Damaskus/Paris - Ungeachtet der Verurteilung der Gewalt durch die Uno-Vollversammlung hat die syrische Armee am Freitag auf die Protesthochburg Homs die schwersten Angriffe seit zwei Wochen verübt - so berichten es Mitglieder der Opposition. Auf die Stadt, in der tausende Menschen von der Außenwelt abgeschnitten seien, würden jede Minute Raketen abgefeuert, sagte ein Mitglied. Tausende Syrer ließen sich von der Gewalt nicht einschüchtern und demonstrierten gegen die Führung.
Hadi Abdallah, ein Mitglied der Generalkommission der Syrischen Revolution, bezeichnete den Beschuss von Homs als "Kriegsverbrechen". Im Minutentakt schlugen demnach mindestens vier Raketen ein. "Das ist unfassbar. Das ist von einer solch extremen Gewalt, wie wir sie noch nicht erlebt haben", sagte Abdallah der Nachrichtenagentur AFP.
Auch die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die verschärften Angriffe auf Homs. In der Stadt seien am Morgen neun Leichen gefunden worden. Zwei weitere Menschen starben demnach in der östlichen Provinz Deir Essor. In zahlreichen Städten des Landes gab es den Angaben zufolge erneut Kämpfe zwischen der syrischen Armee und Deserteuren.
Zum "Freitag des Volkswiderstands" gingen vielerorts wieder tausende Syrer auf die Straße. In der südsyrischen Provinz Daraa, wo der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad vor elf Monaten seinen Anfang genommen hatte, demonstrierten mehr als zehntausend Menschen. Durch Schüsse von Sicherheitskräften wurden dort nach Angaben der Beobachtungsstelle mehrere Demonstranten verletzt. In Damaskus sei ein Demonstrant erschossen worden.
Die Verurteilung der Gewalt in Syrien durch die Uno-Vollversammlung wurde international begrüßt. Die Resolution sei ein "unüberhörbarer Appell der Weltgemeinschaft an Präsident Assad und das syrische Regime, unverzüglich Gewalt und Blutvergießen gegen das eigene Volk einzustellen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einer "unmissverständlichen Botschaft" an Damaskus.
Die Uno-Vollversammlung hatte am Donnerstag mit breiter Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die "systematische Menschenrechtsverletzungen" in Syrien anprangert und einen Rücktritt Assads fordert. Die Weltgemeinschaft verurteilt darin die Unterdrückung der Protestbewegung und fordert alle Seiten zu einem Ende der Gewalt auf.
Die Resolution hat allerdings nur symbolischen Charakter und ist völkerrechtlich nicht bindend. Eine Resolution des Uno-Sicherheitsrats zu Syrien kam bislang wegen des Widerstands der Veto-Mächte China und Russland nicht zustande. Sie stimmten wie zehn weitere Länder auch gegen die Entschließung der Vollversammlung. China schickte unterdessen den Vize-Außenminister Zhai Jun nach Damaskus, der nach Angaben des Außenministeriums eine "konstruktive Vermittlerrolle" in dem Konflikt übernehmen soll.
Frankreich und Großbritannien drängen die syrische Opposition nun zur Einheit, um sie im Kampf gegen Präsident Assad unterstützen zu können. Die Zersplitterung der Regierungsgegner sei eine ebensogroße Hürde bei der Krisenlösung wie die Weigerung von Russland und China, im Uno-Sicherheitsrat die Regierungsgewalt zu verurteilen, sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister David Cameron in Paris. "Wir werden nicht akzeptieren, dass ein Diktator sein Volk abschlachtet, aber die Revolution wird nicht von außen geführt", sagte Sarkozy. "Wie in Tunesien, Ägypten und Libyen muss sie von innen angeführt werden."
In der kommenden Woche will die Staatengemeinschaft auf einer Konferenz der "Freunde Syriens" in Tunesien das Vorgehen beraten. Mit Blick auf das Treffen sagte Cameron: "Wir müssen alles Notwendige unternehmen, um einen maximalen Druck auf Assad auszuüben und das Abschlachten zu beenden." Als Teil der Hilfe für die durch die Kämpfe notleidende Bevölkerung kündigte der Regierungschef Lebensmittelhilfen für rund 20.000 Syrer an. Bei der gewaltsamen Niederschlagung des Aufstands starben Schätzungen zufolge bereits Tausende Menschen. Knapp ein Jahr nach Ausbruch der Unruhen verschärft Assad das gewaltsame Vorgehen, obwohl er seinen Gegnern gleichzeitig mit einem Termin für ein Verfassungsreferendum Entgegenkommen signalisierte.
flo/AFP/Reuters
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