Appell an syrische Diktatoren-Gattin: "Liebe Asma, stoppe Deinen Mann"

Von , Washington

Es ist eine dramatische Videobotschaft an die Frau des Tyrannen: Diplomaten-Gattinnen appellieren an Asma al-Assad, gegen das Morden in Syrien aufzubegehren. Die gebürtige Britin aber fiel bisher eher als schönes Gesicht der Diktatur auf.

DPA

Es beginnt mit einem Bild wie aus dem Modekatalog. Eine 36-Jährige, große Sonnenbrille, ebenmäßig gepudertes Gesicht, edle Klamotte. "Liebe Asma", steht darunter, "einigen Frauen geht es um Stil". Schnitt. Es folgt ein verwackeltes Handy-Video, eine Frau mit Baby auf dem Arm, Angst im Blick. "Und einigen Frauen geht es um ihr Volk." So lautet der Untertitel. Schnitt.

Dann wieder Asma, den Blick in die Ferne, weit unter ihr die Stadt. "Manche Frauen kämpfen um ihr Image." Schnitt. Wilde Szenerie, ein Mädchen läuft durchs Bild, sucht Deckung: "Und manche kämpfen um ihr Überleben." Es folgen Bilder blutverschmierter, verletzter, sterbender Kinder. Kontraste, die den Zuschauer erschaudern lassen: Hier die Hochglanzaufnahmen von Asma al-Assad, der Frau des Diktators. Und dort die verwackelten Bilder ihrer Landsleute, auf die Syriens Machthaber Baschar al-Assad schießen lässt. Seit nunmehr einem Jahr.

"Verantwortung als Frau, Ehefrau und Mutter"

Das Vier-Minuten-Video ist ein Appell an die Frau, ihren Ehemann zu stoppen. Hinter der Botschaft stehen Huberta von Voss-Wittig und Sheila Lyall Grant, die Ehefrauen des deutschen und des britischen Uno-Botschafters in New York. "Die Regierungen dieser Welt versuchen auf Syriens Regierung einzuwirken. Wir senden jetzt eine Nachricht an Asma al-Assad", sagt Voss-Wittig im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Asma sei stets als moderne, gleichberechtigte Partnerin ihres Mannes aufgetreten, deshalb sei es nun an ihr, sich zu äußern: "Wir nehmen ihr die Rolle der Ehefrau, die nichts tun kann, nicht ab." Asma könne sich nicht "hinter ihrem Mann verstecken".

Mit ihrer am Dienstagmorgen auf YouTube und weiteren Portalen veröffentlichten Videobotschaft plus Online-Petition wollen Voss-Wittig und Co. als "Frauen aus der Zivilgesellschaft weltweit" auf Asma al-Assad einwirken, sich ihrer "Verantwortung als Frau, Ehefrau und als Mutter" bewusst zu werden: "Sie hat ein Jahr Zeit gehabt, bisher hat sie nichts unternommen." Ganz im Gegenteil, im Januar zeigte sie sich noch an der Seite des Diktators und trat damit Gerüchten entgegen, sie habe das Land verlassen. Aber ansonsten: Funkstille.

Voss-Wittig hofft auf breiten Beistand für ihren Aufruf. Schon jetzt habe sie Unterstützung aus der internationalen Gemeinschaft Japans, Südkoreas, der Türkei, Ungarns, der Philippinen, Finnlands, Litauens, der Niederlande, Österreichs sowie Katars. Sie legt Wert darauf, dass es sich bei dem Video nicht um eine offizielle Uno-Aktion sondern um eine Privatinitiative handelt.

Kann das syrische Volk noch auf Asma al-Assad hoffen? Schließlich war es die Diktatoren-Gattin, die dem Regime in Damaskus nach der Hochzeit im Jahr 2000 ein moderneres Antlitz gab, gern im Chanel-Kostüm und auf Christian-Louboutin-Schuhen. Die in London geborene Tochter eines syrischen Kardiologen ist gebildet, hat Abschlüsse in Informatik und französischer Literatur, arbeitete als Investmentbankerin. An der Staatsspitze inszenierte sie sich als Reformerin. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der die Assads im Elysée-Palast empfing, soll über Syriens Herrscher bemerkt haben: "Wenn er eine solche moderne und aufgeschlossene Frau hat, kann er so übel nicht sein."

Nur das schöne Gesicht der Diktatur?

Die Modezeitschrift "Vogue" feierte Asma noch im März 2011 als "glamourös, jung, sehr schick", als die "frischeste und magnetischste aller First Ladys", ja als "Wüstenrose" - zu einem Zeitpunkt also, da sich das syrische Volk gegen das Assad-Regime zu erheben begann. Zuletzt machte Asma als Tyrannen-Gattin im Shoppingwahn Schlagzeilen. Hacker hatten die Mail-Kommunikation des Präsidentenpaares veröffentlicht: Sie orderte online Highheels, Möbel, eine Ming-Vase; während ihr Mann das Volk zusammenschießen ließ. Zwar ist seit wenigen Tagen ein Waffenstillstand in Kraft und das Vorausteam für eine Uno-Beobachtermission im Land - doch das Sterben geht offenbar weiter.

Wer ist Asma wirklich? Wollte sie Syrien tatsächlich modernisieren oder war sie nur das schöne Gesicht einer Diktatur? Oder sitzt sie nun im goldenen Käfig?

Huberta von Voss-Wittig sagt, es gebe kein Herausreden. Schließlich würden all die Frauen, die auf der Straße demonstrieren, ihr Leben aufs Spiel setzen. "Wir fordern Asma Assad auf, ein Risiko einzugehen und offen zu sagen: Stoppt das Blutvergießen, und zwar sofort."

Im Video heißt es mit Blick auf Asma: Manche Frauen würden vorgeben, dass sie keine Wahl hätten, während andere einfach handelten. Und weiter: "Was ist los mir Dir, Asma? Hunderte syrischer Kinder sind bereits getötet oder verletzt worden. Eines Tages werden uns unsere Kinder fragen, was wir getan haben, um das Blutvergießen zu stoppen. Was wirst Du antworten, Asma?"

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insgesamt 17 Beiträge
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1.
seine-et-marnais 17.04.2012
Die Diplomaten-Gattinen richten eine Botschaft an Frau Assad, als Ehefrau des syrischen Praesidenten der die eine Seite des Konflikts verkoerpert. Koennten die auch einen Appel an die Harems der Scheiche, Emire und Koenige der Golfstaaten richten die diesen Aufstand finanzieren. Genau da liegt einer der Unterschiede, und ein sehr wichtiger, wie man das in Syrien beurteilen sollte. Die Situation der Frauen ist doch sehr verschieden. Und islamische Fundamentalisten scheren sich doch einen Teufel um die Meinung ihrer Frau. Wollen die Diplomaten-Gattinnen mit Volldampf zurueck ins Mittelalter?
2. Syrien
juerler@saxonia.net 17.04.2012
Zitat von sysopEs ist eine dramatische Video-Botschaft an die Frau des Tyrannen: Diplomaten-Gattinnen appellieren an Asma al-Assad, gegen das Morden in Syrien aufzubegehren. Die gebürtige Britin aber fiel bisher eher als schönes Gesicht der Diktatur auf. Appell an syrische Diktatoren-Gattin: "Liebe Asma, stoppe Deinen Mann" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827954,00.html)
Es ist offensichtlich, dass Syrien durch die Verbindenheit mit Iran einem Angriff desselben durch Israel und USA im Wege steht. Syrien ist also ein Unsicherheitsfaktor und könnte Iran helfen. Es wird also unter dem Deckmantel der sogenannten Demokratie (siehe Irak, Lybien)ÖL!! ein Aufstand angezettelt. Somit ist Syrien mit sich selbst beschäftigt. Man muß sich fragen wo kommen die Waffen und das Geld her für die Aufständigen. Es ist nicht verwunderlich wenn Staaten ein besonderes Auge auf sogenannte NGO`s haben. Besonders USA
3.
Regulisssima 17.04.2012
Es wäre zweifellos sinnvoller, statt dessen Frau Putin anzusprechen ! Frau Assad ist schliesslich nur die Frau eines hochrangigen Beamten in der russischen Kolonialverwaltung.
4.
munkelt 17.04.2012
Zitat von RegulisssimaEs wäre zweifellos sinnvoller, statt dessen Frau Putin anzusprechen ! Frau Assad ist schliesslich nur die Frau eines hochrangigen Beamten in der russischen Kolonialverwaltung.
Frau Putin? Wer ist das, die sieht man doch nie in der Öffentlichkeit. Und ob sie ihren Mann beeinflussen kann? Das traue ich eher Frau Assad zu. Assad hatte seine Chance, die Dinge in Syrien zu verbessern. Aber gegen den Machthaberclan ist er anscheinend nicht angekommen. Oder der Wille zu Reformen fürs Volk war nur halbherzig vorhanden... Die Macht und der damit verbundene Reichtum scheinen ja gut zu schmecken.
5.
ewspapst 17.04.2012
Zitat von RegulisssimaEs wäre zweifellos sinnvoller, statt dessen Frau Putin anzusprechen ! Frau Assad ist schliesslich nur die Frau eines hochrangigen Beamten in der russischen Kolonialverwaltung.
Auch das wird nichts nützen, denn man solte die wirklichen Manager der Hochfinanz und der Rüstungsfirmen ansprechen, H.Clinton, C. Rice und M. Albright, wobei hier nur die bekannten Frauen genannt wurden. Ich denke aber, diese "Damen" werden weiter für den Krieg sprechen, denn sie wollen doch nicht ihren so "schmalen Gewinn" noch weiter kürzen, gell.
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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