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Syrien-Konflikt: Amerikas Angst vor einem zweiten Irak

US-Präsident Obama macht das Assad-Regime für den Chemiewaffen-Angriff verantwortlich - die Vorbereitungen für einen Militärschlag aber stocken. Washington und London sehen sich nun doch gezwungen, den Bericht der Uno-Inspektoren abzuwarten. Bürger und Parlamentarier fürchten ein neues Debakel wie im Irak.

Diesen Krieg haben die USA nicht gesucht. Aber die berühmte "rote Linie" scheint nun endgültig überschritten. Das syrische Regime sei für den grauenvollen Giftgasangriff vergangene Woche verantwortlich, das hat US-Präsident Barack Obama nun erstmals öffentlich gesagt. "Und wenn das so ist, müssen internationale Konsequenzen folgen."

Es sind starke Worte, doch nachdem die USA und Großbritannien in den vergangenen Tagen mit Vorbereitungen für einen Militärschlag begonnen haben, bremsen sie nun ihr Tempo.

Obama betonte bei seinem Interview im Sender PBS, er habe noch keine Entscheidung getroffen. Dabei wandte er sich auch gegen eine "direkte militärische Beteiligung" der USA am syrischen Bürgerkrieg. Eine Einmischung in die Kräfteverhältnisse in dem Land würde "der Situation vor Ort nicht helfen". Nach dem Ziel eines militärischen Eingreifens befragt, antwortete er, das Regime werde ein "ziemlich starkes Signal erhalten, dass es das besser nicht noch einmal tut".

Der britische Premier David Cameron, der bisher auf Eile drängte, will nun erst den Bericht der Uno-Inspektoren abwarten, der wahrscheinlich Anfang nächster Woche kommt. Zurzeit halten sich mehrere Waffenexperten in Syrien auf, um die Vorwürfe zu untersuchen.

Russland und China blockieren

London hatte der Uno den Entwurf für eine Resolution vorgelegt, um ein militärisches Vorgehen gegen das Assad-Regime zu erreichen - das Papier hat aber ohnehin "keine Chance", hieß es in Uno-Kreisen. China und Russland sperren sich. "Alle Parteien sollten die Ergebnisse der Ermittlungen geduldig abwarten", war in der chinesischen Staatszeitung "People's Daily" zu lesen.

Syriens Uno-Botschafter Bashar Jaafari warf ein unerwartetes weiteres Problem auf: Es gebe "Beweise" zu drei Fällen, in denen die syrischen Rebellen Chemiewaffen eingesetzt haben soll. Dies zu prüfen, dürfte die Arbeit der Uno-Inspektoren verlängern.

Die US-Regierung sieht angesichts der russischen und chinesischen Blockade im Sicherheitsrat "keinen Weg voran", so Marie Harf, Sprecherin des Außenministeriums. Deshalb würden die USA ihre Konsultationen anderswo fortsetzen, um in den kommenden Tagen "angemessene Maßnahmen zu ergreifen".

Furcht vor Irak-Debakel hemmt Entscheider

Doch in den USA wie in Großbritannien bremst auch der Schatten des Irak-Kriegs die Entscheidungen. Cameron muss sich daheim vor Kritikern verantworten, die ihn an den Irak und seinen Vor-Vorgänger Tony Blair erinnern, der mit dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush die Kriegspropaganda gesteuert hatte.

Auch Obama sagte bei PBS, er wisse, dass viele Amerikaner "eine Wiederholung des Iraks" fürchteten. Daher zögert auch der US-Kongress. 116 Abgeordnete forderten den US-Präsidenten in einem Brief auf, vor einem Militärschlag ihre Zustimmung einzuholen. Andernfalls würde er gegen die Verfassung verstoßen, hieß es in dem Schreiben, das 98 Republikaner und 18 Demokraten unterzeichneten.

John Boehner, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, verlangte in einem separaten Brief an Obama eine "unzweideutige Erklärung", wie eine Militäraktion in Syrien "die US-Interessen wahren" würde. "Ich fürchte, dass eine solche Aktion die USA in eine breitere direkte Verwicklung in den Konflikt hineinziehen könnte", sagte auch Adam Smith, der Top-Demokrat im Außenausschuss.

Am Donnerstag will das Weiße Haus führende Kongresspolitiker näher unterrichten. Zugleich hat es angekündigt, neue und "unbestreitbare" Beweise vorzulegen, dass das Regime für den Giftgaseinsatz verantwortlich ist.

Einer der wenigen, die laut für einen Einsatz plädierten und, mehr noch, einen Regimesturz, war der republikanische Senator John McCain. "Dies ist derselbe Präsident, der noch vor zwei Jahren forderte, dass Baschar al-Assad das Amt aufgeben müsse", sagte er bei Fox News. "Wo ist also Amerikas Glaubwürdigkeit?"

Andere warnten davor, die Lage in Syrien mit der 2003 im Irak zu vergleichen. "Der syrische Fall betrifft die empirische Frage, ob Chemiewaffen eingesetzt wurden, und ein analytisches Urteil darüber, wer sie einsetzte", sagte der Geheimdienstexperte Thomas Fingar, der "New York Times". "Das unterscheidet sich sehr vom Irak." Fingar muss es wissen: Als Top-Mitarbeiter des US-Außenministeriums widersprach er der Kriegslinie Bushs damals.

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1. Auf in den Krieg
hubertrudnick1 29.08.2013
Zitat von sysopAFPDer US-Präsident sieht klar das syrische Regime für den Angriff mit Chemiewaffen verantwortlich - die Vorbereitungen für einen Militärschlag aber stocken. Washington und London wollen den Bericht der Uno-Inspektoren abwarten. Die Furcht vor einem neuen Debakel wie im Irak ist groß. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-obama-gibt-assad-schuld-an-giftgas-masssaker-a-919166.html
Wenn unsere Politiker, die immer sehr schnell dabei sind andere Länder mitmilitärischer Gewalt zu drohen selbst mal als einfacher Soldat in den Krieg ziehen müssten, ob sie dann noch immer so viel Waffengewalt fordern würden? Man kann es auf der ganzen Welt sehen, wo die Politiker durch ihr Militärs haben sich abreagieren lassen, da Tod und Elend zurückgeblieben.
2.
attatroll1 29.08.2013
Wieso sollten Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Panama etc etc etc Angst vor einem 'zweiten Irak' haben? Von den mittel- und südamerikanischen Staaten hat kein einziger Bomben auf den Irak geworfen; selbst Kanada hat sich nicht am schmutzigen Krieg seines Nachbarn beteiligt. Hört doch endlich einmal auf, die USA mit "Amerika" gleichzusetzen. Im Zeitalter der aufstrebenden Schwellenländer Lateinamerikas ist das mehr denn je unangebracht. Die USA sind nicht Amerika!! Die USA sind lediglich EIN Staat in Amerika, und nicht einmal der größte. Das einzige was an denen "groß" ist, ist ihre Klappe
3. Es wird keinen Angriff geben
expat62 29.08.2013
weil es kein UNO Mandat geben wird, wiel Obama nicht Bush ist und weil naechste Woche die Inspektoren herausgefunden haben werden dass es nicht bewiesen ist welche Seite das Nervengas eingesetzt hat. Alles nur heisse Luft um vom NSA Debakel abzulenken.
4. Oder sollten
budrick 29.08.2013
die Herren Kriegstreiber den Ruf ihrer Bevölkerungen vernommen haben, die überwiegend gegen ein Eingreifen sind, egal in welchem Land. Vielleicht ist die Bimmel endlich mal angesprungen: Demokratie = Politiker arbeiten fürs Volk und nichts anderes. Das ist ein Gedankengang, den auch unsere amtierenden Politiker wieder lernen sollten. Das in Verbindung mit gelebten und nach außen hin klar erkennbaren moralischen Werten und Standpunkten machen für mich einen guten Politiker aus. Wieviele davon haben wir momentan? Mir fällt einfach keiner ein...
5. Russische Militärberater in Syrien
seehas 29.08.2013
Die Massaker an der syrischen Bevölkerung, die das Assad Regime und seine Schergen zu verantworten haben, ähnelt auffällig der Vorgehensweise Russlands in Tschetschenien. In den beiden Tschetschenienkriegen wurden unter der Verantwortung von Boris Jelzin und Wladimir Putin völkermordartige Verbrechen an der tschetschenischen Bevölkerung verübt. Diese Verbrechen wurden von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ausführlich dokumentiert. Einfach mal mit (GfbV Tschetschenien) googeln. Auch für die Verbrechen in Syrien ist Putin mitverantwortlich, da Russland unter seiner Führung Waffen an Syrien liefert und darüber hinaus wirksame Maßnahmen gegen das Assad Regime im UN-Sicherheitsrat verhindert. Die Parallelen in beiden Konflikten lassen vermuten, dass auch in Syrien das Militär unter der Anleitung russischer Militärberater handelt.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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