Syrien Panzer und Kriegsschiffe attackieren Dissidenten

Die syrischen Streitkräfte haben offenbar erneut die Stadt Latakia attackiert. Bodentruppen und Sicherheitskräfte des Assad-Regimes stürmten Berichten zufolge mit Panzern zahlreiche Viertel. Außenminister Guido Westerwelle kritisierte die Gewalt scharf.


Damaskus - Die syrische Hafenstadt Latakia ist erneut Ziel von brutalen Angriffen geworden. Anwohnern zufolge beschoss die syrische Armee den dritten Tag in Folge Wohngebiete. Während Kanonenboote auf Küstenbezirke gefeuert hätten, hätten Bodentruppen und Sicherheitskräfte mit Panzern zahlreiche Stadtviertel Latakias gestürmt. "Die Menschen versuchen zu flüchten, aber sie können Latakia nicht verlassen, weil die Stadt umlagert ist", sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur Reuters.

Es gibt zudem Berichte über Scharfschützen, die auf Hausdächern in Stellung gegangen seien. Schüsse seien weithin zu hören gewesen, berichteten syrische Exil-Aktivisten, die mit Augenzeugen vor Ort in Verbindung stehen.

Nach Angaben einer Oppositionsgruppe töteten die Truppen von Präsident Baschar al-Assad bei den Angriffen einen 22-jährigen Zivilisten. Ein Augenzeuge bestätigte diese Darstellung. Die Soldaten hätten das Feuer auf eine Gruppe - darunter viele Frauen und Kinder - eröffnet, als sie fliehen wollte. Damit stieg die Anzahl der Toten seit Beginn der Offensive in Latakia auf mindestens 29. Im ganzen Land sollen seit Ausbruch der Proteste im März bis zu 2000 Zivilisten getötet worden sein.

Die staatliche Nachrichtenagentur dementierte, dass Latakia vom Meer aus angegriffen worden sei. Ein syrischer Militärvertreter erklärte, die Berichte über Kanonenboote entbehrten jeder Grundlage. Die Boote patrouillierten die Küste routinemäßig, um Waffenschmuggel zu unterbinden. Doch Augenzeugen und Menschenrechtsgruppen beharrten: Auch am Montag hätten Kriegsschiffe dicht besiedelte Wohngebiete in der Stadt am Mittelmeer beschossen. Die Berichte aus Syrien können nur schwer überprüft werden, weil die Regierung ausländische Korrespondenten aus dem Land verwiesen hat.

Das Assad-Regime hatte Latakia bereits am Wochenende mit Marine-Haubitzen, Mörsern und Panzern beschießen lassen. Syrische Panzer waren am Samstag in die Hafenstadt eingerückt, nachdem dort am Vortag etwa 10.000 Bewohner gegen den Präsidenten demonstriert hatten.

Außenminister Guido Westerwelle verurteilte den Einsatz von Kriegsschiffen und Panzern gegen Demonstranten in Syrien scharf. "Diese aktuelle Gewaltanwendung ist weder moralisch noch völkerrechtlich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen", sagte Außenamtssprecher Andreas Peschke. Deutschland fordere ein sofortiges Ende der Gewalt und setze sich in der EU für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Syrien ein. Zudem werde man auf eine erneute Befassung des Uno-Sicherheitsrats mit dem Thema noch in dieser Woche dringen.

Wegen der Gewalt in Syrien sind Tausende Palästinenser aus einem Flüchtlingslager in dem arabischen Land geflohen. Mindestens die Hälfte der 10.000 Bewohner des Lagers Raml nahe Latakia habe die Flucht ergriffen, teilte das Uno-Hilfswerk für die palästinensischen Flüchtlinge mit. Sprecher Chris Gunness forderte sofortigen Zugang zu dem Lager, um die Lage zu überprüfen.

Kgp/dapd/Reuters/dpa



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Neidhammelchen 16.08.2011
1. Na Frau Merkel!
Alles in einem Staat?Klar Panzer kann man nicht gegen Demonstranten einsetzen und Kriegsschiffe auch nicht wie sich aus dem Bericht entnehmen läßt!Na ihre Verkommenen Freunde werden es ihnen bestimmt versprechen niemals deutsche Waffen dafür einzusetzen!Die Toten klagen auch Sie wie alle anderen Waffenlieferanten an.
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