Trumps Beziehungen mit der Türkei Verhältnismäßig gestört

US-Präsident Trump droht, die Türkei wirtschaftlich "zu zerstören" - sollte sie die Kurdenmiliz YPG angreifen. Sein Gepolter über Social-Media-Kanäle macht eine friedliche Lösung des Konflikts noch unwahrscheinlicher.

Donald Trump
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Von , Istanbul


Es braucht Jahre, oft Jahrzehnte, um in der internationalen Politik Beziehungen aufzubauen. Um sie zu zerstören oder zumindest zu beschädigen, genügt manchmal ein einziger Tweet. Die Türkei werde "wirtschaftlich zerstört" werden, wenn sie die Kurden in Nordsyrien angreife, schrieb US-Präsident Donald Trump am Sonntagabend auf Twitter.

Es war eine Drohung, wie sie zwischen Nato-Partnern so selten vorgekommen ist. Die Reaktion aus der Türkei folgte prompt: "Du kannst nichts erreichen, indem du der Türkei wirtschaftlich drohst. Wir werden uns keiner Drohung beugen", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag.

Das Verhältnis zwischen Ankara und Washington ist seit Monaten schwer belastet:

Türkei betrachtet die YPG als PKK-Ableger

Der Konflikt über den Umgang mit der kurdischen Miliz YPG könnte nun zu einem endgültigen Bruch zwischen den beiden Nato-Partnern führen. Die USA kämpfen in Syrien gemeinsam mit der YPG erfolgreich gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS). Die Türkei hingegen betrachtet die YPG als Ableger der Guerillaorganisation PKK, die von der EU wie von den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Erdogan-Sprecher Ibrahim Kalin behauptete am Montag, es gebe keinen Unterschied zwischen dem IS, der PKK und der YPG.

Als Trump im Dezember nach einem Telefonat mit Erdogan überraschend ankündigte, amerikanische Truppen aus Syrien abzuziehen, schien der Streit kurzfristig beigelegt. Nun eskaliert er von Neuem. US-Außenminister Mike Pompeo bekräftigte bereits Anfang Januar, man werde nicht zulassen, dass die Türkei "Kurden abschlachte", was in Ankara für Empörung sorgte. Erdogan ließ US-Sicherheitsberater John Bolton bei dessen Besuch in der türkischen Hauptstadt vergangene Woche auflaufen.

Das türkische Militär ist vor einem Jahr in die syrische Stadt Afrin einmarschiert, um die YPG aus dem Grenzgebiet zu vertreiben. Nun würde Erdogan den Einsatz gerne auf den Nordosten des Landes ausdehnen. Die türkische Regierung verlegte am Wochenende weitere Soldaten und Panzer an die Grenze zu Syrien. "Wir werden tun, was immer nötig ist, um die Terroristen zu töten", sagte Erdogan.

Friedliche Lösung immer unwahrscheinlicher

Die US-Regierung ist trotzdem nach wie vor überzeugt, einen Kompromiss mit der Türkei zu finden. Trump kündigte am Sonntag in seinem Tweet an, eine 32 Kilometer lange "Sicherheitszone" zwischen der Türkei und Syrien schaffen zu wollen. Was genau er damit meint, führte der US-Präsident jedoch nicht näher aus.

Da sich die meisten kurdischen Städte wie Kobane oder Kamischli in unmittelbarer Nähe zur Grenze zur Türkei befinden, wäre es für Erdogan durchaus ein Erfolg, würde sich die YPG aus dem Gebiet zurückziehen. Es ist trotzdem unklar, ob er einen Militäreinsatz abbläst - jetzt, da US-Soldaten ohnehin bald Syrien verlassen.

Fraglich bleibt zudem, ob sich das Regime von Syriens Diktator Baschar al-Assad und dessen Unterstützer, Russland und Iran, auf einen solchen Deal einlassen würden. Durch Trumps Tweet ist eine friedliche Lösung des Konflikts in Nordsyrien ein weiteres Stück unwahrscheinlicher geworden.

insgesamt 91 Beiträge
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zardoz77 14.01.2019
1. USA Bashing
Oftmals als Drohnenkrieger beschimpft, wünschen sich die linken USA-Basher nun komischerweise sicher den Verbleib der US-Imperialisten in Nordsyrien. Komisch nicht. Frau Wagenknecht und Gysi können ja mit Panzern dorthin eilen und ihre marxistisch-leninistischen Brüder beschützen. Obs ihr geliebter Putin macht ist fraglich. Ohnehin bringt dieser auch nur Islamisten ins Land, die Hisbollah. Geschichte wäre lustig, wenns nicht immer so bitter wäre.
Findus_1 14.01.2019
2. bei allen Vorgängern von Trump...
konnte man darauf vertrauen, dass politische Absichtserklärungen auch Bestand haben. Bei Trump ist sich der Rest der Welt allerdings nie sicher. Man kann ihm einfach nicht trauen.
muekno 14.01.2019
3. Das erste Mal dass Trump was sinniges macht
hoffentlich hält er sich daran und zeigt dem Sultan von Ankara seinen grenzen auf. Die Kurden gehören geschützt am besten sie bekommen einen eigenen Staat.
claus7447 14.01.2019
4. Wenn zwei despoten sich treffen...
Zwei andere sich im Hintergrund die Hände reiben (Putin und Asad). Eigentlich ein Fall für die UNO. Wenn es da nicht die Veto Mächte gäbe. Ok, bei Donny weiß ich nicht so genau wie lange seine Aussagen gelten. Beim Sultan bin ich mir schon sicherer. Vielleicht sollte man die reisewarnungen für die Türkei drastisch erhöhen. Nur zur Vorsicht.....
denito41 14.01.2019
5. Türkei betrachtet die YPG als PKK-Ableger. Nur die Türkei?
Für die USA ist die YPG ein Arm der PKK, welche nicht nur in der Türkei, sondern auch in den USA als Terrororganisation gilt. Auch der Deutsche Verfassungsschutz betrachtet die YPG als verlängerten Arm der PKK. Das kann man nicht lesen. Auch nicht, dass Amnesty der YPG Kriegverbrechen vorwirft. Der Name "SDF" wird in den USA als PR-freundliche Bezeichnung für die YPG gesehen.... -> siehe entsprechende Aussagen von General Raymond A. Thomas ( Commander, United States Special Operations Command )
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