit und fähig, alle Alliierten zu verteidigen."

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verschärft den Ton gegenüber Russland: "Die Nato ist bereit und fähig, alle Alliierten gegen jegliche Gefahren zu verteidigen", sagte er vor dem Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel. Denkbar sei zum Beispiel eine Stationierung von Truppen auf dem Territorium des Allianzpartners Türkei. Zudem wolle man darüber nachdenken, was zusätzlich getan werden könne.

Zweimal sollen russische Kampfflieger am vergangenen Wochenende in den Luftraum des Nato-Mitglieds Türkei eingedrungen sein. Dies sei inakzeptabel, gefährlich und rücksichtslos, sagte Stoltenberg bereits am Mittwoch. Zudem würden die Vorfälle den Konflikt verschärfen.

Die Türkei und Russland sind in der Syrienkrise uneinig: Die Regierung in Ankara unterstützt die syrischen Rebellen, Moskau unterstützt Diktator Baschar al-Assad. "Die Nato hat bereits darauf geantwortet, indem wir unsere Kapazitäten, unsere Fähigkeiten, unsere Bereitschaft erhöht haben, weitere Kräfte im Süden zu stationieren, die Türkei eingeschlossen", sagte der Nato-Generalsekretär. Die russischen Einsätze in Syrien seien "Grund zur Sorge".

Am 30. September hatten die Luftangriffe begonnen, mit denen die Regierung in Moskau ihrem Verbündeten Assad im Kampf gegen Rebellen helfen will. Auch im Kaspischen Meer sind Kriegsschiffe stationiert. Wie das russische Verteidigungsministerium meldet, seien in der Nacht zum Donnerstag Schläge gegen den "Islamischen Staat" (IS) erfolgreich gewesen. Raketen seien von vier Schiffen aus abgeschossen worden und hätten Waffenfabriken und -lager sowie Kommandozentren und Trainingslager zerstört.

Laut Informationen der Syrischen Beobachterstelle für Menschenrechte haben Assads Regierung und die russische Luftwaffe die Offensive gegen Rebellen fortgesetzt. Ziel der Bodentruppen und Luftschläge sei diesmal die strategisch wichtige Ghab-Ebene im Westen des Landes gewesen. Demnach hätten die Truppen die Rebellen heftig mit Boden-Boden-Raketen angegriffen, während russische Kampfflugzeuge aus der Luft bombten.

Unklar war zunächst, ob es sich bei den Angegriffenen um IS-Kämpfer oder um andere Gruppen handelte. Die Aktivisten in London beziehen ihre Informationen aus einem Netzwerk in Syrien. Sie haben sich in der Vergangenheit als zuverlässig erwiesen.

Auch von der syrischen Regierung ist der Einsatz nun bestätigt worden: Im Staatsfernsehen sagte Generalstabschef Ali Abdullah Ajub: "Die syrischen Streitkräfte haben heute eine groß angelegte Offensive gestartet, um die Terrorgruppen zu besiegen und die Gegenden und Dörfer zu befreien, die unter dem Terror und seinen Verbrechen gelitten haben." Durch die russischen Bombardierungen seien die Aufständischen schon geschwächt worden, sagte General Ajub. Dadurch hätten "die syrischen Streitkräfte die militärische Initiative behauptet".

Karte Syrien Situation 4.10.2015 Zur Großansicht
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Karte Syrien Situation 4.10.2015

In der Nacht kam es ebenfalls zu Konfusionen im Luftraum: Bei ihren Luftangriffen in Syrien brachen offenbar zwei US-Flugzeuge ihren Einsatz ab, weil sie russischen Kampffliegern ausweichen mussten. Das berichtet ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums in Washington, der namentlich nicht genannt werden wollte. Seinen Angaben zufolge waren zwei F-16-Kampfflugzeuge der US-Armee betroffen: Sie hätten ihre Route ändern müssen, um nicht zu nah an russische Flieger zu kommen. "Sie haben ihr vorgesehenes Ziel nicht angreifen können", sagte der Ministeriumsmitarbeiter.

Pentagon-Sprecher und Marine-Kapitän Jeff Davis sagte, in "mindestens einem Fall" habe ein US-Kampfflugzeug seinen Kurs geändert, um eine "sichere Trennung" von russischen Maschinen zu gewährleisten. Wie nah die Flugzeuge sich kamen oder wann und wie oft es bisher solche Ausweichmanöver gegeben hat, sagte Davis nicht. Eigentlich hatten die USA und Russland vereinbart, künftige Einsätze besser zu koordinieren.

vek/Reuters/dpa

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1.
wo_st 08.10.2015
Einfach pervers, dass unsere Politiker immer noch Benzin ins Feuer schütten. Man könnte meinen sie wollen endlich einen Krieg.
2. Ich...
yellowcarpet 08.10.2015
....nehme mal an, das der Norm-Putinist nun keine Reaktion, sondern eine Provokation der NATO darin sieht. Das Ziel Russlands ist es eindeutig, alle Kräfte die einen Assad-Sieg in die Quere kommen könnten aus Syrien zu drängen. Ein Glück das die NATO nicht genauso verantwortungslos, aggressiv und provokant in der Ukraine vorgegangen ist.
3. Wer hats Erfunden
spon_2991031 08.10.2015
Das ist Kriegstreiberei. Vielleicht verlieren wir mal die Reihenfolge nicht aus den Augen. Die USA, Türkei, GB und Fr fliegen seit fast einem Jahr ohen Einwilligung der Regierung bei einem Partener Russlands Luftangriffe weil Ihnen die Regierung nicht passt. Was würde die NATO wohl sagen wenn die Russen in der Ukraine Luftangriffe fliegen um die Putschregierung dort zu beseitigen? Was das auf keinen Fall ist, ist ein NATO Bündnisfall, zumal die Türkei zur Destabilisierung nachgewiesener Maßen beigetragen hat. Da sollte die NATO kleine Fische backen statt dick aufzutragen. Wenn Ihnen das um die Ohren fliegt hörts mit dem Spaß auf und die NATO ist schuld.
4. Was sollen diese Truppen denn machen?
dieter 4711 08.10.2015
Was sollen Diese Truppen denn in der Türkei machen, gegen die PKK kämpfen?
5. Offene Fragen
WahrheitsgehaltSPON 08.10.2015
1. wo sind denn die vielen ( unzähligen ) moderaten Rebellen? Nusra, al Quaeda usw. zählen nicht. 2. was bitte haben die Amerikaner in Syrien verloren? Wenn die Amis keine Erlaubnis von der offiziellen syrischen Regierung besitzen dann sollten die amerikanischen Flugzeuge froh sein wenn sie nicht vom Himmel geholt werden. 3. vor rund einem Monat haben sich die Amis noch beschwert, dass kaum syrische moderate Rebellen aufzufinden sind, es waren immer nur IS-Kämpfer, größtenteils aus dem Ausland, aufzufinden. Russland jagt am gleichen Ort und jetzt auf einmal sollen hier moderate Rebellen angegriffen worden sein!!! Also nichts gegen Amerika, das Land ist äußerst facettenreich und interessant aber die amerikanische Politik ist einfach nur dreckig und dem muss ein Ende gesetzt werden. Entweder ein Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende...
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