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Flüchtlingslager Jarmuk in Damaskus: Palästinensische Kämpfer melden Erfolge gegen den IS

Flüchtlingslager: Vormarsch auf Jarmuk Fotos
AFP

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nennt Jarmuk im Süden von Damaskus ein "Todeslager". In dem vom "Islamischen Staat" eroberten Stadtteil wird heftig gekämpft: Palästinensische Milizen rücken nach eigenen Angaben vor.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Schwere Gefechte am südlichen Stadtrand von Damaskus: Palästinensische Kämpfer haben sich im Flüchtlingslager Jarmuk heftige Gefechte mit Anhängern der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) geliefert. Syrische Regimekräfte hätten die islamistischen Extremisten zugleich mit Artillerie beschossen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien am Freitag mit. Über Tote und Verletzte liegen derzeit keine Angaben vor.

Die Palästinenser rückten nach eigenen Angaben bis in das Zentrum des zerstörten Stadtteils Jarmuk vor. Der IS kontrolliere nur noch rund ein Drittel des Lagers, sagte ein Sprecher der palästinensische Milizen der Deutschen Presse-Agentur. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es nicht, Journalisten haben keinen Zugang zu dem Viertel.

Der IS hatte vor einigen Tagen das Lager überrannt und gab an, rund 90 Prozent von Jarmuk unter Kontrolle gebracht zu haben. Die IS-Terroristen gingen rücksichtslos gegen Bewohner vor, die sich ihnen in den Weg stellten, mehrere Männer wurden auf offener Straße enthauptet.

Das zwei Quadratkilometer große Viertel Jarmuk gleicht mittlerweile einer Ruinenstadt. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon machte nun mit drastischen Worten auf die "humanitäre Katastrophe von epischem Ausmaß" aufmerksam. Im syrischen Horror sei das Flüchtlingslager Jarmuk die "tiefste Hölle", sagte er. Ban spricht von einem "Todeslager".

Die rund 16.000 Menschen in dem Lager, darunter rund 3500 Kinder, würden als "menschliche Schutzschilde" missbraucht, sagte Ban weiter. "Wir können nicht einfach dastehen und zusehen, wie sich ein Massaker zuträgt. Wir dürfen die Menschen in Jarmuk nicht aufgeben."

Video: Statement von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon

In dem Lager im Süden von Damaskus leben noch rund 16.000 von einst etwa 150.000 Palästinensern. Dabei handelt es sich um Flüchtlinge aus dem arabisch-israelischen Krieg 1948 und um deren Nachkommen.

Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) erklärte am Freitag, dass sie einen bewaffneten Kampf der Palästinenser für das Flüchtlingslager Jarmuk in Syrien nicht unterstützen wolle. In einer Mitteilung aus Ramallah hieß es, die PLO wolle verhindern, dass die Palästinenser in den Bürgerkrieg hineingezogen werden. Die Mitteilung widerspricht Aussagen, die ein PLO-Abgesandter zuvor in Damaskus getätigt hatte. Ahmed Madschdalani hatte dort erklärt, die Palästinenser wollten gemeinsam mit der syrischen Armee gegen die Extremisten vorgehen. Ziel sei es, den IS aus dem Lager zu vertreiben.

Die Bundesregierung stellte zusätzliche Hilfe für das Flüchtlingslager Jarmuk in Aussicht. "Seit Beginn des Bürgerkriegs geht es den Menschen da schlecht", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. "Sie werden ausgehungert." Das syrische Regime und Extremistengruppen blockierten systematisch Hilfe. Die Bundesregierung habe der Uno-Organisation für syrische Flüchtlinge UNRWA im vergangenen Jahr bereits 6,4 Millionen Euro zur Unterstützung des Lagers zur Verfügung gestellt. "Wir stehen auch jetzt im Kontakt mit den Vereinten Nationen, um zu schauen, wie wir weiter helfen können."

Zusammenfassung: Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" hatte das Flüchtlingslager Jarmuk in Damaskus erobert. Jetzt rücken palästinensische Milizen nach eigenen Angaben vor.

heb/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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1. das kann doch nicht wahr sein
maki1961 10.04.2015
palistinenser kämpfen gegen is? was soll bloß Israel dazu sagen denn sind die palistinenser nicht die Ausgeburt des teufels? ich jedenfalls wünsche ihnen viel erfolg.
2. Eine Frage
Grafsteiner 10.04.2015
Wer kauft den palästinensischen Flüchtlingen die Waffen? Das überschwere Maschinengewehr auf dem Foto ist ein amerikanisches „Ma Deuce“, ein M 2. In der Bundeswehr als MG50-1 im Einsatz.
3.
stauner 10.04.2015
Liebe Redakteur/innen! Ich bitte sie darum, vorsichtig mit Sieges-Schlagzeilen gegen den IS umzugehen. Wir lesen ja allenthalben von einer zurückeroberten Stadt hier und einer da. Wenn einem solche Schlagzeilen eine Weile immer wieder begegnen, bekommt der Leser leicht den Eindruck: "Alles im Griff." Bezogen auf das Gesamtgebiet, welches von der IS kontrolliert wird, sind das aber nichts als kleine Sommersprossen auf der Karte. Solch Sieges-Berichterstattung wird immer dann gefährlich, wenn es nichts als kleine Propaganda-Stückchen der Kämpfer der anderen Seite sind. Der Eindruck, der vermittelt wird ist falsch.
4.
TangoGolf 10.04.2015
Zitat von maki1961palistinenser kämpfen gegen is? was soll bloß Israel dazu sagen denn sind die palistinenser nicht die Ausgeburt des teufels? ich jedenfalls wünsche ihnen viel erfolg.
nicht die Palästinenser - nur die Hamas. Und die kommen der "Ausgeburt" schon recht nahe.
5. schon komisch
stolte ole 10.04.2015
ich verstehe das nicht mehr, pkk,der Iran und jetzt die Palästinenser also Terroristen werden im spon in positivem Licht dargestellt. da kommt doch mein gesamter wertekanon und die deutsche Staatsräson durcheinander.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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