Krieg in Syrien: Obama warnt Assad vor Chemiewaffen-Einsatz

Es ist eine eindringliche Mahnung in Richtung Damaskus: Der US-Präsident hat das Assad-Regime scharf vor dem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt. Offenbar ist Barack Obama durch Geheimdienstberichte alarmiert, wonach die syrische Regierung mit der Mischung von Chemikalien begonnen haben könnte.

AP

Washington - In den USA wächst die Sorge, dass das Assad-Regime womöglich zu einem Schritt greifen könnte, den der US-Präsident als "völlig inakzeptabel" bezeichnet - Barack Obama meint den Einsatz von chemischen Waffen. In Washington ist man besorgt über die Möglichkeit einer solchen Verzweiflungstat.

Barack Obama hat deshalb am Montag bei einem Symposium zur Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen erneut eine deutliche Warnung Richtung Syrien gesendet. "Wenn sie den tragischen Fehler begehen, diese Waffen einzusetzen, wird dies Konsequenzen haben und sie werden dafür zur Verantwortung gezogen", sagte der Staatschef - eine klare Drohung an das Assad-Regime.

Bereits Mitte August hatte Obama Syriens Diktator Baschar al-Assad unmissverständlich gewarnt. Sollte die syrische Regierung im Kampf gegen die Rebellen biologische oder chemische Waffen einsetzen, komme es zu einer Militäraktion der USA. Dann sei eine "rote Linie" überschritten, stellte der US-Präsident damals klar.

Hinweise der Geheimdienste

Obama ist alarmiert. US-Nachrichtendiensten liegen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Hinweise auf Vorbereitungen für einen Chemiewaffen-Einsatz des syrischen Regimes vor - das berichten auch die "New York Times" und die Nachrichtenagentur AP. Aus Regierungskreisen in Washington hieß es, das syrische Militär habe möglicherweise mit der Mischung von Chemikalien begonnen, die für das Nervengas Sarin benötigt würden.

Sarin wird aus einem hochkonzentrierten künstlich hergestellen Alkohol und der Chemikalie Methylphosphonat hergestellt, aus Sicherheitsgründen werden die beiden Komponenten immer getrennt aufbewahrt. Offenbar, so jedenfalls die Darstellung der US-Offiziellen, wurden die beiden Komponenten in den vergangenen Tagen in syrischen Militärbasen zumindest an einem Ort zusammengeführt.

Die Erkenntnisse aus den USA dürften am heutigen Dienstag das Thema Syrien bei einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel an oberste Stelle rücken.

"Wir können nicht zulassen, dass das 21. Jahrhundert sich durch die schlimmsten Waffen des 20. Jahrhunderts verfinstert", machte Obama in seiner Rede am National War College in Washington klar. Die US-Regierung werde "weiterhin die legitimen Bestrebungen der Syrer unterstützen, mit der Opposition zusammenarbeiten, ihnen humanitäre Hilfe liefern und auf ein vom Assad-Regime befreites Syrien hinarbeiten".

Chemiewaffen würden "die Spielregeln verändern"

Auch US-Außenministerin Hillary Clinton riet der syrischen Regierung dringend davon ab, diese "rote Linie" zu überschreiten. "Wir warnen das Assad-Regime erneut mit Nachdruck, dass sein bisheriges Verhalten verwerflich ist und sein Vorgehen gehen die eigene Bevölkerung tragisch ist", sagte sie nach einem Gespräch mit ihrem tschechischen Amtskollegen Karel Schwarzenberg in Prag.

Der jordanische Außenminister Nasser Dschudeh sagte in der US-Hauptstadt, der Einsatz von Chemiewaffen würde "die Spielregeln verändern". Damaskus wisse, "dass die internationale Gemeinschaft das nicht akzeptieren würde" - weder gegen das syrische Volk noch gegen Nachbarländer und auch nicht, wenn die Waffen in falsche Hände gerieten. In Syriens Nachbarland Jordanien ist seit einigen Monaten eine 150 Mann starke US-Task-Force stationiert.

Sprecher des syrischen Außenministeriums entlassen?

Das Außenministerium in Damaskus versicherte jedoch, Syrien werde "diese Art Waffen, wenn es welche davon besitzt, unter keinen Umständen gegen sein Volk einsetzen". Nach Angaben eines iranischen Fernsehsenders wurde der Sprecher Dschihad Makdissi nach der nicht abgesprochenen Chemiewaffen-Erklärung entlassen. Allerdings wurde dieser Bericht zunächst nicht bestätigt, wie die Nachrichtenagentur dpa meldete.

Später meldete die Agentur der Sprecher habe sich nach London abgesetzt. Er sei über die libanesische Hauptstadt Beirut ausgereist, sagte der Chef der oppositionsnahen syrischen Menschenrechtsbeobachter in London, Rami Abderrahman. Unklar blieb aber zunächst, ob der Schritt im Zusammenhang mit den Äußerungen über die Chemie-Waffen stand.

In den westlichen Staaten wächst seit Monaten die Sorge, dass das Assad-Regime chemische Waffen einsetzen könnte. Im Juli hatte ein Sprecher des syrischen Außenministeriums angekündigt, Damaskus würde Chemiewaffen nicht gegen die Aufständischen im eigenen Land, sondern nur gegen "äußere Aggressoren" einsetzen. Dies war im Ausland als Drohung aufgefasst worden. Einen Tag später korrigierte der Sprecher seine Aussagen, er versicherte, sein Land würde "niemals chemische und biologische Waffen nutzen".

Syrien soll über das größte Chemiewaffen-Arsenal im Nahen Osten verfügen und auch biologische Kampfstoffe besitzen. Damaskus hat mehrfach den Besitz von Chemiewaffen eingeräumt, allerdings nannte die Regierung keine Einzelheiten. Der US-Geheimdienst CIA schätzt, dass das Regime über mehrere hundert Liter chemischer Kampfstoffe verfügt, unter anderem Senfgas, Tabun und das Nervengas Sarin. Die USA haben den Verdacht, dass Syrien für die Produktion technische Hilfe aus Iran erhält.

Die Europäische Union verringerte unterdessen ihre diplomatische Präsenz in Damaskus "aus Sicherheitsgründen" auf "ein Minimum". Das erklärte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Montag in Brüssel. Zuvor hatten die Vereinten Nationen angekündigt, "nicht zwingend notwendige Mitarbeiter" angesichts der Sicherheitslage aus Syrien abzuziehen.

heb/mgb/dpa/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 139 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. achso...
inovatech 04.12.2012
"...Dann sei eine "rote Linie" überschritten, stellte der US-Präsident damals klar" Also ist bisher alles Grün ?
2. Erzgenossen
politbüro_merkel 04.12.2012
Bestimmt werden gleich wieder die üblichen Erzgenossen alles amerikanische als imperialistisch deklarieren und die Meldung als Propaganda und Unfug abtun. Wenn dann aber die Syrer am Gas krepieren, will es wieder niemand geahnt haben.
3. Startsignal
Tungay 04.12.2012
Zitat von sysopEs ist ein eindringliche Mahnung in Richtung Damaskus: Der US-Präsident hat das Assad-Regime vor dem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt. Es wäre ein tragischer Fehler, sollte sich die syrische Regierung dafür entscheiden. Offenbar ist Obama durch jüngste Geheimdienst-Berichte alarmiert. Syrien: Obama warnt Assad vor Chemiewaffen-Einsatz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-obama-warnt-assad-vor-chemiewaffen-einsatz-a-870782.html)
Die Terroristen schaffen es nicht allein, jetzt müssen Patriots und andere Methoden herhalten. Die UNO zieht ihre Mitarbeiter ab, dass bedeutet wohl das ein Angriff des Westens zur Einführung der Islamisten und der Scharia in Syrien bevorsteht. Glauben diese Nobelpreisverbrecher Obama und EU, irgendwer nimmt ihnen diese Storys ab?
4. Und wer warnt die ...
massbier 04.12.2012
... USA, Russland, Frankreich und England diese Waffen einzusetzen? http://de.wikipedia.org/wiki/Chemiewaffen#Vernichtung
5. auch wenn...
Schroekel 04.12.2012
Zitat von sysopEs ist ein eindringliche Mahnung in Richtung Damaskus: Der US-Präsident hat das Assad-Regime vor dem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt. Es wäre ein tragischer Fehler, sollte sich die syrische Regierung dafür entscheiden. Offenbar ist Obama durch jüngste Geheimdienst-Berichte alarmiert. Syrien: Obama warnt Assad vor Chemiewaffen-Einsatz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-obama-warnt-assad-vor-chemiewaffen-einsatz-a-870782.html)
...diverse Foristen vermutlich in Kürze wieder George Bush's fatales Lied von den 'Weapons of mass destruction' anstimmen werden, unwahrscheinlich ist der Einsatz von Biologischen und Chemiewaffen durch Assads Mafia clan nicht. Es geht ihnen im Moment definitiv an den Kragen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Barack Obama
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 139 Kommentare
  • Zur Startseite

Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Syrien-Reiseseite