Bürgerkrieg in Syrien Russen unterstützen Assad bei Großangriff auf Rebellenhochburg Idlib

Russland bereitet mit Luftangriffen die Idlib-Offensive der Armee von Machthaber Assad vor. Dessen Regime macht derweil Israel für einen Angriff verantwortlich. Der Überblick.

Idlib
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Angriff bei Sonnenuntergang: Nach Angaben syrischer Staatsmedien sollen israelische Kampfjets mehrere Raketen nahe der Stadt Hama abgefeuert haben. Die Luftabwehr des Assad-Regimes will davon mehrere abgefangen haben. Eine Sprecherin der israelischen Armee wollte sich hierzu nicht äußern.

Unabhängig davon warnen die Vereinten Nationen vor der erwarteten Offensive auf die Rebellenhochburg Idlib in Syrien vor der größten humanitären Katastrophe im 21. Jahrhundert. Die Welt dürfe nicht "schlafwandlerisch" in diese Krise gehen, sagte Uno-Nothilfekoordinator Mark Lowcock angesichts der geschätzten drei Millionen Zivilisten in der Provinz im Nordwesten des Bürgerkriegslandes.

Uno-Syrienvermittler Staffan de Mistura appellierte in Genf an die Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, in einem direkten Telefonat im letzten Moment eine Eskalation zu verhindern. Auf dieser Ebene könne noch ein Ausweg gefunden werden, der zumindest das Leben der Zivilisten schone.

Offenbar 45 russische Luftangriffe auf Idlib an einem Tag

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatten derweil am Dienstagmorgen russische Kriegsflugzeuge etwa 45 Luftangriffe über weite Teile der Provinz geflogen. Dabei seien mindestens zwölf Menschen getötet und 30 verletzt worden.

Die oppositionelle Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk aus Ärzten und Aktivisten in Syrien. Die Angaben sind meist nicht unabhängig überprüfbar. Sie haben sich in der Vergangenheit aber meist als zuverlässig erwiesen.

Kremlsprecher Dmitrij Peskow sprach davon, dass sich in der Provinz "das nächste Terroristennest gebildet" habe. "Wir wissen, dass die syrischen Streitkräfte sich darauf vorbereiten, das Problem zu lösen", sagte er der Agentur Interfax zufolge. Ein Datum für die Offensive nannte er nicht.

Die Region im Nordwesten Syriens ist das letzte große Gebiet des Bürgerkriegslandes, das noch von Rebellen beherrscht wird. Dominiert werden diese von dem Kaida-Ableger Haiat Tahrir al-Scham (HTS), der früheren Al-Nusra-Front. Syriens Regierung hat Truppen zusammengezogen und droht mit einem Angriff zusammen mit ihren Verbündeten Russland und Iran.

Syriens Nachbarland Türkei, das im Falle einer Eskalation Flüchtlingsströme in Richtung seiner Grenze befürchtet, brachte einem Medienbericht zufolge weiteres Kriegsgerät in die Grenzregion. Acht Frachtfahrzeuge beladen mit Panzern und schweren Geschützen hätten die Grenzprovinz Kilis passiert, meldete die Zeitung "Hürriyet".

Idlib liegt nur etwa 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die Türkei unterhält in der Provinz Beobachtungsposten und ist Schutzmacht einer De-Eskalationszone. Die Panzer habe das Militär auf die andere Seite der Grenze gebracht.

Der Westen ist aufgrund der Pläne und früheren blutigen Offensiven auf Rebellengebiete in Aleppo oder Ost-Ghuta alarmiert.

Trump warnt Moskau und Teheran

US-Präsident Donald Trump warnte Russland und Iran, im Falle einer Schlacht in die Kämpfe einzugreifen. "Die Russen und Iraner würden einen schwerwiegenden humanitären Fehler machen, wenn sie bei dieser möglichen menschlichen Tragödie mitmachen", twitterte Trump bereits am Montag.

Hunderttausende Menschen könnten bei einem Angriff des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad getötet werden. "Lasst das nicht zu!", schrieb Trump. Am Montag hatte auch Bundesaußenminister Heiko Maas vor einer humanitären Katastrophe gewarnt.

Gipfeltreffen zwischen Iran, Russland und Türkei

Am Freitag wollen Russland und Iran als Unterstützer des Assad-Regimes und die Türkei als Schutzmacht von Teilen der Opposition über die Krise in Syrien beraten. Beobachter rechnen damit, dass sich dort das Schicksal Idlibs entscheiden könnte.

Vor diesem Hintergrund ist auch der US-Syriengesandte James Jeffrey in die Türkei gereist. Jeffrey traf am Dienstag in der türkischen Hauptstadt Ankara Verteidigungsminister Hulusi Akar, um über die jüngsten Entwicklungen in Syrien zu sprechen.

dop/dpa/AFP/Reuters



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