Syrien: Opposition beklagt Eskalation der Regierungsattacken auf Homs

Die Lage in Syrien spitzt sich zu: Homs, die Hochburg der Anti-Regierungs-Seite, wird nach Aktivisten-Angaben von den schwersten Angriffen der Regime-Truppen seit zwei Wochen erschüttert. Frankreich und Großbritannien rufen die Opposition zur Einheit im Kampf gegen Baschar al-Assad auf.  

Anti-Assad-Proteste in Idlib: Die Regierung setzt offenbar weiterhin auf Härte Zur Großansicht
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Anti-Assad-Proteste in Idlib: Die Regierung setzt offenbar weiterhin auf Härte

Damaskus/Paris - Ungeachtet der Verurteilung der Gewalt durch die Uno-Vollversammlung hat die syrische Armee am Freitag auf die Protesthochburg Homs die schwersten Angriffe seit zwei Wochen verübt - so berichten es Mitglieder der Opposition. Auf die Stadt, in der tausende Menschen von der Außenwelt abgeschnitten seien, würden jede Minute Raketen abgefeuert, sagte ein Mitglied. Tausende Syrer ließen sich von der Gewalt nicht einschüchtern und demonstrierten gegen die Führung.

Hadi Abdallah, ein Mitglied der Generalkommission der Syrischen Revolution, bezeichnete den Beschuss von Homs als "Kriegsverbrechen". Im Minutentakt schlugen demnach mindestens vier Raketen ein. "Das ist unfassbar. Das ist von einer solch extremen Gewalt, wie wir sie noch nicht erlebt haben", sagte Abdallah der Nachrichtenagentur AFP.

Auch die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die verschärften Angriffe auf Homs. In der Stadt seien am Morgen neun Leichen gefunden worden. Zwei weitere Menschen starben demnach in der östlichen Provinz Deir Essor. In zahlreichen Städten des Landes gab es den Angaben zufolge erneut Kämpfe zwischen der syrischen Armee und Deserteuren.

Zum "Freitag des Volkswiderstands" gingen vielerorts wieder tausende Syrer auf die Straße. In der südsyrischen Provinz Daraa, wo der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad vor elf Monaten seinen Anfang genommen hatte, demonstrierten mehr als zehntausend Menschen. Durch Schüsse von Sicherheitskräften wurden dort nach Angaben der Beobachtungsstelle mehrere Demonstranten verletzt. In Damaskus sei ein Demonstrant erschossen worden.

Die Verurteilung der Gewalt in Syrien durch die Uno-Vollversammlung wurde international begrüßt. Die Resolution sei ein "unüberhörbarer Appell der Weltgemeinschaft an Präsident Assad und das syrische Regime, unverzüglich Gewalt und Blutvergießen gegen das eigene Volk einzustellen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einer "unmissverständlichen Botschaft" an Damaskus.

Die Uno-Vollversammlung hatte am Donnerstag mit breiter Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die "systematische Menschenrechtsverletzungen" in Syrien anprangert und einen Rücktritt Assads fordert. Die Weltgemeinschaft verurteilt darin die Unterdrückung der Protestbewegung und fordert alle Seiten zu einem Ende der Gewalt auf.

Die Resolution hat allerdings nur symbolischen Charakter und ist völkerrechtlich nicht bindend. Eine Resolution des Uno-Sicherheitsrats zu Syrien kam bislang wegen des Widerstands der Veto-Mächte China und Russland nicht zustande. Sie stimmten wie zehn weitere Länder auch gegen die Entschließung der Vollversammlung. China schickte unterdessen den Vize-Außenminister Zhai Jun nach Damaskus, der nach Angaben des Außenministeriums eine "konstruktive Vermittlerrolle" in dem Konflikt übernehmen soll.

Frankreich und Großbritannien drängen die syrische Opposition nun zur Einheit, um sie im Kampf gegen Präsident Assad unterstützen zu können. Die Zersplitterung der Regierungsgegner sei eine ebensogroße Hürde bei der Krisenlösung wie die Weigerung von Russland und China, im Uno-Sicherheitsrat die Regierungsgewalt zu verurteilen, sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister David Cameron in Paris. "Wir werden nicht akzeptieren, dass ein Diktator sein Volk abschlachtet, aber die Revolution wird nicht von außen geführt", sagte Sarkozy. "Wie in Tunesien, Ägypten und Libyen muss sie von innen angeführt werden."

In der kommenden Woche will die Staatengemeinschaft auf einer Konferenz der "Freunde Syriens" in Tunesien das Vorgehen beraten. Mit Blick auf das Treffen sagte Cameron: "Wir müssen alles Notwendige unternehmen, um einen maximalen Druck auf Assad auszuüben und das Abschlachten zu beenden." Als Teil der Hilfe für die durch die Kämpfe notleidende Bevölkerung kündigte der Regierungschef Lebensmittelhilfen für rund 20.000 Syrer an. Bei der gewaltsamen Niederschlagung des Aufstands starben Schätzungen zufolge bereits Tausende Menschen. Knapp ein Jahr nach Ausbruch der Unruhen verschärft Assad das gewaltsame Vorgehen, obwohl er seinen Gegnern gleichzeitig mit einem Termin für ein Verfassungsreferendum Entgegenkommen signalisierte.

flo/AFP/Reuters

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1.
alnemsi 17.02.2012
Zitat von sysopHadi Abdallah, ein Mitglied der Generalkommission der Syrischen Revolution, bezeichnete den Beschuss von Homs als "Kriegsverbrechen". Syrien: Opposition beklagt Eskalation der Regierungsattacken auf*Homs - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816053,00.html)
Diese Generalkommission hat sich bereits im September für eine Flugverbotszone nach libyschem Vorbild, sowie für eine "internationale Mission zur Friedenssicherung" ausgeprochen. Wenig überraschenderweise tagte das Gremium damals in Washington. Ich denke, das zeigt die Motivation Herrn Abdallah's schon relativ deutlich auf. In Bab Amr gibt es laut Al Jazeeara seit Ende April letzten Jahres bewaffnete Widerstandsgruppen. Diese bestehen nicht aus desertieren Soldaten, sondern aus einheimischen Sunniten. Außerdem gab es diverse Angriffe dieser Gruppierungen auf Armee, Polizei und Geheimdienste, die Verluste des Regimes liegen wohl in den Hunderten. Alawiitische Familien in Homs wurden aufgrund ihrer Herkunft vom Mob getötet. Seit 2 Wochen stehen bestimmte Stadtteile also unter Artelleriefeuer. Wer unter diesen Umständen weiterhin, trotz diverser offizieller Geleite in der Stadt geblieben ist, und sich weiterhin in Vierteln aufhält, die von maskierten, mit schweren Waffen ausgestatteten Privatmilitias kontrolliert werden, muss sich zumindest die Frage stellen lassen, was zur Hölle er/sie dort zu suchen hat. Inside Syria - Al Jazeera English (http://www.aljazeera.com/indepth/spotlight/insidesyria/)
2.
belle76 17.02.2012
Es ist so furchtbar was dort passiert!!! Aber warum zum Donnerwetter noch mal setzt sich die UNO Vollversammlung nicht mal dafür ein, das BEIDE Parteien, Regierung und Opposition zur Gesprächen und Zugeständnissen bereit sind, auch die Opposition. Wenn die meinen, das die Assad Regierung ihre Zugeständnisse eh nicht einhalten wird, dann könnte man doch z.B. für eine wirklich freie Wahl, UNO Beobachter/Helfer dazu holen. Es passiert das gleiche wie bei Libyen, es wird vom Westen einseitig kollaboriert, berichtet und gehandelt. Das ist doch so richtig westlich demokratisch.*Sarkasmus aus*
3. Gerüchte
CommonSense2006 17.02.2012
Zitat von alnemsiDiese Generalkommission hat sich bereits im September für eine Flugverbotszone nach libyschem Vorbild, sowie für eine "internationale Mission zur Friedenssicherung" ausgeprochen. Wenig überraschenderweise tagte das Gremium damals in Washington. Ich denke, das zeigt die Motivation Herrn Abdallah's schon relativ deutlich auf. In Bab Amr gibt es laut Al Jazeeara seit Ende April letzten Jahres bewaffnete Widerstandsgruppen. Diese bestehen nicht aus desertieren Soldaten, sondern aus einheimischen Sunniten. Außerdem gab es diverse Angriffe dieser Gruppierungen auf Armee, Polizei und Geheimdienste, die Verluste des Regimes liegen wohl in den Hunderten. Alawiitische Familien in Homs wurden aufgrund ihrer Herkunft vom Mob getötet. Seit 2 Wochen stehen bestimmte Stadtteile also unter Artelleriefeuer. Wer unter diesen Umständen weiterhin, trotz diverser offizieller Geleite in der Stadt geblieben ist, und sich weiterhin in Vierteln aufhält, die von maskierten, mit schweren Waffen ausgestatteten Privatmilitias kontrolliert werden, muss sich zumindest die Frage stellen lassen, was zur Hölle er/sie dort zu suchen hat. Inside Syria - Al Jazeera English (http://www.aljazeera.com/indepth/spotlight/insidesyria/)
Ich habe aus Syrien Gerüchte gehört, dass die Armee sich diese seltsame Situation nicht länger bieten lassen wird und das Viertel Baba Amr am Wochenende geräumt wird. Aus der Sicht der Regierung ist das auch eine unhaltbare Situation: wenige Hundert Bewaffnete halten da die Armee in Schach mit vielleicht 9-10.000 Zivilisten im Rücken, die mehr oder weniger freiwillig dort ausharren. Jeder Verletzte oder Getötete wird binnen weniger Minuten als "Massaker" oder "Völkerrechtsverletzung" vei Youtube hochgeladen, um die internationale Presse weiter anzuheizen, was die syrische Regierung dazu sagt, wird weitgehend ignoriert. Wer die Salafisten, die dort vor Ort sind, einmal selbst sehen möchte, sei dieser beitrag von arte empfohlen, ab Min 16:40 ist der interessante Part. Die Unterstütung der "Zivilisten" für salfistische Fundamentalisten sieht man dann ab 21:48 Syrien : Kämpfer für die Freiheit - Reportage 11.02.2012 - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=Y-ci2uo8EP0)
4. Einfach schrecklich
schlangenbad 17.02.2012
Zitat von sysopDie Lage in Syrien spitzt sich zu: Homs, die Hochburg der Anti-Regierungs-Seite, wird nach Aktivisten-Angaben von den schwersten Angriffen der Regime-Truppen seit zwei Wochen erschüttert. Frankreich und Großbritannien rufen die Opposition zur Einheit im Kampf gegen Baschar al-Assad auf. Syrien: Opposition beklagt Eskalation der Regierungsattacken auf*Homs - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816053,00.html)
Man kann es einfach nicht verstehen daß die Welt fast nur zusieht. Russland, China und Nordkorea sind halt was Menschenrechte angeht nicht besser. Es müßte überall wo wichtige Entscheidungen anstehen das Mehrheitsprinzip gelten, somit hätte man eher die Möglichkeit zu aggieren. Assad schlachtet sein Volk ab und denen die etwas tun wollen sind wegen drei... die Hände gebunden. Da muß sich einfach etwas ändern.
5.
Tommi16 17.02.2012
Zitat von schlangenbadAssad schlachtet sein Volk ab und denen die etwas tun wollen sind wegen drei... die Hände gebunden. Da muß sich einfach etwas ändern.
Assad "schlachtet" nicht, er läßt seine Armee gegen Gewalttäter und Terroristen kämpfen. Wenn Sie mir nicht glauben, vielleicht dem hier: In syrischer Opposition gibt es keine Einheit, aber Terroristen (http://de.rian.ru/politics/20120217/262708809.html)
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